Das Libretto 1. Teil

17. Juli 2009. Die Redaktion von nachtkritik.de hat die verschiedenen Teile des Librettos für die Afrikanische Oper zusammengetragen und teilt sie hier, zur weiteren Bearbeitung mit:

Afrika, reiches Armenland, von Menschen geschändete Menschenheimat.[1]

 

I

Du spürst den Grund, der so richtig
unter der Sohle wegschmiert, nasser Lehm,
die Füße drehn sich im Matsch, und die große
Hundeschnauze vor der Brust hilft auch
nicht weiter, greif die Sterne, Fremder,
die Luft schmeckt kalt, dies ist eine neue
Plastikmilchkann für eineinhalb Liter,
und die gehst auf den Kuhstall zu, ohne
Taschenlampe, Wildgänse rauschen durch
die Nacht in deinem Kopf und die Bäuerin
sagt, na, kommt der Chef heut´selber
Milch holen.[2]

 

II

"Ich liebte die Wüste, die versengten Obstgärten, die verstaubten Läden, die schal gewordenen Getränke. Ich schleppte mich durch die stinkenden Gassen, und mit geschlossenen Augen gab ich mich der Sonne hin, der Göttin des Feuers. ..

Tenor:
Hab ich Gelüst, dann allein
Nach Erde und Stein.
Immer leb ich von Luft, verspeise
Felsen, Kohle und Eisen.

Tut euch um, meine Hunger, weidet
Auf tönender Trift,
Aus der Ackerwinde, das heitre
Sauget, das Gift.

Fresst die Kiesel, die man zermahlt,
Fresst die Steine der Kirchen, die alten
Vergangener Sintflut Geröll,
Brote, gesät in düsteren Talen.

Der Wolf schrie unter dem Laub
..."
(an dieser Stelle arbeite ich an der Adaption, hier müßte ein afrikanisches Tier auf den Plan treten.)[3]

 

III

"Im Abgrund blau und tief

Die Körperlosen schweben,
Sie zaubern und beleben
Die nächtige Harmonie, -
Den Frühling grüßen sie!"[4]

 

IV

 

"Trotz der Nacht allein
Und des Tags voll Feuer.

Also entrinnst du
Dem Menschengebuhl,
Dem Allerwelts-Elan!
Du fliegst deine Bahn...

- Die Hoffnung abgeschafft.
Keine Wandertour.
Geduld und Wissenschaft,
sichere Tortur.

Das Morgen dahin,
Seidenes Glühn,
Euer Brand allein
Muss sein.

Sie ist wiedergewonnen!
- Wer? - die Ewigkeit.
Sie, das Meer, mit der Sonne
Vereint. "[5]

 

V

„…Ich wurde eine Märchenoper: ich sah, dass alle Wesen in verhängnisvoller Beziehung stehen zum Glück: die Tat ist nicht das Leben, sondern eine Art von Kraftvergeudung, ein Aufreiben der Nerven. Moral ist Gehirnwäsche.

Zu jedem Wesen, schien mir, gehörten mehrere andere Leben. Dieser Herr da weiß nicht, was er tut: er ist ein Engel. Diese Familie da ist eine Hundebrut. Ansgesichts mehrerer Männer plauderte ich laut mit einem Augenblick aus einem ihrer anderen Leben. – Also hab ich ein Schwein geliebt.
Keiner der Sophismen des Wahnsinns – des Wahnsinns, den man einsperrt – wurde von mir ausgelassen: ich könnte sie alle hersagen, das System ist mir vertraut.

Meine Gesundheit war bedroht. Der Schrecken kam auf mich zu. Ich verfiel mehrtägigem Schlaf, und, aufgestanden, setzte ich die düstersten Träume noch fort. Ich war reif fürs Jenseits, und auf einer Straße der Gefahren führte mich meine Schwäche bis ans Ende der Welt und des Mogubu-Lands, Heimat des Schattens und der Wirbelwinde.

