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Holk Freytag 
– Staatsschauspiel Dresden, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Im Rahmen des israelischen Theaterkongresses IsraDrama 2008 habe ich eine Inszenierung der jungen israelischen Regisseurin und Autorin Yael Ronen gesehen. Unter dem Titel Nutcase schildert sie die Folgen der angespannten politischen Realität im Nahen Osten auf die psychische Entwicklung junger Menschen. Das Stück, das in wochenlanger Probenarbeit zusammen den Schauspielerinnen und Schaupielern entstanden ist, zeigt unter dem Brennglas genauester Beobachtung den psychischen Zustand eines ganzen Landes. Selten habe ich so eine vollkommene Identifikation der Schauspieler mit ihrer Rolle, mit ihrem Anliegen erlebt.

Es war das beeindruckende Ergebnis einer Reise, die die junge Theaterfrau seit wenigen Jahren unternimmt. Vor zwei Jahren konnten wir in der Bundesrepublik ihre Produktion "Plonter" erleben; ein Jahr später die Premiere der "Antigone", die sie am Staatsschauspiel mit Mitgliedern des Ensembles erarbeitete. Zusammen mit einigen anderen jungen Theaterleuten Israels repräsentiert Yael Ronen einen neuen Typus hochpolitischer junger Künstler, die sich mit den gegebenen Verhältnissen nicht abfinden und in das Räderwerk der Tagespolitik eingreifen.

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