Die Poetik des Dokuments

8. September 2021. Die Worte der Stücke von Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger sind immer schon geschrieben, bevor die Arbeit an den Stücken überhaupt beginnt: in Dokumenten, Briefen, Zeitungsartikeln oder anderen Texten, die das Dokumenartheater-Duo aus Archiven und anderen Katakomben der Geschichte zu Tage fördert. Mit Mitteln der Montage beleuchten sie ihr jeweiliges Thema aus den verschiedenen Blickwinkeln, die diese Texte ihnen eröffnen. Dabei haben sie ein literarisches Verfahren zu einem differenzierten wie sinnlichen Analyse- und Anschauungsinstrument entwickelt, dessen Grundlagen von Dramatikern wie Peter Weiß und Heinar Kipphardt gelegt worden ist. In der achten Folge unserer Reihe "Neue Dramatik in zwölf Positionen" sprechen Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger mit Esther Slevogt.

Hans-Werner Kroesinger, geboren 1962 in Bonn, ist Regisseur und gilt als einer der wesentlichen Vertreter des dokumentarischen Theaters im deutschsprachigen Raum. Von 1983 bis 1988 studierte er am Institut für Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen. Noch während des Studiums arbeitet er von 1987 bis 1989 als Regieassistent und Dramaturg für Robert Wilson. 1989/90 war er künstlerischer Mitarbeiter von Heiner Müller bei der Inszenierung "Hamlet/Hamletmaschine" am Deutschen Theater Berlin. 1993 debütierte er als Regisseur. Arbeiten der vergangenen Jahre beschäftigten sich mit Themen wie dem Eichmann-Prozess, dem Deutschen Herbst 1977, dem Militäreinsatz im Kosovo oder der Geschichte des Kolonialismus. Seine Arbeit "Stolpersteine Staatstheater" am Badisches Staatstheater Karlsruhe wurde 2016 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Seit 2000 entstehen Kroesingers Arbeiten in Zusammenarbeit mit Regine Dura.

Regine Dura ist Dramaturgin und Filmregisseurin. Sie studierte Politologie, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik, Kunstpädagogik (M.A.) und Video an der HdK, Berlin. Sie arbeitet als Dokumentarfilmregisseurin, Autorin und Dramaturgin. 2012 entstand ihr Dokumentarfilm "White Blood / Weißes Blut" (ZDF/Arte) über ein rassistisches deutsch-südafrikanisches Adoptionsunternehmen. Mit Hans-Werner Kroesinger arbeitet sie seit dem Jahr 2000 als Dramaturgin und Autorin zusammen. Beide beschäftigen sich mit politisch motivierter Gewalt, u.a. der RAF, mit ihrer Entstehung und mit den Spuren, die sie in der deutschen Gesellschaft hinterlassen hat. Ihre Arbeit "Stolpersteine Staatstheater" am Badischen Staatstheater Karlsruhe wurde 2016 zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Eine Sammlung von Nachtkritiken zu den Arbeiten des Duos finden Sie hier.

Hier das Gespräch mit Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger als Podcast:

 

Zur Serie Neue Dramatik in zwölf Positionen:

Die Video-Gesprächsreihe widmet sich Autor*innen, die mit prägenden Arbeiten in der Gegenwartsdramatik in Erscheinung getreten sind. Jenseits ihrer szenischen Realisierungen stehen hier die Theatertexte selbst im Fokus. Exemplarische Schreibweisen werden diskursiv vorgestellt und im literarischen Feld wie auch in der gesellschaftlichen und politischen Diskussion verortet. Die Serie stellt das aktuelle Schaffen in seiner formalen wie inhaltlichen Bandbreite vor: von Ansätzen des Dokumentarischen über biografisch-realistische Dramatik bis hin zu Strategien der Aneignung von Wissens- und Populärkulturen.

 

Hier geht's zu Folge 1 mit Rebekka Kricheldorf

Hier geht's zu Folge 2 mit Wolfram Lotz

Hier geht's zu Folge 3 mit Sasha Marianna Salzmann

Hier geht's zu Folge 4 mit Bonn Park

Hier geht's zu Folge 5 mit Esther Becker

Hier geht's zu Folge 6 mit Sarah Nemitz und Lutz Hübner

Hier geht's zu Folge 7 mit Felicia Zeller

 

Eine Kooperation mit dem Literaturforum im Brecht-Haus, gefördert vom Deutschen Literaturfonds.

 
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