Ich musste auf Reisen gehen, die Zauber verscheuchen, die sich in meinem Gehirn versammelt hatten. Über dem Meer, das ich so sehr liebte, als hätte es mir einen Schandfleck abwaschen sollen, sah ich das Kreuz der Tröstung auftauchen. Ich war vom Regenbogen verdammt worden. Das Glück war mein Verhängnis, meine Reue, mein Wurm: mein Leben würde immer viel zu unbegrenzt bleiben, als dass es der Kraft und der Schönheit geweiht sein könnte…“[6]

 

VI

also gut, in dem Traum ging es um ein Haus, kein Opernhaus, aber es lag in der nähe einer Oper, Chöre, die bei offenem Fenster probten, klangen manchmal durch den Lärm der Straße bis zu mir hinauf in den obersten Stock. Die Wohnung war nicht wirklich meine Wohnung, denn sie war im doppelten Sinn eine Traumwohnung, die, die ich mir immer gewünscht hatte. Alt, geräumig, wie aus einem französischen Film, von morbider Eleganz. Mit Kamin und Spiegel. dorthin könnte ich endlich eine Geliebte laden und ihr mit meinem Geschmack, meiner Großzügigkeit eine ideale Fluchtstätte bieten vor der zähen Gewöhnlichkeit, in der ich sie wähnte. Aber wie ich die Wohnung betrat und sie voll Behagen inspizierte, dämmerte mir nach und nach, daß diese Wohnung nicht erst jetzt in meinem Besitz war und das sich Teile meines Lebens schon früher in ihr zugetragen hatte. Diese waren aber nicht von Glück und Lust bestimmt, sondern in ihnen war ich ein sehr sehr nachlässiger, schusseliger Mensch, der, so begann mir mehr und mehr zu dämmern, jemanden hatte sterben lassen, aus purer Trägheit. So sehr ich mich auch bemühte, die Geschehnisse von einst, als zufällige und unausweichliche zu begreifen, sie offenbarten sich als Schande eines Gewissenlosen. Ich wollte es nicht wahr haben und wähnte mich in einem Traum, wachte auf und war zufrieden, aber in meiner Zufriedenheit bemerkte ich, das ich noch immer in der nämlichen Wohnung war, und da war auch das Zimmer und wie ich es öffnete, war da der Tote, verwest und stinkend und wie ich ihn sah, war auch der Augenblick des Kampfes gegenwärtig und ich wußte, dass niemand anders als ich ihn mit seinen Händen gemordet hatte als …[7]

(Bei deinem Traum würde ich an der Stelle einsteigen, als klar wird, dass die ganze Zeit jemand im Zimmer vernachlässigt wurde. Hat sich dieser nicht bemerkbar gemacht? An dieser Stelle muss etwas passieren. Mit dem Vernachlässigten, der sich noch äußern kann, muss gesprochen werden, sich um ihn gekümmert werden. Wenn du es selbst nicht kannst, lass jemanden anderen kommen, meinetwegen eine Krankenschwester. (Corinna kann vielleicht was dazu sagen?)
Dann kann der Mord (weil der Vernachlässigte irgendwann zu unansehnlich und lästig wurde?) abgewendet werden.)[8]

 

VII

Baccalaureus:
Anmaßlich find' ich, daß zur schlechtsten Frist
Man etwas sein will, wo man nichts mehr ist.
Des Menschen Leben lebt im Blut, und wo
Bewegt das Blut sich wie im Jüngling so?
Das ist lebendig Blut in frischer Kraft,
Das neues Leben sich aus Leben schafft.
Da regt sich alles, da wird was getan,
Das Schwache fällt, das Tüchtige tritt heran.
Indessen wir die halbe Welt gewonnen,
Was habt Ihr denn getan? genickt, gesonnen,
Geträumt, erwogen, Plan und immer Plan.
Gewiß! das Alter ist ein kaltes Fieber
Im Frost von grillenhafter Not.
Hat einer dreißig Jahr vorüber,
So ist er schon so gut wie tot.
Am besten wär's, euch zeitig totzuschlagen.

