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Künstler:innen wollen Salzburger Festspiele verklagen

12. November 2022. Eine Musterklage gegen die Salzburger Festspiele haben Kunstschaffende am Freitag, 11. November 2022, bei einer Pressekonferenz in Wien angekündigt. Dies berichtet unter anderem der ORF. Veranstaltet wurde der Termin von der Anwaltspetition für Freischaffende, der Florestan-Initiative und der Initiative Aufstehen für die Kunst.

Die Vorwürfe drehen sich im Zusammenhang mit Corona-Lockdowns um Verletzungen des Theaterarbeitsgesetzes, Entlohnung von Chorsänger:innen und Zahlungspflicht bei Verschiebungen und Absagen im Jahr 2020. Die Künstler:innen fordern auch den Rücktritt des Salzburger Festspielintendanten und des kaufmännischen Direktors der Festspiele. Sprecher der Kritiker:innen ist der Kammersänger Wolfgang Ablinger-Sperrhacke.

Höhere Gewalt?

Die Vorwürfe betreffen Veranstaltungen der Salzburger Festspiele im Jahre 2020. Durch die Öffnungspolitik Österreichs waren die Festspiele in reduzierter Form im August 2020 möglich. Einige Veranstaltungen wurden komplett gestrichen, andere verschoben. In den Originalverträgen habe es die Möglichkeit kompensationsloser Verschiebungen nicht gegeben, so die Kunstschaffenden, dennoch seien allein 67 nicht benötigte Opernsolist:innen mit rechtsgültigen Verträgen nicht ausbezahlt worden, hieß es auf der Pressekonferenz. Ebenso sei mit einem Teil der rund 120 engagierten Chormitglieder verfahren worden. "Die Stammmitglieder der Konzertvereinigung haben circa das Doppelte an Entlohnung bekommen als die Zusatzmitglieder, was ein eklatanter Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz ist", sagte Ablinger-Sperrhacke. Dem Kuratorium der Salzburger Festspiele sei bewusst gewesen, dass eine Berufung auf höhere Gewalt unter diesen Umständen rechtlich nicht gültig sei, sagte der Sprecher der Gruppe.

Nachzahlungen für ausgefallene Honorare

Künstler.innen, deren Produktion verschoben wurde, seien genötigt worden, Auflösungsverträge zu unterschreiben, auch ohne Kompensation. Nun geht es um Nachzahlungen für 2020. Die Künstler:innen-Vereinigung fordert von den Festspielen eine 50-prozentige, steuerfreie Entschädigung für die Honorarausfälle. "Und alternativ für Steuerinländer 80-prozentigen Umsatz nach dem Vorjahr", so Ablinger-Sperrhacke.

Insgesamt geht es um einen Nachzahlungsbetrag von zehn Millionen Euro. Um künftig gegen Gesetzesbrüche vorzugehen, sei die Schaffung einer KünstlerInnenkammer als Interessensvertretung für Freischaffende notwendig, so die Kritiker:innen.

Festspiele weisen Vorwürfe zurück

Die Festspiele weisen indes die Vorwürfe vollständig zurück. In einer schriftlichen Stellungnahme des Direktoriums heißt es: "(...): Die Salzburger Festspiele haben als einziges großes Festival weltweit im Sommer 2020 stattgefunden und damit Hunderten Künstlern Beschäftigung gegeben. Dem Direktorium der Festspiele ist es zudem gelungen, fast alle der ursprünglich in 2020 geplanten Produktionen in 2021 und 2022 nachzuholen. Hierfür wurden im Einvernehmen mit den Solistinnen und Solisten, den Chören und Orchestern Veränderungsvereinbarungen geschlossen."

Man habe sich nach der Saison 2020 mit Künstleragenturen, Orchestern und Chören auf eigene Coronavirus-Bestimmungen verständigt, mit denen die jeweiligen Abschlagszahlungen bei etwaigen künftigen Absagen geregelt wurden. Die Vorwürfe entbehrten "jeglicher Grundlage".

 

(ORF.at / APA / sdre)

 

 

 

 

 

 

 

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