Weckruf

Berlin, 18. November 2009. Vor drei Tagen wurde der mit immerhin 10.000 Euro dotierte Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin zur Förderung des Kinder- und Jugendtheaters verliehen. Im Theater an der Parkaue zeichnete Kulturstaatssekretär André Schmitz Tamer Yiğit und Branka Prlić für Buch und Regie ihres Projektes Ein Warngedicht aus.

Aus 112 Einsendungen hatte die aus Thomas Irmer, Anne Peter und Patrick Wildermann bestehende Jury die Preisträger der 24. Ausgabe des Grimm-Preises ausgewählt.

In der Laudatio der Jury heißt es: "Warum haben wir uns für das 'Warngedicht' von Tamer Yiğit und Branka Prlić entschieden? Es ist gewissermaßen eine Bauchentscheidung", denn, so die Jury weiter, "diese Kunst ist so etwas wie ein Schlag in die Magengrube – ein Theater, das unmittelbar körperlich wirkt (...), es ist laut und wütend. Das 'Warngedicht' will beim Wort genommen werden. Es warnt. Vor dem Ungenügen der Gegenwart, das die Katastrophe der Zukunft ist. Es ist ein Weckruf." Im "Warngedicht" sprächen die, "über deren Köpfe zurzeit gern in zwangsläufig pauschalisierenden Statistiken hinweggegangen wird (...), die von außen, aus der Lehrer- oder Politiker-Perspektive, oft bloß als Störenfriede erscheinen (...). Sie haben die völlige Perspektivlosigkeit längst verinnerlicht." Die Ästhetik des Projektes erwachse dabei "gleichsam kongenial aus der Realität, von der hier erzählt, gesungen, getanzt wird". Hier werde "aus der Sprache, wie sie auf den Straßen Berlins zu hören ist, ein wildes, zorniges Großstadt-Poem".

(jnm)

 

 

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