Mephistopheles:
Der Teufel hat hier weiter nichts zu sagen.

Baccalaureus:
Wenn ich nicht will, so darf kein Teufel sein.

Mephistopheles:
Der Teufel stellt dir nächstens doch ein Bein.

Baccalaureus:
Dies ist der Jugend edelster Beruf!
Die Welt, sie war nicht, eh' ich sie erschuf;
Die Sonne führt' ich aus dem Meer herauf;
Mit mir begann der Mond des Wechsels Lauf;
Da schmückte sich der Tag auf meinen Wegen,
Die Erde grünte, blühte mir entgegen.
Auf meinen Wink, in jener ersten Nacht,
Entfaltete sich aller Sterne Pracht.
Wer, außer mir, entband euch aller Schranken
Philisterhaft einklemmender Gedanken?
Ich aber frei, wie mir's im Geiste spricht,
Verfolge froh mein innerliches Licht,
Und wandle rasch, im eigensten Entzücken,
Das Helle vor mir, Finsternis im Rücken.

Mephistopheles:
Original, fahr hin in deiner Pracht! —
Wie würde dich die Einsicht kränken:
Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken,
Das nicht die Vorwelt schon gedacht? —
Doch sind wir auch mit diesem nicht gefährdet,
In wenig Jahren wird es anders sein:
Wenn sich der Most auch ganz absurd gebärdet,
Es gibt zuletzt doch noch e' Wein.
[Zu dem jüngern Parterre das nicht applaudiert]
Ihr bleibt bei meinem Worte kalt,
Euch guten Kindern laß ich's gehen;
Bedenkt: der Teufel, der ist alt,
So werdet alt, ihn zu verstehen![9]

 

VIII

Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs

Sonette find ich sowas von beschissen,
so eng, rigide, irgendwie nicht gut;
es macht mich ehrlich richtig krank zu wissen,
dass wer Sonette schreibt. Dass wer den Mut

hat, heute noch so´n dumpfen Scheiß zu bauen;
allein der Fakt, dass so ein Typ das tut,
kann mir in echt den ganzen Tag versauen.
Ich hab da eine Sperre. Und die Wut

darüber, dass so´n abgefuckter Kacker
mich mittels seiner Wichserein blockiert,
schafft in mir Aggressionen auf den Macker.

Ich tick nicht, was das Arschloch motiviert.
Ich tick es echt nicht. Und wills echt nicht wissen:
Ich find Sonette unheimlich beschissen.[10]

 

IX

Vor Jahren kamen wir mit einem burkinischen Macher zufällig in eine Kneipe in Ouaga.
Er fragte „Wo wollt ihr sitzen? Dort unter dem Baum ist es schön schattig.“ und zeigte auf den einzigen Tisch der besetzt war. Dann trat er ganz ruhig an die Gruppe heran die dort saß und bat sie höflich Platz zu machen. Die Gruppe schaute hoch: ein Burkinabé in Anzug und Krawatte und zwei Weiße. Sie standen wortlos auf. Wir waren sehr betreten - aber Wirt bediente uns ganz unbefangen, die Gruppe hatte einen neuen Platz gefunden und lärmte wie vorher auch. Keine peinliche Stille, keine bösen Blicke – alles war in Ordnung. Kein Kampf keine Verlierer, der Macher hatte gewonnen.[11]

 

