Offizier der Künste

Berlin, 12. April 2010. Wie die Schaubühne am Lehniner Platz mitteilt, wird deren Künstlerischer Leiter Thomas Ostermeier mit dem französischen Orden Officier des Arts et des Lettres geehrt. Es handelt sich um einen der höchsten kulturellen Orden des Landes, der Ostermeier am 16. April 2010 durch den französischen Botschafter Bernard de Montferrand in Berlin verliehen wird. Die Auszeichnung wird vom französischen Kulturministerium an Personen vergeben, "die sich durch ihr Schaffen im künstlerischen oder literarischen Bereich oder durch ihren Beitrag zur Ausstrahlung der Künste und der Literatur in Frankreich und in der Welt ausgezeichnet haben".

Der Titel "Officier des Arts et des lettres" kann an Personen vergeben werden, die mindestens seit fünf Jahren "Chevalier des Arts et des Lettres" sind (im Jahr sind insgesamt 140 Verleihungen möglich). Zum "Chevalier" können wiederum Personen über 30 Jahre ernannt werden (im Jahr insgesamt 450 Verleihungen möglich).

Die Arbeiten des Schaubühnen-Intendanten sind in der französischen Theaterwelt seit vielen Jahren bekannt. Noch während seines Regie-Studiums an der Ernst-Busch-Schauspielschule wurde seine Inszenierung "Die Unbekannte" von Alexander Blok auf dem Festival Thêatre en Mai in Dijon gezeigt. In den 90er Jahren, als Leiter der DT-Baracke, war er mit "Mann ist Mann" in Paris und Lyon zu Gast, 1999 mit den drei Produktionen "Mann ist Mann", "Shoppen und Ficken" und "Unter der Gürtellinie" auf dem Festival d'Avignon. Fünf Jahre später eröffnete er das Festival in Avignon, als Artiste associé auch mitverantwortlich für das künstlerische Programm, mit seiner "Woyzeck"-Inszenierung im Hof des Papstpalastes. Auch Ostermeiers Inszenierungen "Nora", "Zerbombt", "Disco Pigs", "Dantons Tod" und "Wunschkonzert" waren in Avignon zu sehen. Das Avignon-Gastspiel seines Hamlet 2008 beschrieb Thomas Ostermeier im nachtkritik-Intendantenrückblick als das beeindruckendste Theatererlebnis des Jahres.

Ostermeiers John Gabriel Borkman war Ende 2008 im Rahmen des europäischen Theaternetzwerks Prospero am Theatre National de Bretagne in Rennes zu sehen und wurde in Paris mit dem Grand Prix de la Critique für die "Beste ausländische Inszenierung" ausgezeichnet. 2010 wurde Thomas Ostermeier von Klaus Wowereit als Mitglied in den deutsch-französischen Kulturrat berufen.

Mit dem Titel des "Officiers" war im April 2009 u.a. auch die Choreographin Sasha Waltz ausgezeichnet worden, die 1999 zusammen mit Ostermeier, Jochen Sandig und Jens Hillje die Leitung der Schaubühne übernommen hatte. Sandig wiederum wurde im Januar 2010 zum "Chevalier" ernannt. Das Team arbeitete in dieser Konstellation bis 2004 zusammen, danach gingen Waltz und Sandig eigene Wege.

(Schaubühne am Lehniner Platz / Wikipedia / ape)

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Kommentare

Kommentare  
#1 Orden für Ostermeier: keine Kulturkloppisfranzösisches pferd 2010-04-13 00:08
kriegt inzwischen eigentlich jeder schlumpf 'nen orden verliehen, nur weil seine inszenierungen hier und da mal auf 'nem internationalen festival gezeigt werden?
hat frankreich selbst denn keine kulturkloppis, die es auszeichnen könnte?

glückwunsch, tommy, dass du für den brei, den du in letzter zeit zusammenrührst, endlich ruhm und ehre erntest, wenn's denn schon mit der schaubühne seit jahren konsequent jeden erdenklichen bach runtergeht.
#2 Orden für Ostermeier: früher auf dem Bergfranzösischer pferdeapfel 2010-04-13 04:17
alles geht immer nur bergab, bergab, bergab .. die ganze welt, die schaubühne, deutschland, einfach alles - früher war alles ganz oben auf dem berg, jetzt geht alles immer nur bergab und zwar KONSEQUENT
#3 Orden für Ostermeier: die wenigen LichtblickeMisthaufen 2010-04-13 10:50
Waren Sie in den letzten zwei Jahren mal in der Schaubühne und haben dort irgendwas gesehen, das sie begeistert, beflügelt oder berührt hätte? Die wenigen Lichtblicke der letzten Jahre kann man wirklich an einer Hand abzählen.
#4 Orden für Ostermeier: völlig unabhängigStefan 2010-04-13 11:25
@ franz. Pferd, -apfel und Misthaufen
Auch wenn Sie vielleicht in einem französischen Stall zu Hause sind, haben nicht Sie sondern Thomas Ostermeier sich um den deutsch-französischen Kulturaustausch verdient gemacht. Deshalb bekommt er den Orden und nicht das Pferd. Das ist völlig unabhängig von den Leistungen der Schaubühne am Lehniner Platz.
#5 Orden für Ostermeier: ein Orden für Jule BöweFlohbär 2010-04-13 12:14
Ostermeier sollte etwas von seiner erhaltenen Ehre weiterreichen, um seine Schauspieler bei Laune zu halten.
Früher, als ich noch häufiger in der Schaubühne war, stand da fast in jedem Stück Jule Böwe auf der Bühne, oder sie hockte im Café, wo meist nicht über die großen Dinge des Lebens, sondern über die ganz kleinen geredet wird.
Angesichts ihrer Nibelungentreue zur Schaubühne schlage ich deshalb für Jule Böwe die Ostermeier-Medaille 2. Grades vor. Falls sie sich noch für drei weitere Jahre an das Theater bindet, wird vielleicht daraus eine Ostermeier-Ehrenmedaille.
Ich denke, ein Underground-Image und Orden passen vorzüglich zueinander.
#6 Orden für Ostermeier: warum denn nicht?Pfingstochse 2010-04-13 12:34
Musketier-Preis: Why not ?

Und ich sehe erst seit nachtkritik de. hin und wieder auf
überhaupt auf all diese Preisverleihungsgeschichten:
Binding-Preis hier, BDI-Preis dort, Französischer Orden
jetzt: warum denn nicht; das kann "man" ja auch als
Ansporn begreifen oder als Anlaß, sich um Beispiel einmal genauer mit all den Stiftern und "Anliegen von
Stiftern" und Entwicklungen bei Stiftern auseinanderzu-
setzen.
Man müßte 1-3 eigentlich fragen, ob sie das, was sie anführen, Stefan, ernsthaft berücksichtigten, berücksichtigen wollen, und ob denen -ganz im Sinne der französischen Stifter- ein besserer Offizierskandidat einfallen würde, oder ob sie auch bei den Ordensverleihern Defizite ausmachen oder kultur-
politische Schliche etc. .
Pomme de Cheval !
Das soetwas hier noch einmal den Duft seines Denkens
verströmen darf: finde ich großartig.
Bei all den Pferden durfte ein Ochse nicht fehlen.
Au revoir !!

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