Nachuns2 280 UteLangkafel u"Nach uns das All" am Maxim Gorki Theater
© Ute Langkafel
Berlin, 25. September 2017

Völlig schwerelos

Apokalypse now? Nichts wie auf zum Mars – aber nur im zeugungsfähigen Team mit Mann. Sibylle Bergs Aussteigerinnen haben's nicht leicht bei ihrer intergalaktischen Obdachsuche. Als knackige Komödie inszenieren Regisseur Sebastian Nübling und Choreographin Tabea Martin auch Nach uns das All, den dritten Teil der Berg'schen Anti-Heldinnen-Saga am Berliner Maxim Gorki Theater. Michael Wolf war dabei.

Berlin, 25. September 2017: Mit Rückkehr nach Reims adaptiert Thomas Ostermeier die Selbstbefragung des Soziologen Didier Eribon – eine Reflexion über den Bildungsweg vom Arbeiterkind zum Intellektuellen und die Wählerschaft des Front National. Gestern feierte Ostermeiers Inszenierung ihre Berlin-Premiere. Andrew Haydon war für uns bei der Uraufführung in Manchester. (Review in English.)

Berlin, 24. September 2017: Michael Thalheimer zeigt Der kaukasische Kreidekreis

Das Kind gehört der Frau, die sich kümmert. Nicht unbedingt der Mutter. Die Produktionsmittel gehören den Arbeitern. Nicht den Besitzern der Produktionsmittel. Und der Kommunismus ist leicht zu verstehen, aber schwer zu machen. Was Michael Thalheimer aus Bertolt Brechts sozialistischem Klassiker Der kaukasische Kreidekreis am Berliner Ensemble gemacht hat, berichtet Esther Slevogt.

Dresden, 24. September 2017: Volker Lösch inszeniert Der Weg ins Leben

Volker Lösch ist zurück in Dresden. In Der Weg ins Leben blickt er in gewohnter Manier mit Zeitzeugen und einem Chor aus Jugendlichen auf kommunistische Versuche zurück, den Neuen Menschen zu erziehen. Michael Bartsch über einen brutalen Abend.

Linz, 24. September 2017: Frühlings Erwachen von Evgeny Titov

Die Sexualmoral, die Frank Wedekind in Frühlings Erwachen anprangert, hat nicht viel mit unserer heutigen zu tun. Die Sprachlosigkeit gibt's aber immer noch. Auf sie konzentriert Evgeny Titov sich in seiner Linzer Inszenierung, zu der Reinhard Kriechbaum mehr schreibt.

München, 24. September 2017: Kinder der Sonne von David Bösch am Residenztheater

Muss man Maxim Gorkis Kinder der Sonne immer gesellschaftskritisch deuten? Oder funktioniert's auch als Komödie? Mit klappenden Türen und verstärktem Unterhaltungswert? Am Residenztheater probiert David Bösch das aus, Shirin Sojitrawalla berichtet.

Wien, 24. September 2017: Felix Hafners Höllenangst am Volkstheater

Felix Hafner ist so etwas wie der Jungstar des bürgerlichen Wiener Theaterpublikums. Zum dritten Mal inszeniert er am Volkstheater. Diesmal die nachrevolutionäre Höllenangst von Johann Nestroy. Theresa Luise Gindlstrasser wirft einen kritischen Blick auf die Premiere.

Schwerin, 23. September 2017: Martin Nimz mit Vor dem Fest von Saša Stanišić

Ein kleines Nest in der Uckermark, eine Nacht, ein Fest, das die Ungeheuer (der Geschichte) wieder ausspuckt: darum kreist der preisgekrönte Roman Vor dem Fest von Saša Stanišić. Martin Nimz hat ihn (quasi am Originalschauplatz) auf die Bühne des Mecklenburgischen Staatstheaters gebracht. Und Frank Schlösser berauscht.

Köln, 23. September 2017: Stefan Bachmann präsentiert Ibsens Peer Gynt

Wer glaubt, dass man mit Selbstfindungstrips zu höherer Klarheit gelangt, sollte Peer Gynt lesen. Kein Kern nirgends; nur Turbulenzen. Stefan Bachmann führt Ibsens Stück mit einem reinen Männer-Cast am Schauspiel Köln als herrlich grotesken Mummenschanz auf. Mehr von Tilman Strasser.