X

..."Genug! jetzt die Strafe. - Vorwärts!
Ah! die Lungen brennen, die Schläfen klopfen! die Nacht rollt in meinen Augen, bei dieser Sonne! das Herz... die Glieder...
Wohin gehts? zum Kampf? Ich bin schwach! die anderen rücken vor. Die Werkzeuge, die Waffen... die Zeit!...
Feuer! Feuer auf mich! Da! oder ich ergebe mich. Feiglinge! - Ich töte mich! Ich werfe mich vor die Hufe der Giraffen!
Ah!...
Ich werde mich daran gewöhnen.
Dies also wäre das afrikanische Leben, der Pfad des Staubes und der Ehre.[12]

 

XI

Die afrikanische Fabel:
"Die Halluzinationen sind unzählbar. Daran habe ich schon immer gelitten: keinen Glauben an die Geschichte mehr, die Prinzipien vergessen. Ich werde es verschweigen: Dichter und Seher würden neidisch. Tausendmal bin ich der Reichste, seien wir geizig wie das Meer.
Oh, auch das noch! soeben ist die Lebensuhr stehengeblieben. Ich bin nicht mehr in der Welt.- Die Theologie ist doch ernst zu nehmen, die Hölle ist zweifellos unten - und der Himmel oben. - Verzückung, Alptraum, Schlaf in einem Nest von Flammen.
Soviel Arglist der Augen in der Landschaft...Satan, Kalidou Owambaga, rennt mit den wilden Samen... Jesus Mbogami wandelt über das purpurne Dornicht, ohne es niederzubiegen...
Ich werde alle Geheimnisse enthüllen: Geheimnisse des Glaubens und der Natur, Tod, Geburt, Zukunft und Vergangenheit, Kosmogonie, das Nichts. Ich bin Meister in Phantasmagorien.
Hört! ...
Ich besitze alle Talente! - Hier ist niemand und dennoch jemand: ich möchte meine Schätze nicht verschleudern. - Wollt ihr Negergesänge? Huri-Tänze? Wollte ihr, dass ich verschwinde, dass ich tauche, den Ring zu suchen? Wollt ihr? Ich werde Gold machen, Arzneien.
Vertraut mir doch, der Glaube hilft auf, leitet, heilt. Alle, kommt - auch die kleinen Kinder -, dass ich euch tröste, dass man sein Herz ausgieße über euch - das wunderbare Herz! Arme Menschen, schwarze Arbeiter! Ich heische keine Gebete; mit eurem bloßen Vertrauen werde ich glücklich sein.
- Und dass wir auch an mich denken. All das lässt mich der Welt wenig nachtrauern. Ich habe das Glück, nicht schlimmer zu leiden. Mein Leben bestand nur aus süßen Torheiten, das ist schade.
Ach was! lasst uns alle erdenklichen Grimassen schneiden.
Wahrhaftig, wir sind außer der Welt. kein Laut mehr. Mein Maß ist hin. Ach! mein Schloß, mein Wüstenland, mein Dornengehölz. Die Abende, die Morgen, die Nächte, die Tage... Bin ich müd!
Ich müsste meine eigene Hölle haben für den Zorn, meine Hölle für den Hochmut - und die Hölle der Schmeichelei; ein ganzes Konzert von Höllen.
Ich sterbe an Ermattung. Es ist das Grab, ich gehe zu den Würmern, schrecklichster aller Schrecken! Satan, Possenreisser, mit deinen Zaubern willst mich zunichte machen! Ich flehe. Flehe! einen Stoß mit der Schürgabel, einen Tropfen Feuer.
Ach! ins Leben zurücksteigen! Die Augen auf unsere Ungestalt richten. Und dieses Gift, dieser tausendmal verfluchte Kuss! Meine Schwäche, die Grausamkeit der Welt! Mein Gott, Erbarmen, verbirg mich, ich halte mich zu schlecht! - Verborgen bin ich und bin es nicht. Dies ist das Feuer, das auflebt mit seinem Verdammten. ... "[13]

