Szene oder Fläche

4. Mai 2022. In Zusammenarbeit mit dem Literaturforum im Brecht-Haus veranstalten wir eine Diskussionsreihe zu Neuer Dramatik. Zwei Autor:innen mit unterschiedlichen ästhetischen Ansätzen diskutieren, wie ein Stück heute beschaffen sein sollte, welche Formen zeitgemäß sind und welche politische Funktion die Dramatik einnehmen kann. Als erste Gäste begrüßen wir Thomas Köck und Moritz Rinke.

Moderation: Christine Wahl

 

Konflikte galten lange als die Motoren des dramatischen Schreibens. Sie treiben die Handlung voran, in deren Verlauf beim Publikum Erkenntnisse gefördert und Emotionen geweckt werden. Doch diese Struktur erfährt im Theater seit einiger Zeit Konkurrenz durch Stücke, die sich von einer klaren Verortung in der Szene befreien. Oft werden diese offeneren Formen unter dem Begriff "Textfläche" zusammengefasst. Sie verstricken Figuren nicht mehr in konkrete Auseinandersetzungen, sondern arrangieren kontroverse Sprechpositionen wie auf einem Tableau. Was leisten die beiden Modelle für das Erzählen auf dem Theater? Wie gelingt es ihnen jeweils die Komplexität der Gegenwart zu erfassen? Es diskutieren Thomas Köck und Moritz Rinke.

Die Diskussion als Podcast:

Thomas Köck, 1986 in Steyr, Oberösterreich, geboren, studierte Philosophie und Szenisches Schreiben in Wien, Berlin und Leipzig. Er arbeitete zunächst als Performer in der freien Wiener Theaterszene und als Regieassistent, bevor er der breiten Theateröffentlichkeit als Autor bekannt wurde. Thomas Köcks Stücke werden vielfach gespielt und wurden ebenso vielfach ausgezeichnet, unter anderem zweimal mit dem Mülheimer Dramatikpreis: 2018 erhielt den Preis für "paradies spielen" aus der Klimatriologie und 2019 für sein Stück "atlas".
Alle Nachtkritiken zu Thomas Köcks Stücken finden Sie hier.

Moritz Rinke, 1967 in Worpswede geboren, studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Danach arbeitete er zunächst als Journalist u. a. für die Süddeutsche Zeitung, die FAZ und den Tagesspiegel. 1995 veröffentlichte Moritz Rinke mit „Der graue Engel“ sein erstes Theaterstück und ist seither als Theater- und Romanautor tätig. Sein Romandebüt "Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel" stand wochenlang auf der Bestsellerliste, seine Stücke wurden mehrfach ausgezeichnet und auch verfilmt. Zuletzt erschien von ihm der Roman "Der längste Tag im Leben des Pedro Fernández García".
Alle Nachtkritiken zu Moritz Rinkes Stücken finden Sie hier.

Zur Reihe Streitfall Drama:
Gegenwartsdramatik ist weniger ein einheitliches Korpus von Textverfahren als vielmehr ein Prozess voller Widersprüche. In ihm wird verhandelt, welche Ästhetiken als produktiv gelten und sich durchsetzen. Eine Vielzahl unterschiedlicher Poetologien und Schreibpraxen konkurrieren derzeit miteinander. Die Gesprächsreihe „Streitfall Drama“ stellt diese vor und bereitet den Kontroversen um das Schreiben von Stücken eine Bühne. Jeweils zwei Autor:innen mit einander widersprechenden Positionen diskutieren darüber, wie ein Stück heute beschaffen sein sollte, welche Formen zeitgemäß sind und welche politische Funktion die Dramatik einnehmen kann.

Weitere Folgen:

Szene oder Fläche – Wie ein Text Form annimmt mit Moritz Rinke und Thomas Köck

Beschreiben oder Befreien – Ein Gespräch über politische Dramatik mit Dominik Busch und Kevin Rittberger

Aushandeln oder Erzählen – Wenn Privates politisch ist mit Anne Habermehl und Ilia Papatheodorou (She She Pop)

Gestalten oder Vernichten – Welchen Zielen die Sprache dient mit Caren Jeß und Lydia Haider

Streitfall Drama ist eine Kooperation mit dem Literaturforum im Brecht-Haus, gefördert vom Deutschen Literaturfonds.

 
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