Die Tage der Commune

20. Januar 2023. Auf nachtkritik.plus zeigen ab heute, 19:30 Uhr für 24 Stunden die 1962 am Berliner Ensemble entstandene, starbesetzte Brecht-Inszenierung "Die Tage der Commune" von Manfred Wekwerth und Joachim Tenschert: ein Jahr nach dem Mauerbau wird hier auf den Beginn des verlustreichen Wegs zum Sozialismus geschaut.

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7. Januar 2023. Im Jahr nach dem Bau der Mauer inszenierten am Berliner Ensemble Manfred Wekwerth und Joachim Tenschert Brechts 1949 geschriebenes Stück "Die Tage der Commune". Premiere war mit dem 7. Oktober 1962 der 23. Geburtstag der DDR.

Theaterstars wie Gisela May, Ekkehard Schall, Wolf Kaiser, Manfred Karge, Angelica Domröse und Hilmar Thate spielten mit in der parabelhaften Geschichte aus dem Paris des Jahres 1871 – als am Ende des deutsch-französischen Kriegs, nach einem Hungerwinter, monatelanger Belagerung und Granatenbeschuss das Volk von Paris eine demokratische Revolution begann, einen revolutionären Stadtrat gegen die Regierung bildete, um die Lebensbedingungen der unteren Schichten zu verbessern. Nach 79 Tagen wurde die "Commune" durch die vereinigten preußischen und französischen Heere niedergeschlagen. Über 20.000 Menschen wurden erschossen, etwa 40.000 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und in die Verbannung geschickt.

Verlustreicher Weg zum Sozialismus

Die Pariser Commune gilt als erster Versuch, eine sozialistische Räterepublik zu gründen – und in dieser Tradition sah sich auch die DDR. Karl Liebknechts Versuch, 1918 nach dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs, das 1871 nach dem Sieg über die Franzosen ausgerufen worden war, eine deutsche Räterepublik zu gründen, war nicht geglückt, Liebknecht gemeinsam mit Rosa Luxemburg bald darauf von rechten Freicorps ermordet worden. Mit der Ausrufung der Weimarer Republik war der SPD-Politiker Philipp Scheidemann ihm am 9. November 1918 um wenige Stunden zuvorgekommen.

Erst mit der Gründung der DDR im Oktober 1949 hatte sich der Traum der deutschen Kommunisten von einem sozialistischen Staat auf deutschem Boden erfüllt, dessen revolutionärer Geist dereinst aus Paris ebenso herübergeweht war wie das Bewusstsein für die Bedrohung dieser Unternehmung. Denn dieser Weg war - nicht zuletzt auch in den Jahren des Nationalsozialismus - ausgesprochen verlustreich gewesen.

Musik: Hanns Eisler

Dieses Bewusstsein schwang auch im Jahr nach dem Mauerbau noch mit, als Wekwerth und Tenschert nun die Geschichte der Familie Cabet erzählten, die in den 79 "Tagen der Commune" kurz aufblüht und dann untergeht, als die Commune niedergeschlagen wird. Hanns Eisler hatte die Musik geschrieben, der Bühnenbildner Karl von Appen ein pittoreskes Pariser Szenario errichtet: ein Café in der Rue Pigalle im Stadtteil Montmartre, wo ein Bürger ein gebratenes Huhn bestellt, das aber bald schon in die Hände der Kommunarden fällt. (sle) 

Hier der Überblickstext zur ganzen, noch von Nikolaus Merck kuratierten Reihe: Lenin und der leise Zweifel.

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Hinweis: Die Qualität der Aufzeichnungen entspricht, was Bildschärfe betrifft, nicht unseren, von hochauflösenden HD- und Retina-Monitoren geprägten Sehgewohnheiten. Darüber hinaus wurden sie zwar digitalisiert, aber nicht digital restauriert. Wir bitten um Verständnis.

 

Die Tage der Commune
von Bertolt Brecht
Regie: Manfred Wekwerth und Joachim Tenschert, Ausstattung: Karl von Appen, Musik: Hanns Eisler.
Mit: Angelica Domröse: Babette Cherron, Gisela May: Madame Cabet, Renate Richter: Genevieve Guericault, Bruno Carstens: Frankreich, Martin Flörchinger: Thiers, Bismarck, Hermann Hiesgen: Beslay, Wolf Kaiser: "Papa", Manfred Karge: François Faure, Heinz-Dieter Knaup: Ranvier, Stefan Lisewski: Philippe Faure, Günter Naumann: Varlin, Ekkehard Schall: Rigault, Raimund Schelcher: Pierre Langevin, Willi Schwabe: Jules Favre, Hilmar Thate: Jean Cabet, Siegfried Weiß: Delescluze, Peter Kalisch: Coeo, Carola Braunbock: Bäckerin, Christine Gloger: Frau der Rue Pigalle, Felicitas Ritsch: Frau der Rue Pigalle, Annemone Haase: Frau der Rue Pigalle, Bella Waldritter: Frau der Rue Pigalle, Wolfram Handel: Valles, Erich Haußmann: Bürgermeister, Siegfried Kilian: Geistlicher, Agnes Kraus: Delegierte, Werner Dissel: Delegierter, Peter Sodann: Delegierter, Werner Riemann: Delegierter, Nico Turoff: Amouroux, Franz Viehmann: Billioray, Erhard Köster: Avrial, Klaus Tilsner: Deutscher Kürassier, Johannes Conrad: Chardon, Axel Triebel: Bürgermeister, Diener. 

Premiere der Inszenierung am Berliner Ensemble: 7. Oktober 1962
Aufzeichnung aus dem Jahr 1966
Produktion des Fernsehens der DDR
Dauer: 1 Stunde 54 Minuten

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