Bochum, 23. September 2017: Johan Simons mit de Lillos Cosmopolis

Wie im Turbokapitalismus ein Mensch das globale Finanzsystem ins Wanken bringt, erzählt Don DeLillo in Cosmopolis. Für seine Abschiedsinszenierung als Ruhrtriennale-Intendant hat Johan Simons die Story auf einen Spielplatz verlegt. Sascha Westphal berichtet.

Dresden, 23. September 2017: Daniela Löffner mit Schnitzlers Professor Bernhardi

Karrierespielchen, denen jedes Mittel recht ist, auch Antisemitismus, beschreibt Arthur Schnitzlers Professor Bernhardi. Am Staatsschauspiel hat Daniela Löffner das Drama aus der Männerwelt der Ärzte inszeniert. Hartmut Krug war dort.

Oberhausen, 23. September 2017: Schimmelmanns – Verfall einer Gesellschaft

Mit einer Uraufführung startet Florian Fiedler in seine Intendanz am Theater Oberhausen und inszeniert Mario Salazars "Nazi-Horror-Boulevard-Komödie" Schimmelmanns – Verfall einer Gesellschaft. Wie war's, Friederike Felbeck?

Berlin, 22. September 2017: Antú Romero Nunes eröffnet die BE-Saison mit Caligula

Caligula, der Willkür-Herrscher, in dem sich alles auffinden lässt, was den Menschen böse macht: Albert Camus hat ihm mit seinem ersten Stück ein Denkmal gesetzt und es "Tragödie der Erkenntnis" genannt. Zu welchen Erkenntnissen Antú Romero Nunes in seiner Eröffnungsinszenierung von Oliver Reeses Berliner Ensemble mit Constanze Becker in der Titelrolle anstiftet, sagt Dirk Pilz.

Berlin, 21. September 2017: Christopher Rüping inszeniert am DT It Can't Happen Here

Wohin man auch klickt, welche Zeitung man aufschlägt – überall springt einem Donald Trump entgegen. Auch im Theater ist man längst nicht mehr vor ihm sicher. Mit Popstar-Appeal brettert Felix Goeser in Christopher Rüpings Sinclair-Lewis-Romanadaption It Can't Happen Here am DT Berlin, vier Tage vor der Bundestagswahl, seine Populisten-Version hin. Wie das verfing, sagt Simone Kaempf.

Berlin, 20. September 2017: Herbert Fritschs Schaubühnen-Debüt Zeppelin

Das soziale Elend, in dem Ödön von Horváth seine Figuren stets so zuverlässig untergehen lässt, und die schrill-bunte Welt von Herbert Fritsch: passt denn das zusammen? In der Schaubühne hat der Meister der Slapstick-Metaphysik mit Zeppelin eine Synthese gewagt. Sophie Diesselhorst berichtet.

Hamburg, 18. September 2017: Die Nacht von St. Valentin im Schauspielhaus Hamburg

Ein Krimi im Theater, zur besten "Tatort"-Zeit: In Anlehnung an den Fall Oscar Pistorius hat Mpumelelo Paul Grootboom Die Nacht von St. Valentin geschrieben. Uraufgeführt hat er seinen Text jetzt selbst, am Schauspielhaus Hamburg. Sportstar tötet Model-Freundin – oder? Katrin Ullmann war dabei.

Leipzig, 17. September 2017: Enrico Lübbe inszeniert Kasimir und Karoline

Ödön von Horváths berühmtes Oktoberfest-Krisenstück Kasimir und Karoline an einem Transitort? Bei Enrico Lübbe stehen die Figuren im Schauspiel Leipzig tatsächlich in einer tristen Bahnhofswartehalle: Draußen rauschen die Züge vorbei, drinnen klingen mit Chor und Glasharfe Volkslied-Fragmente an. Sehr zum Gefallen von Tobias Prüwer.

Hamburg, 17. September 2017: Christiane Jatahy mit Einsamkeit der Baumwollfelder

Im Thalia Theater in der Gaußstraße hat Christiane Jatahy Bernard-Marie Koltès' In der Einsamkeit der Baumwollfelder inszeniert – und schafft mit einer Spielanordnung mit Unbekannten spannende Unklarheiten, findet Falk Schreiber.

