Ministerin unterschreibt gegen Schließung

Halle, 18. Oktober 2010. Wie die Mitteldeutsche Zeitung (19.10.2010) berichtet hat auch Birgitta Wolff, Sachsen-Anhalts Kultusministerin, die Unterschriftenliste für den Erhalt des Thalia Theaters Halle unterzeichnet.

Bei einer Podiumsdiskussion über die Bildungs- und Wirtschaftspolitik sagte die Ministerin gestern in Halle: Sie verstehe, dass sich der Träger des Theaters auch angesichts sinkender Zuschauerzahlen etwas überlegen müsse. Doch man könne hier nicht solche Überraschungsangriffe starten. "Ich erwarte, dass das professioneller läuft, dass man die Kriterien offen legt."

Wolffs CDU-Parteifreund und Wirtschaftsminister Reiner Haseloff sprach davon, dass ein "dauerhaftes kontinuierliches Theater-Angebot vor Ort" bewahrt werden müsse. Dies zähle zu den "weichen Standortfaktoren, ohne die uns keine neuen Ansiedlungen gelingen". Auch diese Äußerung des Wirtschaftsministers könne man, findet die Mitteldeutsche Zeitung, als Rückenstärkung für die Thalia Theater-Leute verstehen.

Große Parteien drücken sich

Derweil streiten, nach einem Bericht auf dem web-mz.de der Mitteldeutschen Zeitung (17.10.2010), die Hallenser Politiker weniger über die Sinnhaftigkeit der angekündigten Schließung des Kinder- und Jugentheaters als über Zuständigkeiten.

Während die FDP für den Schließungsbeschuss ist, kann sich die CDU vorstellen, für die Schließung zu votieren. Die SPD setzt auf den angestrebten Haustarifvertrag und findet ansonsten, die GmbH müsse ihre Angelegenheiten selbst regeln.

Die Linke will wenn schon nicht die Spielstätte Thalia, so doch das Ensemble erhalten und glaubt nicht an die Tragfähigkeit eines Haustarifvertrags.

Die Fraktion Mitbürger/ Neues Forum fordert wegen der Tragweite einer Schließungs-Entscheidung jedenfalls den Stadtrat an der Diskussion zu beteiligen, weil es satzungsmäßig nicht angehe, dass Oberbürgermeistern und der übrige Aufsichtsrat alleine über eine Schließung entschieden. Der Fraktionschef Tom Wolter sagte, zwar bejahe er strukturellen Veränderungen bei den Spielstätten. Doch vor Schließungen müsse man andere Möglichkeiten prüfen.

Kategorisch gegen das Vorgehen der Oberbürgermeisterin und des aufsichtsrats sprechen sich Bündnis 90/Die Grünen. "Der Gesellschaftsvertrag bestimmt, dass bei einer Schließung von Geschäftszweigen der Stadtrat zustimmen muss", sagt Fraktionschef Dietmar Weihrich. Er werde gegen den Beschluss des Aufsichtsrats vorgehen, weil er in Rechte des Rats eingreife.

Proteste im Internet

Bis zum Dienstagmittag (19.10.2010) haben sich bereits rund 9000 Menschen einer Internet-Petition gegen die Schließung angeschlossen. In einem offenen Brief an Sachsen-Anhalts Kultusministerin Birgitta Wolff (CDU) fordern sie "eine offene und gerechte Debatte" über den weiteren Betrieb des einzigen Kinder- und Jugendtheaters im Land. Der Beschluss über die Schließung müsse rechtlich geprüft und die Besucherzahlen offen gelegt werden.

Thalia-Intendantin Annegret Hahn würde am liebsten die Budgetmittel, die das Thalia in die Theater GmbH eingebracht hatte, nehmen und sich wieder selbständig machen: "Wir sind an deren Defiziten nicht schuld, haben unsere Einspielergebnisse gebracht."

(jnm)

 

 

 

 
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