Die letzten Winkel des Innenohres

7. März 2009. Während seit Tagen in unserer Kommentarspalte eine Diskussion über die Qualitäten oder Nicht-Qualitäten von Birgit Minichmayr tobt, flattert mir – wie es der Zufall so will – eine CD des Musikers und Komponisten Wolfgang Mitterer ins Haus: "Sopop" (col legno WWE 20901). Schon will ich die CD ganz tief unten in den Stapel der irgendwann einmal zu hörenden CDs hineinstopfen, da fällt mein Blick auf den Schriftzug am unteren Rand des giftgrünen Covers: "feat. Birgit Minichmayr". Oho! Aha! Birgit Minichmayr! Ich lege die CD ganz nach oben auf den Stapel. Kurzes Innehalten: nein, ich lege sie ein.

Ehrlich gesagt, rechne ich jetzt mit so Rumpel-Pumpel-Pop-Balladen mit ein bisschen Wiener Lokalkolorit (ziemlich doofe Erwartungshaltung, aber man denkt ja in so einem Moment auch nicht angestrengt nach). Doch aus den Boxen ertönt eine gar nicht so leicht zu beschreibende Mischung aus Independent Pop mit elektronischen Klängen, jazzigen Beats und ein paar Avantgarde-Einsprengseln. Und dazwischen eine Stimme, die nur einzelne Worte singt bzw. auf ihnen glissandierend hoch- und runterrutscht: "Relax" oder "Run". Oder hie und da ein ornamentales Stöhnen anbringt. Eine Stimme, die rauchig klingt und irgendwie ein wenig ordinär und völlig unverkennbar.

Wenn es nicht so militärisch klänge, könnte man sagen: diese Stimme ist eine Waffe; wenn es nicht eigentlich gar nichts sagte, könnte man sagen: diese Stimme ist ein tolles Instrument, sexier als jedes Saxophon; und wenn es nicht so beliebig wäre, könnte man sagen: diese Stimme ist purer Sound. Aber diese Stimme ist vor allem eines: Birgit Minichmayr. Nicht quadratisch. Nicht praktisch. Aber präsent bis in den letzten Winkel des Innenohrs. Die CD jedenfalls hat jetzt einen festen Platz im Regal. Wo man sie schnell wiederfinden kann.

(wb)

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