Braunschweig, 17. September 2017: D. Schlingmann mit Haus der gebrochenen Herzen

Oft wird Bernard Shaws Endzeit-Konversationsstück Haus der gebrochenen Herzen von 1919 nicht gespielt. Nun hat Dagmar Schlingmann damit ihre Intendanz in Braunschweig eröffnet. Eine mutige Wahl, findet Michael Laages.

Saarbrücken, 17. September 2017: Der Nathan von Bettina Bruinier und Horst Busch

Am Saarländischen Staatstheater hat Bodo Busse Dagmar Schlingmann als Intendant abgelöst; das neue Schauspieldirektorium Bettina Bruinier und Horst Busch stellte sich nun mit der Lessing-Bearbeitung Nathan oder Das Märchen von der Gleichheit vor. Reingart Sauppe sah Gold.

Hamburg, 16. September 2017: Karin Beier serviert Tartare Noir

Was tun, wenn kein Fleisch mehr zu bekommen ist? Dann zerlegt der Metzger eben die Hausmeister. Das ist die Grundidee der Groteske Tartare Noir, die Karin Beier am Deutschen Schauspielhaus Hamburg nach Motiven von Thomas Peckett Prest ersonnen hat. Die Welt, ein Schlachthaus? Ganz so einfach ist das nicht, sagt Falk Schreiber.

Düsseldorf, 16. September 2017: Ellbogen von Fatma Aydemir uraufgeführt

Aktualitätsgesättigt erzählt Fatma Aydemir in ihrem Roman Ellbogen von Hazal und ihrem langen Weg der Selbstfindung. Jetzt hat Jan Gehler in Düsseldorf die Uraufführung inszeniert. Mit dabei: Gerhard Preußer.

Basel, 16. September 2017: Ulrich Rasche inszeniert Woyzeck

Und wieder heißt es Mensch gegen Maschine bei Ulrich Rasche, in seiner Woyzeck-Show am Basler Schauspielhaus. Claude Bühler hat Einwände.

Bielefeld, 16. September 2017: Das Knurren der Milchstraße von Bonn Park

Bonn Park hatte mit seinem Stück Das Knurren der Milchstraße beim Berliner Theatertreffen 2017 den Stückemarkt-Werkauftrag gewonnen. In seiner Urauffführungs-Inszenierung in Bielefeld ist auch das Publikum beteiligt. Kai Bremer machte tapfer mit.

St. Pölten, 16. September 2017: Alia Luque inszeniert Dantons Tod

Die Revolution hängt im Bühnenhintergrund – als Delacroix-Gemälde aus dem Jahr 1830. In Alia Luques Bildersturm-Inszenierung von Georg Büchners Dantons Tod dürfen sie es am Ende zertrümmern. Mehr von Martin Pesl.

Berlin, 15. September 2017: Yael Ronens mitreißender Gorki-Abend Roma Armee

Raus aus der Opferrolle, rein in die funkelnde Selbstbehauptung! Lasst uns Roma rebranden! Roma Armee, der neue Abend von Gorki-Theater-Gallionsfigur Yael Ronen ist eine grandiose Zumutung. Wenn sie mit ihrem Ensemble aus Roma und Rominja von der "Revolution der Nicht-Weißen" erzählt, regiert queerer Charme, glüht die Wut, pulsiert der Beat. Christian Rakow war berauscht.

Zürich, 15. September 2017: Tina Lanik mit Brecht/Weills Dreigroschenoper

Eine Rolltreppe führt ins Nichts im Bühnenbild von Tina Laniks Inszenierung der Dreigroschenoper. Darauf geht es meistens nett und ulkig zu. Bertolt Brecht hätte es gefallen, glaubt Christoph Fellmann.

Bern, 15. September 2017: Berns neuer Schauspielchef Cihan Inan mit Penthesilea

Erst Küsse, dann Bisse. Erst zarte Berührung, dann das Knie in die Magengrube. Was an Kampfes- und Liebeslust in Heinrich von Kleists Penthesilea durcheinandergerät, verwischt Cihan Inan in seiner Berner Inszenierung noch weiter. Mehr von Geneva Moser.

Berlin, 11. September 2017: Boris Charmatz' Volksbühnen-Eröffnung Fous de danse

Das Schicksal der Berliner Volksbühne ist seit mehr als einem Jahr das bestimmende Thema des Theaterbetriebs – über Berlin hinaus. Nun hat der umstrittene Volksbühnen-Neu-Intendant Chris Dercon seine Eröffnung vorgelegt – mit Fous de danse, einem Mitmach-Tanztheater von Boris Charmatz auf dem Tempelhofer Feld, umsonst und draußen. Dabei war Elena Philipp.

