Boden und Substanz

Berlin, 6. Dezember 2011. Der Schauspieler und Theatermacher Gerd Michael Henneberg ist am Neujahrstag im Alter von 88 Jahren gestorben, wie unter anderen die Süddeutsche Zeitung meldet. Der gebürtige Magdeburger stand seit seinem sechzehnten Lebensjahr auf der Bühne. Ab Mitte der siebziger Jahre war er für mehr als zwei Jahrzehnte festes Ensemblemitglied am Berliner Maxim-Gorki-Theater. In über 400 Vorstellungen spielte er in Rolf Winkelgrunds Inszenierung "Einer flog über das Kuckucksnest" den Patienten Scanlon.

Als Theaterintendant wirkte Henneberg am Friedrich-Wolf-Theater in Neustrelitz. Nach dem Tod von Heinrich Allmeroth wechselte er im Februar 1962 als Generalintendant ans Staatstheater Dresden. Nachdem Inszenierungen verschiedener zeitgenössischer Stoffe von der SED-Presse stark kritisiert worden waren, musste er sich im Oktober 1965 öffentlich rechtfertigen und zugeben, dass das Schauspielhaus "keinen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der sozialistischen Dramatik geleistet habe", kein sozialistischer Autor mit dem Ensemble verbunden sei und Dresden gegenüber anderen DDR-Bühnen an "Boden und Substanz" verloren habe. Im Februar 1966 wurde Henneberg durch den Chemnitzer Generalintendanten Hans Dieter Mäde ersetzt, woraufhin er als Intendant nach Neustrelitz (1966-1968) zurückkehrte und den zwischenzeitlich eingesetzten Julius Theurer ablöste.

Neben der Theaterarbeit wirkte Henneberg an mehr als sechzig Kino- und Fernsehfilmen mit, vor allem in markanten Nebenrollen. Seiner schneidenden Stimme entsprechend wurder er oft als Nazi-General, Vertreter des Großbürgertums, Adliger und strenger Beamter eingesetzt. Mehrfach trat er auch im "Polizeiruf 110" auf.

(SZ / geka)

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