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Stuhlrücken im Papstpalast

von Joseph Hanimann

Avignon, 5. Juli 2021. Intendantenwechsel zum Auftakt. Gleich am Eröffnungstag dieses 75. Theaterfestivals Avignon erfuhr man nach lebhaften Spekulationen, wer ab September 2022 Nachfolger des bisherigen Leiters Olivier Py sein wird. Solch zusätzlicher Spannung hätte das Festival mit seinem stolzen Programm gar nicht bedurft. Doch gehört das zur Besonderheit Avignons.

Geschmetterte Worttiraden und Schwalbenflug

Mehr als andere Festivals lebt es von der Persönlichkeit seines Chefs. Olivier Pys Nachfolger, der Portugiese Tiago Rodrigues wird erst der siebte Festivalleiter seit der Gründung im Jahr 1947 sein. Und es ist eine vorzügliche Wahl. Doch auch er wird im Nachglanz des Gründers Jean Vilar stehen, der das alljährliche Sommertreffen in der Provence bis zu seinem Tod 1969 nachhaltig geprägt hat.

Lange Nächte im Papstpalast unter freiem Sternenhimmel, in den Mistral geschmetterte Worttiraden, Zikadenzirpen und Endlosschlaufen des Schwalbenflugs um die alten Mauern sowie Straßenrummel rund um die Uhr gehören zwar mit dazu. Das Wesentliche des Totaltheaters an diesem Ort hat aber der Literaturwissenschaftler Roland Barthes in seinen frühen Kritikerjahren einmal festgehalten anlässlich eines Avignon-Besuchs an einem verregneten Wintertag. Einfache, kalte, von der Natur gezeichnete Kulisse, in welcher der Mensch endlich seine Arbeit an der Darstellung des Menschseins aufnehmen könne, schrieb er 1954 in France-Observateur.Ehrenhof des Papstpalasts Christophe Raynaud de Lage uEhrenhof des Papstpalasts in Avignon © Christophe Raynaud de Lage

Das ist genau das, was dem Regisseur und Schauspieler Jean Vilar bei seiner Theaterarbeit vorschwebte. Er suchte einen Ort weit weg von der bürgerlichen Bühnenkonvention mit Vorhang und Schaukastenbühne. Einen Ort, an dem die großen dramatischen Figuren, die Sozialkonflikte und aktuellen Gesellschaftsfragen, kühne Traumvisionen und der horizontsprengende Blick in die Vergangenheit wie in die Zukunft zueinander in ein Spannungsverhältnis treten konnten. Stücktexte waren für ihn nicht Rohstoff für spektakuläre Eigenfiktionen, sondern Vorlage zu immer neuen Deutungen. Im ersten Festivaljahr brachte er Shakespeares "Richard II." zum ersten Mal auf eine französische Bühne und in den Folgejahren machte er mit dem Schauspielergott Gérard Philipe auf der einfachen Bretterbühne des Papstpalasthofs in Avignons Corneilles "Cid" oder Kleists "Prinz von Homburg" zur Legende.

"Der widerliche preußische Frankreichhasser Kleist ist ein Liebling des französischen Theaters geworden", staunte ein Kritiker. Und die Guillotine in "Dantons Tod" von Büchner bemühte Vilars Inszenierung schon gar nicht erst real auf die Bühne, sondern ließ sie – viel bedrohlicher – als Schatten über die Palastfassade huschen. Der Theatermacher Vilar mit Latzhose und Proletariermütze vertraute in Avignon wie im Pariser Théâtre National Populaire, das er 1952 im Pariser Palais Chaillot eröffnete, der Empfänglichkeit und der Vorstellungskraft des Publikums, ohne Beihilfe durch die realistische Konvention.

