Barbara Weber – Theater Neumarkt Zürich, Co-Direktorin

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Das herausragendste, einschneidenste und aufregendste Theatererlebnis im Jahr 2008 war für mich - shame on me - , unser eigenes Theater, das Theater Neumarkt im Oktober mit Rafael Sanchez zu eröffnen. Wir starteten mit unseren zwei Eigenproduktionen "Dem Boss vom Ganzen" nach dem Film von Lars von Trier und mit "Hair Story", einem Abend über die Ideologien der 68er in Amerika.

Mehr als ein Jahr haben wir zusammen nachgedacht, Menschen getroffen, Inszenierungen gesehen, Vorsprechen veranstaltet, den Betrieb zu unserer Produktion gemacht. Ein intensives und lehrreiches Jahr der Vorbereitung und des Nachdenkens. Und dann ging's los: Jetzt mindestens vier Jahre Neumarkt Theater – ein Langzeitexperiment. Als wir das Zunfthaus am Neumarkt 5 bezogen haben, war noch alles voller Planen, Handwerker, die Möbel kreuz und quer übereinander gestapelt, irgendetwas zwischen sozialer Skulptur und Beckettschem Endspiel. So sieht er also aus der Mythos Theater Neumarkt, den wir uns angelacht haben und über den wir uns jeden Tag freuen, ihn verfluchen, hegen und pflegen, darüber wütend sind, Teil und Nicht-Teil davon werden wollen.

Im Oktober standen dann endlich die ersten Gäste im neuen Foyer, der Betrieb ist Betrieb geworden und uns gefällt's. Die Büros sind noch immer nicht fertig eingerichtet, aber ein gemeinsamer Schreibtisch für zwei Direktoren, das macht irgendwie auch einen Heidenspass. Mittlerweile haben wir zwar zwei Telefone aber so viele Termine, dass wir eh nicht mehr im Büro sind. Im neuen Jahr werde ich sicher was von Sebastian Baumgarten oder die neue Jelinek-Inszenierung von Jossi Wieler an den Münchner Kammerspielen anschauen.

 

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