XII

"Ein junger Mensch, ich weiß nicht, wie,
starb einst an der Hypochondrie
und ward denn auch begraben.
Da kam ein schöner Geist herbei,
der hatte seinen Stuhlgang frei,
wie´s denn so Leute haben.
Der setzt´ notdürftig sich aufs Grab
und legte da sein Häuflein ab,
beschaute freundlich seinen Dreck,
ging wohl eratmet wieder weg
uns sprach zu sich bedächtiglich:
Der gute Mensch, wie hat er sich verdorben!
Hätt er geschissen so wie ich,
er wäre nicht gestorben!"[14]

XIII

"Achte Deinen Nächsten, auch wenn Du ihn nicht liebst!“[15]

 

XIV

Fernab von Herden, Beduinen, Vogelstraußen,
Was trank ich, kniend dort im Wüstensand,
umgeben von der Palmen Sausen,
in eines Mittags Hitze, braun verbrannt?

Was konnt ich trinken aus der jungen Oase,
- die Datteln still, verblühter Rasen, Himmelsgleiß! -
Aus Kürbisflaschen trinken hier, fern dem verlassnen
Teuren Dach? Ein Goldlikör, der treibt den Schweiß.

Als Wirtshausschild bracht ich dem Wirt wohl Schande.
- Vor Abend hieß ein Sturm das Firmament verschwinden.
Des Himmels Naß zerrann in reinen Sanden,
Spien Hagel in die Pfützen Gottes Winde;

Im Weinen sah ich Gold - und konnt´nicht trinken. -
...[16]

XV

...
In ihrer Wüste aus Sägespänen,
Wo sie die edlen Hölzer verschalen,
Sorglos, auf denen
Die Stadt falsche Himmel wird malen.

O diesen Tätigen zulieb, die treu
Untertan sind babylonischem König.
Venus! verlass die Verliebten ein wenig,
Die in sich selber sind selig und reich.

Königen der Hirten, o schaff
Den Werkleuten Branntwein her,
dass geruhsam fließe die Kraft
Bis mittags das Bad ruft im Meer.

Schließlich empfand ich die Verwirrung meines Geistes als Fluch, Ich war müßig, von einem schweren Fieber ergriffen. ich beneidete die Tiere um ihre Glückseligkeit - die Raupen, die die Unschuld der noch Ungeborenen verkörpern, die Maulwürfe, den Schlaf der Jungfräulichkeit.
Ich wollte sein wie Antilope und Zebra, frei und wild und nicht verbittert.
Ich sagte der Welt adieu in romanzenartigen Formen:

Lied vom höchsten Turm

Herbei, herbei,
Komm, Zeit der Liebe, sei.

So viel ich ertragen,
Ich habe es verwunden.
Schmerz ist und Verzagen

Zu den Himmeln entschwunden.
Und der zehrende Durst
Verfinstert mein Blut.

Herbei, herbei,
Komm, Zeit der Liebe, sei.

Gleich der Prärie
So vergessen auch,
Gewachsen, durchblüht,
Von Unkraut und Weihrauch,
Umschwirrt von wilden
Scheußlichen Fliegen.

Herbei, herbei,
Komm, Zeit der Liebe, sei.
...[17]

 

