Terrorismusabwehr ad absurdum

Berlin, 21. August 2021. Das für gesellschaftliche Vielfalt streitende Bündnis von Kulturschaffenden Die Vielen e.V. solidarisiert sich in einem offenen Brief mit dem politaktivistischen Künstler:innenkollektiv Peng!

Wie bekannt wurde, ermittelt das Berliner Landeskriminalamt gegen Peng! unter dem Zeichen der Terrorismusabwehr. Anlass der Ermittlungen ist die Aktion "Tear this down", in der Peng! gemeinsam mit der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) eine interaktive Karte veröffentlicht, die mithelfen soll, "Deutschlands koloniales Erbe" zu beseitigen.

"Grenzüberschreitender Vorgang"

"Wir erkennen hierin einen grenzüberschreitenden, beispiellosen Vorgang, der die Freiheit der Kunst gefährdet und Künstler*innen mit extremistischen Gruppen wie etwa der Al-Nusra Front oder potenziellen NSU-Attentätern in Verbindung bringt und formal sogar gleichsetzt", schreiben Die Vielen e.V. in ihrem Offenen Brief an die Berliner Senatoren für Inneres und Sport (Andreas Geisel), Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung (Dr. Dirk Behrendt) sowie Kultur und Europa (Dr. Klaus Lederer) zu den Ermittlungen.

Weiter heißt es in dem Brief: "Die Liste über terroristische Personen und Organisationen wurde erstellt, um diese mit restriktiven Maßnahmen bekämpfen zu können, um schwerwiegende und Staat und Bevölkerung gefährdende Angriffe aufzudecken und zu verhindern. Die Aufnahme von Künstler*innen, die sich für Zivilcourage stark machen, sich für die Bestärkung von marginalisierten Minderheiten in unserer Gesellschaft einsetzen, Demokratiedefizite anmahnen und 2018 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet wurden, ist nicht nachvollziehbar. Sie erscheint nicht nur unverhältnismäßig, sie führt den Sinn und Zwecke der bundesweiten Liste zur Bekämpfung von Terrorismus völlig ad absurdum."

Zu den Erstunterzeichner:innen des Offenen Briefs gehören neben Holger Bergmann und Raul Walch aus dem Vorstand von Die Vielen e.V. auch: Annemie Vanackere (Intendantin HAU), René Pollesch (Intendant der Berliner Volksbühne), Thomas Ostermeier (Regisseur und künstlerischer Leiter der Schaubühne) und das Künstler:innenkollektiv andcompany&Co. Die Unterschriftensammlung läuft bis Montag, den 23. August 2021.

(Die Vielen e.V. / tearthisdown.com / chr)


Zur Arbeit des Peng!-Kollektivs veröffentlichte einer der Köpfe der Gruppe Jean Peters jüngst die Werkschau "Wenn die Hoffnung stirbt, geht's trotzdem weiter", die wir hier rezensierten.

 
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