Wien, 11. September 2017: Leander Haußmanns Sommernachtstraum an der Burg

Um vier Tage wurde die Premiere verschoben. Als sich dann im Burgtheater der Vorhang öffnete zu Leander Haußmanns Shakespeare-Inszenierung Ein Sommernachtstraum, sah Gabi Hift eine Männerwirtschaft mit glorreichen Momenten.

Wien, 10. September 2017: R. Borgmann inszeniert paradies fluten von T. Köck

Thomas Köcks paradies fluten: verirrte sinfonie stößt uns in einen apokalyptischen Mahlstrom der Bilder und Assoziationen. Es geht um Ausbeutung, Raubbau an der Natur, Kolonialismus, und, na klar, das Ende der Welt. Am Akademietheater hat Robert Borgmann eine Expedition zu den letzten Dingen unternommen. Leopold Lippert war dabei.

Bonn, 10. September 2017: Bonnopoly von UIf Schmidt und  Volker Lösch

Volker Lösch hat einen der größten Skandale aufgegriffen, den Deutschlands Kommunalpolitik je produzierte. Die Vorgänge um einen 300-Millionen-Bau haben possenhafte Züge, stehen aber auch für raubtierkapitalistischen Ausverkauf. Bonnopoly serviert den Fall mit voller Wucht. Mehr von Dorothea Marcus.

Koblenz, 10. September 2017: Markus Dietze inszeniert König Lear

Shakespeares Drama vom verblendeten Patriarchen König Lear verhandelt das kleinkarierte Maß, das oft alle Ideale zunichte macht. Markus Dietze hat nun die Spielzeit mit der Familien- und Staatstragödie eröffnet. Shirin Sojitrawalla weiß mehr.

Wien, 9. September 2017: Anna Badora mit Iphigenie in Aulis / Occident Express

Erst dürstet das Volk nach Opfern, dann flieht es vor dem Krieg – so wird Euripides von Anna Badora weitergeschrieben in ihrer Inszenierung Iphigenie in Aulis / Occident Express. Soeren Voima und Stefano Massini liefern dazu die Teile, in denen sich die Flüchtenden an der türkischen Grenze drängen. Mehr über Badoras Antiken-Projekt von Veronika Krenn.

Hamburg, 9. September 2017: Stefan Pucher eröffnet die Saison mit Tartuffe

Unsere Welt ist inzwischen so durchinszeniert, dass wir das Echte vom Falschen gar nicht mehr unterscheiden können. Auf diese These (und die Musik von ABBA) baut Stefan Pucher seine Saison-Eröffnungsinszenierung am Thalia Theater: Tartuffe von Molière. Stefan Schmidt berichtet.

Naumburg, 9. September 2017: Ich, Uta animiert eine legendäre Steinstatue im Dom

Mit Ich, Uta des Berliner Autors Thomas B. Hoffmann steuert das Naumburger Theater seinen Beitrag zum Antrag aufs Unesco-Welterbe bei. In der Hauptrolle: Marie Nasemann, GNTM-Drittplatzierte und mittlerweile Schauspielerin. Mehr von Kornelius Friz.

Duisburg, 8. September 2017: Luc Perceval mit Teil 3 von Trilogie meiner Familie

Mit "Hunger" zeigt Luk Perceval bei der Ruhrtriennale den letzten Teil seiner "Trilogie meiner Familie". Zum Abschluss hebt er in der ehemaligen Gießerei eines Duisburger Stahlwerks zwei weitere Bände von Émile Zolas Romanchronik "Die Rougon-Macquart“ auf die Bühne. Martin Krumbholz hört es knirschen.

Solothurn, 3. September 2017: Katharina Rupp inszeniert Das heilige Experiment

1943 brachte der damalige Tapezierer Fritz Hochwälder Das heilige Experiment heraus. Der Text handelt vom Untergang des Jesuitenstaats in Paraguay. In den letzten Jahrzehnten wurde das Stück kaum gespielt. Nun gräbt Katharina Rupp es am Theater Biel/Solothurn wieder aus – und findet einen Schatz. Charles Linsmayer ist begeistert.