Wechselbad des Zusehens

Das muss bedenken, wer in Avignon vor die Zuschauer tritt. Für nicht wenige von ihnen ist dieses Festival noch heute die praktisch einzige Gelegenheit wiederholter Theaterbesuche im ganzen Jahr. Ein konzentriertes Wechselbad des Zusehens und Zuhörens. Das In- wie das Off-Programm mit seinen über tausend freien Produktionen ist der Spiegel davon. Verklausulierte Avantgarde und Populärgeschmack laufen sich da einen Monat lang täglich über den Weg und keiner rümpft überheblich die Nase über den Klamauk auf Straßen und Plätzen. Man nimmt ihn als Teil des Fests.

Dieses Kunststück, artistische Ansprüche und breitere Publikumserwartungen einander näher zu bringen, hat Olivier Py als Intendant seit 2014 weitgehend gemeistert, nachdem das Festival unter den Vorgängern nahe dran war, in experimentellen Autismus und schicken Tourneestandard abzudriften. Theater bedeutet für Py immer auch die Macht des Worts großer Texte auf einfachen Podesten. Das Programm 2021, sein vorletztes, das der Festivalleiter unter das Stichwort "Erinnerung an die Zukunft" stellt, zeigt dies auf besondere Weise.

In Untergründe abtauchen

Von den rund vierzig Produktionen schöpfen manche direkt aus dem Stückrepertoire, bei Tschechow in Tiago Rodrigues‘ Eröffnungspremiere "Der Kirschgarten" im Papstpalasthof, bei Molière oder in Olivier Pys eigenem täglichem Theaterfeuilleton "Hamlet à l’impératif!", einem "Hamlet" mit Ausrufezeichen. Zeitgenössische Autor:innen sind mit Marie NDiaye, Philippe Minyana oder mit Komél Mundruczós Inszenierung auf Polnisch von "Czastki Kobiety" ("Pieces of a Woman") der ungarischen Autorin Kata Wéber vertreten. Das Kollektiv FC Bergman sowie Emma Dante, Angélica Liddel, Christiane Jatahy oder Caroline Guiela Nguyen treten mit neuen Produktionen auf. Im Tanzbereich zeigen Jan Martens, Rosalba Torres Guerrero und Koen Augustijnen ihre jüngsten Arbeiten. 

Die beiden Eröffnungspremieren am Montag erzählen von Ereignissen, die alle kommen sehen und keiner wirklich wahrnehmen will. Die brasilianische Regisseurin Christiane Jatahy ist dafür bekannt, Realszenen auf der Bühne mit zeitgleichen oder verschobenen Filmaufnahmen davon zu komplexen Suchbildern über die politische Aktualität zu verknüpfen. "Le présent qui déborde" ("Gegenwart, die überläuft") hieß vor zwei Jahren ihre letzte Produktion über Migrant:innenschicksale, die zwischen Weggehen und Nicht-Ankommen kein Land mehr haben. In ihrem neuen Stück "Entre chien et loup" ("Zwischen Hund und Wolf") taucht sie mit ihrer Truppe auf der Spur von Lars von Triers Film Dogville ab in die Untergründe unserer ach so gut verfassten Demokratien, aus denen – wie in ihrem eigenen Land – jäh wieder Menschenverachtung und Gewalt entspringen können.

EntreChienetLoup1 560 Magali Dougados uIm abgelegenen Ort "Dogville" © Magali Dougados

Eine Theatertruppe probt bei Jatahy auf der Bühne mit permanent hin und her geschobenen Requisiten aus Tischen, Betten, Geschirr und sonstigem Krimskrams, was dem abgelegenen Ort Dogville widerfuhr: die plötzliche Ankunft einer Fremden. Nicole Kidman spielte im Film die Rolle dieser Grace. "Wir spielen aber nicht den Film, sondern uns selbst", mahnt der quirlige Spielleiter Tom auf der Bühne. Die Truppe will in ihrem Experiment ausprobieren, ob ein anderes Ergebnis als im Film mit dem Scheitern der Menschlichkeit möglich ist. Die fremde Grace in der Version von Triers freundlich aufgenommen, aber ausgebeutet und vergewaltigt.

