Der Entdecker

München, 23. August 2007. Kurt Hübner, einer der wichtigsten Intendanten und Regisseure des (west)deutschen Nachkriegstheaters, ist – wie das Sekretariat der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt am Main erst jetzt mitteilte – am Dienstag, den 21. August, in München gestorben.

Kurt Hübner, der 1916 in Hamburg geboren wurde, erhielt zunächst eine Schauspielausbildung und ging 1947 als Regie- und Dramaturgieassistent zum Deutschen Schauspielhaus Hamburg; als Regisseur debütierte er im gleichen Jahr am Landestheater Hannover. Nach Stationen als Dramaturg in Göttingen, Ingolstadt, Freiburg i.Br. und Stuttgart wurde Hübner 1959 Intendant des Ulmer Theaters. Dort ermöglichte er Peter Zadek, Wilfried Minks, Peter Palitzsch und der Schauspielerin Hannelore Hoger erste Arbeiten.

Bekannt geworden ist Hübner aber vor allem als Begründer des so genannten Bremer Stils: Als Intendant (von 1962 bis 1973) verstand er es, Freiraum für neue Ästhetiken zu schaffen. Dabei sammelte er zahlreiche weitere junge Talente um sich, darunter die Regisseure Peter Stein, Alfred Kirchner, Klaus Michael Grüber, Peter Zadek, Hans Neuenfels, Johannes Schaaf und Rainer Werner Fassbinder.

1973 übernahm Hübner, nachdem viele der von ihm gefördertem KünstlerInnen das Bremer Theater verlassen hatten, die Intendanz der Freien Volksbühne Berlin. 1986 wurde er in diesem Amt von Hans Neuenfels abgelöst. Danach arbeitete Hübner als freier Regisseur und Schauspieler.

Im Jahr 2000 wurde Hübner mit dem Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum ausgezeichnet, die ihn damit als "ein Exempel für Streitkultur und Unbeugsamkeit gegenüber Politik und Öffentlichkeit" würdigte. 2005 erhielt er den ITI-Preis zum Welttheatertag vom Internationalen Theater-Institut für sein Lebenswerk.

(dip) 

Hartmut Krugs Nachruf auf Kurt Hübner lesen Sie hier.

 
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