Stendal, 3. September 2017: Alexander Netschajew mit Sophokles' Antigone

Am Theater der Altmark inszeniert Intendant Alexander Netschajew Sophokles Antigone. Warum Hegel enttäuscht und Brecht angetan wäre, verrät Hartmut Krug.

Osnabrück, 2. September 2017: Das Festival Spieltriebe in Osnabrück

Zum siebten Mal finden in diesem Jahr die Spieltriebe, das Festival für zeitgenössisches Theater in Osnabrück statt. Nach dem gemeinsamen Auftakt bei einer Inszenierung teilt sich das  Publikum auf fünf Routen durch elf weitere Arbeiten aller Sparten auf. Kai Bremer begab sich auf die rote Route der Blutigen Erinnerungen.

Hannover, 1. September 2017: Medea von Franz Grillparzer am Staatstheater

Medea, die Fremde, die Liebende, die Rächerin – viel ist in sie hineingelesen worden, und der Mythos lebt immer weiter. In Franz Grillparzer Bearbeitung des Euripides-Stoffs als Psychogramm der Kindsmörderin. Am Schauspiel Hannover hat Tom Kühnel sie wiederum gegen den Strich gebürstet, mit Trachten-Kostümen vs. Sneakers und drei Medeas. Mehr von Jens Fischer.

Hamburg, 1. September 2017: 1984 nach George Orwell am Ernst Deutsch Theater

1984 von George Orwell erlebt in Trump-Zeiten eine Renaissance als Bestseller – auch Elias Perrig setzt in seiner Inszenierung am Ernst Deutsch Theater auf den Kurzschluss mit der Gegenwart, berichtet Katrin Ullmann.

Weimar, 29. August 2017: Die Revolution und ihre Enkel von ongoing project

Die DDR, was war das noch mal? Fragen wie dieser geht das dokumentarische Projekt Die Revolution und ihre Enkel von ongoing project beim Kunstfest Weimar nach. Mit Weimarer*innen aus drei Generationen, die singen, reden und sich erinnern. So jedenfalls steht's im Konzept. Gabi Hift weiß mehr.

Duisburg, 25. August 2017: Kein Licht. von Jelinek / Stemann / Manoury bei der Ruhrtriennale

Elfriede Jelineks Stück entstand 2011 nach dem atomaren Gau im japanischen Fukushima Seitdem wurde es viel gespielt und vor allem fortgeschrieben. Bei der Ruhrtriennale hat Jelinek-Exeget Nicolas Stemann gemeinsam mit dem Komponisten Philippe Manoury nun Kein Licht. als sattes Musiktheater-Denkspiel in der Duisburger Gebläsehalle installiert. Andreas Wilink berichtet.

Weimar, 25. August 2017: Malalai - die afghanische Jungfrau von Orleans nach Schiller

Letztes Jahr gab es Probleme mit der Einreise der afghanischen Gastkünstler, also ist Malalai - die afghanische Jungfrau von Orleans erst beim diesjährigen Kunstfest Weimar herausgekommen. Robert Schuster stellt Schiller in einen deutsch-französisch-israelisch-afghanischen Echoraum, Michael Laages sagt, wie es hallt.

Darmstadt, 25. August 2017: Christoph Mehler mit Caligula von Albert Camus

Albert Camus' Frühwerk Caligula wird derzeit wiederentdeckt. Christoph Mehler hat das Tyrannen-Psychogramm nun am Staatstheater Darmstadt inszeniert – und sich aktualisierender Anspielungen weitgehend enthalten, berichtet Shirin Sojitrawalla.

Berlin, 24. August 2017: Dorothée Munyanezas Antikriegs-Tanz-Stück Unwanted

Hunderttausende Menschen fielen vor 23 Jahren dem Völkermord in Ruanda zum Opfer. Außerdem wurden hunderttausende Frauen vergewaltigt, in ihnen und in ihren Kindern lebt das Trauma weiter. Die ruandische Tänzerin und Sängerin Dorothée Munyaneza hat nun aus einigen dieser Schicksale ein Stück gemacht. Unwanted gastierte bei Tanz im August – mehr von Elena Philipp.

