Bemerkenswertes Theater

Berlin, 9. Februar 2009. Die Theatertreffen-Jury hat die zehn bemerkenswertesten deutschsprachigen Inszenierungen der vergangenen Saison für das Theatertreffen 2009 ausgewählt. Die Wahl fiel auf folgende Inszenierungen (die Links führen zu unseren Nachtkritiken):

Die Möwe
von Anton Tschechow
Regie: Jürgen Gosch
Deutsches Theater Berlin

Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?
von Volker Lösch, frei nach Peter Weiss
Regie: Volker Lösch
Deutsches Schauspielhaus Hamburg

Die Räuber
von Friedrich Schiller
Regie: Nicolas Stemann
Thalia Theater Hamburg/Salzburger Festspiele

Wunschkonzert
von Franz Xaver Kroetz
Regie: Katie Mitchell
Schauspiel Köln

Der Prozess
von Franz Kafka
Regie: Andreas Kriegenburg
Münchner Kammerspiele

Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir
Ein Fluxus-Oratorium
Regie: Christoph Schlingensief
RuhrTriennale 2008

Alle Toten fliegen hoch 1-3
von Joachim Meyerhoff
Regie: Joachim Meyerhoff
Burgtheater Wien

Der Weibsteufel
von Karl Schönherr
Regie: Martin Kušej
Burgtheater Wien

Hier und Jetzt
von Roland Schimmelpfennig
Regie: Jürgen Gosch
Schauspielhaus Zürich

Das Theater mit dem Waldhaus
Ein Projekt von Christoph Marthaler und Ensemble
Regie: Christoph Marthaler
Waldhaus Sils-Maria

Das Theatertreffen 2009 findet vom 1. bis 17. Mai statt. Die Inszenierung von Christoph Marthaler kann in Berlin allerdings nicht gezeigt werden. Wir zitieren die Begründung der Jury:

"Eine Inszenierung, die sich leider nicht nach Berlin verpflanzen lässt: Stolz und verwunschen liegt das vor einem Jahrhundert eröffnete Hotel Waldhaus hoch über dem Silsersee im Oberengadin; und sehnsuchtsvoll und feierlich ist der Geisterspuk, den der Regisseur Marthaler und seine schauspielernd-singenden Getreuen zur Feier des Jubiläums angerichtet haben. Erst sitzt die Gesellschaft vor dem Panoramafenster des Teesalons in Plüschsesseln und stimmt Lieder an wie "Ich sag so gerne du zu dir, mein Herz schlägt nur für dich" oder "Là-haut, sur la montagne". Dann folgt eine Prozession in den Hotel-Sportsaal, wo man sehr komisch und sehr ernst Texte zum Beispiel von Walter Serner oder Robert Walser rezitiert. Vermutlich ist Marthalers Theater stärker verwurzelt in verkommenen Bahnhofs-wirtschaften als im grandios verwitterten Glamour dieses berühmten Künstlerhotels, selten aber war es so elegant und von inniglich strahlender Schönheit wie in diesem Doppel aus Teestunde und Sportsaal-Slapstick. Marthaler beschwört einen Totentanz, in dem die Geister berühmter Gäste des Hauses (zu denen Marc Chagall, Albert Einstein und Richard Strauss gehörten) wieder aufzuerstehen scheinen, er erzählt von Heimweh und Fernweh, von der Wehmut des Reisenden und dem Abgrund, der in jedem Hotelgast und in jedem Hotelbediensteten wohnt. Nebenbei lehrt diese Aufführung, dass das Theater jeden Ort der Welt in eine Bühne zu verwandeln vermag – nur leider, und das bedauert die Jury sehr, lässt sich diese Bühne hier nirgendwo anders aufschlagen"

Zur Jury gehörten in diesem Jahr Eva Behrendt (Theater heute), Jürgen Berger (Süddeutsche Zeitung, Theater heute), Wolfgang Höbel (Der Spiegel), Stefan Keim (WDR, Frankfurter Rundschau, Die Welt), Peter Müller (Tages-Anzeiger), Andres Müry (Focus) und Christopher Schmidt (Süddeutsche Zeitung).

Bis gestern haben die Leserinnen und Leser von nachtkritik.de über das virtuelle nachtkritik-Theatertreffen 2009 abgestimmt. Das Ergebnis finden Sie hier.

(dip)

 
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