Medienschau: Die Zeit – Streit auf dem Grünen Hügel

"Alle finden alles furchtbar"

30. Juni 2022. In der ZEIT veröffentlichen Christine Lemke-Mattwey und Florian Zinnecker heute eine umfangreiche Recherche zur Situation der Bayreuther Festspiele. Es geht um den Führungsstil von Festspiele-Chefin Katharina Wagner und die Zukunft des Hauses auf dem Grünen Hügel, das für 180 Millionen Euro saniert werden muss. 

"Die Stimmung auf dem Grünen Hügel sei mies", zitieren die Autor:innen ihre Quellen aus Festspiele-Kreisen, "so mies wie nie. Die Strukturen seien verkrustet, im Kern kunstfeindlich und dringend reformbedürftig." Dass die Klagen gerade jetzt wieder lauter würden, habe mit dem 2025 auslaufenden Vertrag von Festspiele-Leiterin Katharina Wagner zu tun, dessen Verlängerung noch nicht beschlossen ist. Angeblich sei es Wagner nicht gelungen, während des Pandemie-Sommers 2021 "die Moral hochzuhalten und die Herzen heiß". Zudem habe es eine Auseianndersetzung mit dem Regisseur Dmitri Tschernjakow gegeben, die der Chefin eine Rassismus-Beschwerde beim Verwaltungsrat eingebracht habe. 

"Alle finden alles furchtbar, nur öffentlich sagen will es niemand", heißt es über die Quellen des Textes, dabei habe sich an "zwei Dutzend" vakanten Festspiele-Stellen im Frühjahr gezeigt, dass "etliche Mitarbeiter" nicht mehr an den künstlerischen Anspruch der Festspiele zu glauben scheinen. 

Wer bekommt das Festspielhaus?

Ein Konflikt schwele darüber hinaus rund um die Sanierung des Festspielhauses, die auf 180 Millionen taxiert wird, gemeinsam getragen vom Bund und dem Freistaat Bayern. "Vor allem aber, und das ist der Haken, sind die 180 Millionen an eine Bedingung geknüpft: Der Bund und die Bayern wollen das Festspielhaus." Diese könnten das Haus aber nicht kaufen, da "im Testament von Richard Wagners Sohn Siegfried steht, dass das Haus nicht veräußert werden darf". Ein "Erbbaurechtsvertrag auf 99 Jahre" wäre zwar eine Lösung, würde die Familie Wagner aber faktisch "entmachten" und auch "deren Mitbestimmungsrecht in Sachen Festspielleitung aushebeln". 

Damit könnte auch Katharina Wagner "die längste Zeit Festspielleiterin gewesen" sein. Gleichzeitig halten die Autor:innen fest, ihre künstlerische Bilanz falle "besser aus, als man denkt", möglicherweise sei "die letzte Wagner den Gremien vielleicht einfach zu progressiv". Und trotz kritischer Stimmen aus dem Verwaltungsrat scheine zu gelten: "Die letzte Wagner vom Grünen Hügel zu jagen – dafür wolle niemand die Verantwortung tragen."

(DIE ZEIT / jeb)

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