Oldenburg, 24. August 2017: Utøya von Edoardo Erba zuerst auf Deutsch

Utøya von Edoardo Erba nimmt nicht Anders Breivik, sondern die Geschichten der von seinen Terroranschlägen Betroffenen in den Fokus. Peter Hailer hat die deutschsprachige Erstaufführung des Stücks inszeniert – Jens Fischer berichtet.

Salzburg, 21. August 2017: Simon Stone inszeniert Lear von Aribert Reimann

Auch im wirklichen Leben starren wir ja lustvoll schaudernd auf Tun und Twittern der Bösewichte auf der Weltbühne. Das Theater liebt diese Figuren erst recht: Shakespeares furchbaren König Lear zum Beispiel, dem Aribert Reimann eine berühmte Oper gewidmet hat. Bei den Salzburger Festspielen hat Simon Stone jetzt das Werk inszeniert. Zur Begeisterung von Reinhard Kriechbaum.

Weimar, 20. August 2017: Camera Obscura :: Lenz von Bernhard Mikeska

Die Gruppe Verein für Raum und Zeit um Bernhard Mikeska schickt einzelne Zuschauer beim Weimarer Kunstfest auf einen Audio-Walk durch die Stadt. In Camera Obscura :: Lenz geht es um das schwierige Verhältnis zwischen den Stürmern und Drängern Lenz und Goethe. Und um eine rätselhafte Begegnung in Hitlers Lieblingshotel. Sascha Westphal ist beeindruckt.

Salzburg, 18. August 2017: Athina Rachel Tsangari mit Lulu bei den Salzburger Festspielen

Ihre erste Theater-Inszenierung überhaupt realisiert die griechische Film-Regisseurin Athina Rachel Tsangari gleich bei den Salzburger Festspielen. Frank Wedekinds Lulu: mit großer Schauspieler-Besetzung und einer Bühnengröße, die sie bestens bewältigt. Mehr von Reinhard Kriechbaum.

Semmering, 18. August 2017: Die Friederike-Mayröcker-Uraufführung OPER!

Im vergangenen Sommer war eine Inszenierung des Musikwissenschaftlers und Radiomoderators Otto Brusatti so erfolgreich, dass er auf dem Semmering weitermacht und Friederike Mayröckers OPER! zur Uraufführung bringt, und zwar mit viel Ehrfurcht. Mehr von Martin Pesl.

Hamburg, 17. August 2017: The great Outdoors beim Kampnagel-Sommerfestival

Streit, Hass, Verzweiflung: In den Kommentarspalten von Internetseiten geht es oft turbulent zu. Die US-amerikanische Künstlerin Annie Dorsen entführt das Publikum des Internationalen Sommerfestivals Kampnagel mit The great Outdoors in die unendlichen Weiten des WWW. Falk Schreiber berichtet.

Salzburg, 12. August 2017: Horváths Kasimir und Karoline von 600 HIGHWAYMEN

Muss man Ödön von Horváths erfolgreichstes Volkstück Kasimir und Karoline zeitgenössich überschreiben? Abigail Browde und Michael Silverstone, also 600 HIGHWAYMEN, argumentieren mit Horváth selbst und  finden: ja. Für ihre Inszenierung bei den Salzburger Festspielen haben sie 23 (Halb-)Laien gecastet, die dem Text auf die heutigen Sprünge helfen sollen. Mehr von Reinhard Kriechbaum.

Hannover, 12. August 2017: Lars-Ole Walburg mit Indien nach J. Hader + A. Dorfer

Mit dem Film Indien über eine ungleiche Männerfreundschaft wurden Josef Hader und Alfred Dorfer 1993 berühmt. Jetzt hat Hannovers Intendant Lars-Ole Walburg das bissige Stück als Freilicht-Sommerbespaßung inszeniert. Mit dabei: Kornelius Friz.

Hamburg, 11. August 2017: Tania Bruguera inszeniert Samuel Becketts Endgame

Die kubanische Künstlerin Tania Bruguera ist dafür bekannt, dass sie die Zuschauer in ihre Arbeiten integriert. So auch in das spektakuläre Bühnenbild ihrer ersten Theaterarbeit: Endgame von Samuel Beckett. In dem die Befehlsverweigerung des Dieners Clov besondere Bedeutung gewinnt. Mehr über ihre Inszenierung, die beim Sommerfestival auf Kampnagel gastiert, von Falk Schreiber.