Im Stück platzt da jäh eine andere Graça herein. Soll man sie aufnehmen? Eine Abstimmung – Demokratie muss sein! – mit musikalisch untermalter Stimmenauszählung ergibt ein positives Resultat, das mit heiterem Kuchenbacken aus den hinten bereitliegenden Äpfeln gefeiert wird. Begann nicht die Demokratie schon bei Wilhelm Tell mit den Äpfeln? So suggeriert die aus der Schweiz kommende Produktion. Was dann aber folgt, nachdem auf Internet Fake News über die Fremde auftauchen, läuft ziemlich genau auf Triers Filmende hinaus. "Entre chien et loup" ist ein Stück über eine Flucht aus dem heutigen Brasilien in eine bessere Welt. Vom Regen in die Traufe, könnte man meteorologisch und weit weniger bedrohlich diese französische und brasilianische Redewendung wiedergeben.

Sex? Zu romantisch!

Die mitgefilmten Szenen auf der Leinwand laufen in dieser subtil komponierten Produktion den auf der Bühne gespielten Szenen manchmal voraus, manchmal hinterher. Das Kino denkt bei Christiane Jatahy mit. "Du und ich, wir sind uns gleich", sagt der Spielleiter Tom gegen Ende auf dem Bett sitzend zu Graça, die von allen anderen schon verstoßen ist, und macht zärtliche Annäherungsversuche. "Nein, jetzt einfach miteinander zu schlafen, das wäre zu romantisch und zu einfach", antwortet sie abwehrend. Er könne bekommen, was er wolle, müsse es aber so machen wie die anderen, durch Vergewaltigung.

Die Grundfrage ist damit prägnant zusammengefasst. Kommt nicht auch die Wohltat stets mit Hintergedanken daher? Tom hielt bis zuletzt zur Fremden und zappelte in seinem eigenen Netz, kommentiert eine der Figuren im Stück. Das Dogville-Experiment läuft immer aufs selbe Dilemma hinaus. Genau da strauchelt die Aufführung dann aber doch noch. Graça, die gegen Triers Filmvorlage eingeschmuggelte positive Figur, die, immer noch auf dem Bett sitzend und schreibend, sich einen anderen Ausgang ausdenkt, bekennt ihren Fehler, ihren einzigen. Sie habe zu spät erkannt, wie in ihrem Land der Faschismus zurückkehre mit seinem Ritournell von Fremdenhass, Rassismus, Frauenverachtung, Vergewaltigung, Schwulen-, Lesben- und Queerphobie. Das Stück kippt in simple Denunziation, das Dogville-Dilemma wird humanistisch aufgehellt und antifaschistisch gelöst. Wie ein durchstochener Luftballon sinkt die Aufführung in sich zusammen.

EntreChienetLoup2 560 Magali Dougados uDas Kino denkt mit: © Magali Dougados

So in sich zusammenfallen kann hingegen Tiago Rodrigues‘ Inszenierung von Tschechows "Kirschgarten" im Papstpalasthof gar nicht, denn sie kommt kaum wirklich in Fahrt. Bei seinem Bemühen, dem Stück das russische Ambiente auszutreiben, hat der Regisseur auch manches andere verloren. Wenn der Kontorist Jepichodow beim Singen zu seiner Gitarre den russischen Akzent imitiert, brechen alle in Gelächter aus. Das für die einen bedrückende, für die anderen ungeduldige Harren auf den Verkauf des Ranjewskajaschen Anwesens samt Kirschgarten wird wie als Zitat gleichsam mit Anführungszeichen gespielt. Die Weite des Horizonts um das Haus besteht aus langen Stuhlreihen alter Festivalstühle auf der Bühne, die langsam vergehende Zeit aus dem Umschichten, Auftürmen und schließlich Abräumen dieses ausgedienten Mobiliars. Als wäre das Fällen der alten Bäume wie das Umdisponieren mobiler Werte gleich von Anfang an schon im Gang.

