Nur noch alle zwei Jahre?

1. Juni 2010. Wie im nachtkritik-krisometer in den vergangen Monaten verschiedentlich beobachtet, wirkt sich die Finanzlage der Kommunen zunehmend auf den Kulturbereich aus. So auch in Mülheim an der Ruhr. Wie der Mülheimer Kulturdezernent Peter Vermeulen (CDU) in einem Filmbeitrag von Matthias Weigel für nachtkritik-stuecke2010.de sagt, wird ob der städtischen Finanzlage derzeit auf politischer Ebene auch die Zukunft der renommierten Mülheimer Theatertage "Stücke" diskutiert.

Einmal jährlich wird an der Ruhr im Rahmen des Festivals ein Wettbewerb um den Mülheimer Dramatikerpreis ausgerichtet; der Preis gilt im deutschsprachigen Raum als eine der wichtigsten Auszeichnungen für Theaterautoren überhaupt. Es gebe aktuell einen Antrag, der danach frage, ob man die Theatertage "auch alle zwei Jahre durchführen" könne, so Vermeulen. "Das wird politisch beraten werden, was da sinnvoll ist und was nicht sinnvoll ist."

Stimmen, die die Haushaltslage der Stadt und also die Kürzungen im Kulturbereich in Verbindung mit dem städtebaulichen Prestige-Projekt "Ruhrbania" bringen (das der Filmbeitrag vorstellt), möchte er sich nicht anschließen. "Dass wir an der Ruhr auch die Stadt zeigen wollen", sei "ein vernünftiges städtebauliches Ziel". Dieses werde "mit privaten Investoren" verfolgt. "Insofern vermag ich nicht zu erkennen, dass da jetzt ein Zusammenhang mit der aktuellen Finanzsituation der Stadt ist."

Vermeulen hatte das heikle Thema bereits Mitte März auf der Pressekonferenz zur Verkündung der Mülheim-Auswahl angesprochen, wie u.a. das Portal Der Westen berichtete. Den "Stücken" drohe im Kinder- und Rahmenprogramm eine Kürzung von rund 70.000 Euro. Für ihn sei es zwar "leidvoll", zitiert Der Westen den Kulturdezernenten, dass man nun Wertungen vornehmen müsse, "für die eine oder die andere Sparte. Aber ich komme nicht darum herum."

Festivalleiter Udo Balzer-Reher hingegen sieht bei Kürzungen des "Stücke"-Etats für die Stadt kaum Einsparpotenzial. Der Gesamtetat beträgt rund 600.000 Euro, wovon 220.000 Euro das Land und 125.000 Euro der Bund bestreiten. Weitere Fördergelder kommen von der Stinnes-Stiftung, während der Eigenanteil des städtischen Kulturbetriebes sich auf 250.000 Euro beläuft. Dazu komme noch einmal die gleiche Summe für Miete und Technik. "Sie sehen, dass wir nur sehr beschränkt fähig sind, den Haushalt der Stadt Mülheim zu retten", so Balzer-Reher auf der Pressekonferenz.

(nachtkritik-stuecke2010.de / Der Westen / ape)

 

 
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