XVI

..."Ich! ich, der sich Magier oder Engel genannt hat, losgesagt von jeder Moral, ich bin der Erde zurückgegeben, eine Pflicht zu suchen und die rauhe Wirklichkeit zu umarmen! Bauer!
Werd ich betrogen? die Barmherzigkeit, sollte sie denn die Schwester des Tods für mich sein?
Wie auch immer, da ich mich durch Lüge genährt habe, will ich um Vergebung bitten. Und weiter!
Denn ich kann sagen, dass der Sieg mir sicher ist: das Zähneknirschen, das Gezisch des Feuers, das verpestete Stöhnen, alles läßt nach. Alle eklen Erinnerungen verblassen. Meine letzten schmerzlichen Anwandlungen stehlen sich fort - Neid und Eifersucht gegen die Bettler, die Räuber, die Freunde des Tods, die Zurückgebliebenen aller Art. - Verdammte, wenn ich mich rächte!
Man muss unbedingt modern sein.
Keine frommen Gesänge mehr: den Vorsprung halten. Harte Nacht! das vertrocknete Blut schwelt auf meinem Gesicht, und ich habe nichts hinter mir als dieses widerwärtige Bäumchen! ...
Der geistige Kampf ist genauso brutal wie die Menschenschlacht; aber die Vision der Gerechtigkeit ist das Vergnügen Gottes allein.
Jetzt ist die Zeit zu wachen. Empfangen wir alle Impulse der Lebenskraft und der echten Zärtlichkeit. Und zur Morgenröte, gewappnet mit einer glühenden Geduld, werden wir einziehen in die herrlichen Städte. Was sprach ich von Freundeshand! Ein schöner Vorteil ist, dass ich über die alten trügerischen Liebschaften lachen kann und jene verlogenen Paare mit Schande treffen - ich habe dort unten die Hölle der Frauen gesehen; - und es wird mir vergönnt sein, die Wahrheit zu besitzen in einer Seele und einem Leib.[18]

XVII

Ende der 70ger Jahre wurde die Flussblindheit (Onchozerkose) besiegt. Dadurch war es möglich die Flusstäler zu besiedeln. Am Weißen Volta (heute Nakambé) wurde ein Damm gebaut (Barrage de Bagré) der einen großen See aufstaute. An diesem See siedelt die Regierung Menschen an die von der Dürre, den Heuschrecken oder dem Klimawandel aus dem Norden vertrieben wurden. Eigentlich ist das Gebiet Bissaland. Aber Bissa sind naturgemäß wenige unter den Neusiedlern. Die gehören vielmehr vielen verschiedenen Ethnien an. Die Dörfer dort tragen keine Namen, sie heißen Village 01, Village 02…
Gäbe man ihnen Namen müssten diese einer bestimmten Sprache entnommen werden. Das Dorf würde dadurch einer Ethnie zugeordnet. Diese erhielte dann die Rechte des Erstsiedlers. Sie stellte den Erdherren (tengsoba) der den Kontakt pflegt zu den Ahnen denen das Land eigentlich gehört. Er vergibt die Landnutzungsrechte, errichtet die Schreine und sorgt durch die Kontakte zu den Überirdischen für eine gute Ernte. Welche Ethnie sollte das sein? Noch hat keine ihre Ahnen in der Erde von Bagré bestattet Also nennt man die Dörfer 01,02 usw.[19]



[1] "Sebastian Hartmann"/ Hubert Fichte, Nr 152

[2] Carlos Palabras/ Arthur Rimbaud, Nr. 113

[3] Carlos Palabras/ Arthur Rimbaud Nr. 161

[4] „Sebastian Hartmann“/ Michel Foucault, Nr. 171

[5] Carlos Palabras/ Arthur Rimbaud, Nr. 177

[6] Carlos Palabras/ Arthur Rimbaud Nr. 190

[7] Raphael, Nr. 182

[8] Sven Jurgel, Nr. 191

[9] Wo wir gerade beim Thema sind/ Goethe: Faust II, 2.Akt, Nr. 172

[10] Carlos Palabras/ Robert Gernhardt, Nr. 204

[11] Helmut, Nr. 218

[12] Carlos Palabras/ Arthur Rimbaud, Nr. 225

[13] Carlos Palabras/ Arthur Rimbaud, Nr. 227

[14] Billie Jean/ Goethe, Nr. 231

[15] Billie Jean/ Richard David Precht Nr, 236

[16] Carlos Palabras/ Arthur Rimbaud, Nr. 239

[17] Carlos Palabras/ Arthur Rimbaud, Nr. 242

[18] Carlos Palabras/ Arthur Rimbaud, Nr. 246

[19] Helmut, Nr. 249

 

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