Kirschgarten1 560 Christophe Raynaud de Lage uAusharren im Kirschgarten © Christophe Raynaud de Lage

Rodrigues hat in seiner musikalisch untermalten Inszenierung unter großen verschiebbaren Lampen, halb Kronleuchter, halb Straßenlaternen sowjetischen Stils (Bühnenbild: Fernando Ribeiro), sichtlich die zukunftsorientierte Perspektive des Gutskäufers Lopachin und des in Sandalen und Blaumann herumlaufenden Studenten Trifomow herausgearbeitet. "Ça va changer… En avant!" singt die begleitende Band am Schluss des ersten Akts, wenn alle Herrschaften aus Paris eingetroffen sind. Und die Alteingesessenen machen mehr oder weniger gute Miene zum für sie üblen Spiel. Alex Descas braucht als geschwätzig posierender Bruder der Gutsherrin die halbe Nacht des Begrüßungszeremoniells, bis er seinen glattgeschorenen Schädel unter der lächerlich exotischen Mütze zu lüften geruht. Océane Caïrati zeigt eine bis zuletzt zwischen Auflehnung und Resignation unschlüssige Pflegetochter Warja. Selbst der alte Firs ist in der Darstellung Marcel Bozonnets ein mehr keifender als vor sich her brummender Hausdiener.

Ihren Angelpunkt hat die Aufführung aber in Isabelle Huppert als Gutsherrin Ranjewskaja. Mehr als alle anderen spielt sie ihre Rolle als ständiges Selbstzitat. Sie ist das Kind, das die Situation wohl als einzige klar durchschaut, sich aber mit immer neuen Stimmungslaunen virtuos daran vorbei stiehlt. Wenn ihr das Treiben zu bunt wird, versteckt sie sich unter einen Schleier und hockt reglos am Fuß der gigantischen Ständerlampe. Einsilbig zählt sie beim Zigaretterauchen ihre begangenen Fehler auf, sinnt dann wie abwesend ihrem zerbeulten Liebesleben nach, bricht jäh in schrilles Gelächter aus und hopst zu den Klängen des kleinen Orchesters durch den Raum. Tränen lässt diese Frau nur mit etwas Säure versetzt fließen und an melancholischen Gefühlen nippt sie wie an einem exotischen Cocktail.

Kirschgarten2 560 Christophe Raynaud de Lage uBuntes Treiben vor Ständerlampe © Christophe Raynaud de Lage

Wer ihr entgegenhalten will, muss Frühaufsteher sein wie der Kaufmann Lopachin. Adama Diop spielt ihn als ambitiösen und doch sehr menschlichen, mitunter fast phlegmatischen Aufsteiger mit maßgeschneidertem Dreiteiler und Batterien von Goldringen an seinen schwarzhäutigen Fingern. Bei seiner Rückkehr von der Versteigerung des Grundstücks jubelt er seinen Triumph über die Papstpalastwand in den Nachthimmel und stampft dröhnend auf den Erdboden, als wollte er seine Ahnen, alle als Leibeigene gestorben, als Zeugen der sozialen Revanche aufwecken. Es ist einer der wenigen großen Momente des Abends, der mit seinen zu statischen Bühnenabläufen die wunderbar gedehnten Einschüsse von Leere in Tschechows Stück nicht füllen kann. Tiago Rodrigues mochte beeindruckt gewesen sein von der Ausstrahlung des Spielorts. Als künftigem Chef in Avignon darf man ihm aber zutrauen, dass er das rasch in den Griff bekommt.

 

Der Kirschgarten / Zwischen Hund und Wolf

Entre chien et loup

frei adaptiert nach "Dogville" von Lars von Trier
Adaption, Regie und Filmproduktion: Christiane Jatahy, Künstlerische Zusammenarbeit, Szenografie und Beleuchtung: Thomas Walgrave, Fotografie: Paulo Camacho, Music: Vitor Araujo, Kostüme: Anna Van Brée, Video: Julio Parente, Charlélie Chauvel, Sound: Jean Keraudren, Mitarbeit und Assistenz: Henrique Mariano, Regieassistenz: Stella Rabello
Mit: Véronique Alain, Julia Bernat, Élodie Bordas, Paulo Camacho, Azelyne Cartigny, Philippe Duclos, Vincent Fontannaz , Viviane Pavillon, Matthieu Sampeur , Valerio Scamuffa.
Premiere am 5. Juli 2021
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

