"Tätige Verzweiflung"

18. März 2022. Nach dem Anfgriff auf die Ukraine: Folge 45 des #Theaterpodcast fragt nach der Rolle des Theaters in Kriegszeiten. Zu Gast: die russische Regisseurin Ada Mukhina und Dramaturgin Birgit Lengers vom Deutschen Theater Berlin.

Von Susanne Burkhardt und Elena Philipp

18. März 2022. In Schockstarre zu verfallen angesichts der Ereignisse in der Ukraine, liegt der Dramaturgin Birgit Lengers nicht – eher befindet sie sich im "Zustand der tätigen Verzweiflung": organisiert, vermittelt, plant und unterstützt. Am Deutschen Theater Berlin kuratiert sie seit 2018 das Festival "RADAR OST". Derzeit ist sie eine Art Schnittstelle für Theatermacher:innen aus Russland, Belarus und der Ukraine. Ständig erhält sie Nachrichten auf verschiedenen Messenger-Plattformen, hilft bei der Ausreise und der Vermittlung von Arbeitsplätzen.

Mit initiiert hat Birgit Lengers kürzlich die Absichtserklärung zur Unterstützung ukrainischer Künstler:innen, wie sie im Theaterpodcast #45 erzählt. Und sie ist zuversichtlich, dass es trotz Mobilmachung und Ausreiseverbot für Männer zwischen 18 und 60 Jahren möglich sein wird, im Rahmen einer "Ukrainian Cultural Task Force" Theaterschaffende ins Exil zu holen und ihnen hier Arbeitsmöglichkeiten zu bieten.

Vom Exodus kritischer Künstler:innen berichtet im Theaterpodcast auch Ada Mukhína, nomadische Künstlerin und Theaterregisseurin (St. Petersburg/Berlin). Begonnen hat er für sie allerdings weit vor dem Krieg gegen die Ukraine – russische Dissident:innen verließen seit Jahren das Land. Vor einem Boykott russischer Kultur warnen Ada Mukhina und Birgit Lengers indes: er treibe gefährdete Kritiker:innen in die "doppelte Isolation", wenn sie auch im Ausland nicht gehört würden, und helfe Putin, "die restliche Zivilgesellschaft zu zerstören".

Aus Solidarität mit ukrainischen KünstlerInnen, die nicht einreisen konnten, hat Ada Mukhína gerade eine Performance an der Berliner Akademie der Künste abgesagt. Dass ein direkter Dialog mit ukrainischen Kolleg:innen schwierig ist, so lange die russische Armee nicht abgezogen ist, versteht sie, blickt angesichts der Anfeindungen gegen Menschen aus Russland aber auch verhalten in die nahe Zukunft. Für sie, die ihre Arbeiten international zeigt, sei es wichtig gewesen, die Unterstützung ihrer internationalen Kolleg:innen zu spüren "das hat mir Hoffnung gegeben, das bedeutet, dass meine Arbeit und die meiner Kollegen, die so lange diese kleinen Brücken zwischen Menschen in vielen Ländern aufgebaut haben, nicht umsonst war. Zerstören ist einfach. Aufbauen dauert lange Zeit. Putins Krieg und Putin sollen diese Beziehungen nicht zerstören".

 

Alle Folgen des Theaterpodcast gibt es hier.

 

In Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur.

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