Reichenau / Rax, 11. August 2017: Mario Wurmitzers Werbung Liebe Zuckerwatte

Unter dem Label Salon5 bestreiten Anna Maria Krassnigg und Christian Mair seit 2015 das Festival am Thalhof. Dort wendet Krassnigg ihr Format der Kinobühnenschau nun auf Mario Wurmitzers Werbung Liebe Zuckerwatte an, und zwar durchaus mit Gewinn, findet Martin Pesl, der einen Post-Meta-Horváth mit Gaga-Charme sah.

Salzburg, 9. August 2017: Alban Bergs Wozzeck von William Kentridge inszeniert

William Kentridge ist bekannt für bildgewaltige und politische Inszenierungen. Nun bringt er Alban Bergs Oper Wozzeck bei den Salzburger Festspielen auf die Bühne. Seine eigenwillige Interpretation des Büchner-Stoffs wirft Fragen auf. Thomas Rothschild berichtet.

Salzburg, 7. August 2017: Shirin Neshat inszeniert Verdis Aida mit Anna Netrebko

Die Iranerin Shirin Neshat ist vor allem für ihre Installationen, Fotografien und ihren Film "Women Without Men" bekannt. Nun inszeniert sie bei den Salzburger Festspielen erstmals eine Oper: Verdis Aida. Die große Anna Netrebko singt, bekommt an diesem Abend aber stimmgewaltige Konkurrenz von einer Kollegin. Thomas Rothschild berichtet.

Reichenau / Rax, 5. August 2017: Am Ende eines kleinen Dorfes beim Thalhof Festival

Die Geschichte einer weiblichen Selbstermächtigung steckt in Marie von Ebner-Eschenbachs "Die Totenwacht" von 1894: Eine junge Frau wehrt sich gegen ihren einstigen Vergewaltiger. Anna Maria Krassnigg hat die Novelle jetzt unter dem Titel Am Ende eines kleinen Dorfes bei ihrem Thalhof-Festival in Reichenau an der Rax inszeniert. Mit dabei: Veronika Krenn.

Worms, 5. August 2017: Nuran David Calis mit Glut von Albert Ostermeier

Wenn man als Festival einem einzigen Stoff verpflichtet ist,  muss man sich jedes Jahr einen neuen Dreh einfallen lassen. 2017 schicken die Nibelungenfestspiele Siegfried und Konsorten in Glut nach Arabien. Regisseur Nuran David Calis lässt sie im Wüstensand spielen. Was das soll? Harald Raab weiß mehr.

Wien, 4. August 2017: Christine Gaiggs Clash über die Folgen des Orlando-Attentats

49 Tote, 53 Verletzte, das war die Opferbilanz des Attentats im Nachtclub Pulse in Orlando, Florida 2015. War der Hintergrund islamistisch oder homophob? Protagonist*innen der Gay Community lässt Christine Gaigg in ihrem Bühnenessay "Clash" auftreten, um über Homophobie und queere Kunst zu reflektieren. Aus Wien berichtet Veronika Krenn.

Salzburg, 30. Juli 2017: Karin Henkel mit Gerhart Hauptmanns Rose Bernd

"Future is a fucking nightmare" steht in Frakturschrift auf der Bühne, und harte Sprache ist den Zukunftskämpfen der Figuren körperlich tief eingesickert in Karin Henkels Inzenierung von Rose Bernd. Inmitten: Lina Beckmann als potentielle Kindmörderin. Henkel und Beckmann – ein Dream-Team, mehr von Martin Pesl über den Abend.

Salzburg, 29. Juli 2017: Harold Pinters Die Geburtstagsfeier von Andrea Breth inszeniert 

Die Geburtstagsfeier ist natürlich gar keine. Die Sause, die Harold Pinter in seinem berühmten Stück veranstalten lässt, besteht aus roher Gewalt. Bei den Salzburger Festsielen hat die meisterliche Andrea Breth nun den existenziellen Abgründen des Dramas nachgespürt. Martin Pesl berichtet.

 

Naumburg, 8. September 2017. Mit Ich, Uta des Berliner Autors Thomas B. Hoffmann steuert das Naumburger Theater seinen Beitrg zum Antrag aufs Unesco-Welterbe. In der Hauptrolle: Marie Nasemann, GNTM-Drittpaltzierte und mittlerweile Schauspielerin. Mehr von Kornelius Fritz.