Produktion: Comédie de Genève
Koproduktion: Odéon Théâtre de l'Europe (Paris), Piccolo Teatro di Milano - Teatro d'Europa, Théâtre National de Bretagne - Rennes, Maillon - Théâtre de Strasbourg

La cerisaie
von Anton Tschechow
Übersetzung von André Markowicz und Françoise Morvan
Regie: Tiago Rodrigues, Künstlerische Zusammenarbeit: Magda Bizarro, Szenografie: Fernando Ribeiro, Licht: Nuno Meira, Kostüme: José, António Tenente, Make-up, Frisur: Sylvie Cailler, Jocelyne Milazzo, Musik: Hélder Goncalves (Komposition), Tiago Rodrigues (Text), Sound: Pedro Costa, Regieassistenz: Ilyas Mettioui.
Mit: Isabelle Huppert, Isabel Abreu, Tom Adjibi, Nadim Ahmed, Suzanne Aubert, Marcel Bozonnet, Océane Cairaty, Alex Descas, Adama Diop, David Geselson, Grégoire Monsaingeon, Alison Valence & Manuela Azevedo, Hélder Gonçalves (Musiker)
Premiere am 5. Juli 2021
Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, keine Pause

Produktion: Festival d'Avignon
Co-Produktion Odéon-Théâtre de l'Europe, Teatro Nacional D. Maria II, Théâtre National Populaire de Villeurbanne, Comédie de Genève, La Coursive Scène nationale de la Rochelle, Wiener Festwochen, Comédie de Clermont Ferrand, National Taichung Theatre (Taiwan), Teatro di Napoli - Teatro Nazionale, Fondazione Campania Dei Festival - Compania Teatro Festival, Théâtre de Liège, Holland Festival

festival-avignon.com 

 


Kritikenrundschau

Das Ensemble sei "divers und dynamisch" und "sehr viel lebendiger als in Peter Steins legendärer Tschechow-Interpretation", urteilt Eberhard Spreng in "Fazit" auf Deutschlandfunk Kultur (5.7.2021) über den "Kirschgarten". Schauspielerisch sticht für den Kritiker Adama Diop heraus; Isabelle Huppert "spielt eine überkandidelte Dame, ein bisschen so, als wäre sie als Hippie aus Paris zurückgekehrt in die russische Provinz. Ein wenig wie eine Borderlinerin – durchgeknallt, in einer gelben Bluse und einer türkisfarbenen Hose – spricht sie hastig und kommt nur ganz kurz zu wirklich intensiven Gefühlen: dann, wenn sie in Erinnerungen schwelgt."

"Wiewohl voll feinfühliger Details und durch gute, zum Teil sogar große Schauspieler getragen, kommt die Inszenierung nicht recht vom Fleck und wirkt unter dem Strich tranig, vor allem jedoch trist. Dabei vermag das Stück seine volle bezwingende Wirkung erst dann zu entfalten, wenn es – wie vom Autor gefordert – als Komödie ernst- beziehungsweise leichtgenommen wird", schreibt Marc Zitzmann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den "Kirschgarten" in der Regie von Tiago Rodrigues (7.7.2021).

Andreas Klaeui berichtet im SRF (7.7.2021) aus Avignon und bekennt mit Blick auf den "Kirschgarten", er habe "selten einen so nüchternen Tschechow gesehen". Rodrigues vermeide alles, was "Russische Seele" ist und "setzt dagegen ganz auf das Spiel. Das Spiel, das auch ein Spiel mit der Erinnerung sein kann und vor allem auch ein Spiel mit dem Wechsel, dass sich alles verändert, und einfach ein Spiel für sich. Und da hat er mit Isabelle Huppert eine faszinierende Protagonistin, die ganz trocken bleibt, und auch viel Komik sucht. Leider sind nicht alle im Ensemble auf der gleichen Höhe, manches ist so dahergespielt. Aber die Melancholie ist jedenfalls in Frage gestellt."