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Chaos in Köln: Wird Uwe Eric Laufenberg Generalintendant?

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Keinerlei Gespräche

22. Februar 2011. Meldungen verschiedener Medien zufolge soll der Kölner Opernchef Uwe Eric Laufenberg nach dem Wechsel von Karin Beier nach Hamburg auch die Leitung des Schauspielhauses übernehmen. Informationen der Westdeutschen Zeitung zufolge hat der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters als Zeitpunkt für den Start von Laufenbergs Generalintendanz bereits den September 2012 geplant. Karin Beiers Vertrag mit Köln endet jedoch erst 2014. Die Hamburger Intendanz soll sie bereits zu Beginn der Spielzeit 2013/14 antreten. Zurzeit werde mit ihr über eine einvernehmliche Lösung über die restliche Laufzeit ihres Vertrages verhandelt, zitiert die WAZ den Kölner OB Jürgen Roters.

"Man hat mich gebeten, die Generalintendanz zu übernehmen, um die drei Jahre Interimszeit gut über die Bühne zu bringen", sagte Laufenberg heute dem Kölner Boulevardblatt Express. "Während der Sanierungsphase macht es Sinn, Kräfte und Kosten zu bündeln, um 2015 zurück zu kehren. Dann braucht das Schauspiel einen eigenen Intendanten!" Karin Beier habe er angeboten, sie könne wenn sie bereit wäre, in dieser Konstellation zu bleiben, "so viel inszenieren, wie sie wolle." Beier habe jedoch geantwortet: "Warum soll ich hier inszenieren, wenn ich nicht mehr Intendantin bin, dann kann ich auch an die Wiener Burg gehen." Radio Köln zufolge hat Karin Beier allerdings heute nachmittag die Möglichkeit ins Spiel gebracht, dass sie doch dauerhaft in Köln bleiben und nicht nach Hamburg wechseln könnte.

Inzwischen ließ Karin Beier jedoch durch die Pressereferentin des Schauspiel Kölns dementieren, ihr Wechsel nach Hamburg stehe noch in irgendeiner Form in Frage. Vielmehr hätten sie die abenteuerlichen Ereignisse des heutigen Tages darin bestärkt, der Stadt Köln den Rücken zu kehren. Verhandlungen über die Modifizierungen ihres Kölner Vertrags hätten bislang nicht statt gefunden. Bis zum heutigen Tag habe es keinerlei Gespräche, nicht einmal eine Information über den Plan einer möglichen Generalintendanz ab der Spielzeit 2012/13 gegeben.

(sle)

 

 

Presseschau

Gestern (22.2.2011) erschienen die ersten Meldungen zu Plänen der Kölner Kulturpolitik, die Leitung von Oper und Schauspiel während der Sanierungsphase bis 2015 in einer Generalintendanz unter Uwe Eric Laufenberg zusammenzulegen. Heute geht der Kölner Stadt-Anzeiger (23.2.2011) der Causa nach. Laufenberg stelle in Aussicht, die Kosten für die Ausweichspielstätten (bislang auf 41 Millionen Euro veranschlagt) um bis zu 20 Prozent zu senken. Während die Oper, wie von Laufenberg zuletzt lautstark gefordert, in den Musical Dome ziehen solle, könne die Interimsstätte des Schauspiels, die Expo XXI, aufgegeben werden. "Wie wäre es denn mit einem Unterwegskonzept fürs Schauspiel? Es gibt ja noch die Halle Kalk - und dazu kämen tolle, neue, interessante Räume", zitiert der Kölner Stadt-Anzeiger den derzeitigen Leiter der Kölner Oper Laufenberg. Die Kölner Oper sei "in den vergangenen 15 Jahren systematisch zugunsten des Schauspiels ausgeblutet worden", habe Laufenberg gegenüber dem Blatt erklärt. Gleichzeitig erneuerte er seine Rücktrittsdrohung. Er brauche eine "Beschlussvorlage bis zur Ratssitzung am 1. März. 'Ansonsten bleibt mir nur meine Kündigung. Die Oper ist in Planungsnot.'"

Karin Beier lehnte es unterdessen ab, bereits 2012 aus der Leitung des Schauspiels Köln auszuscheiden. Sie wolle den Umzug ins Ausweichquartier begleiten. Widerstand gegen die Idee der Generalintendanz regt sich bei den Grünen, dem Koalitionspartner der SPD. Auch Kulturdezernent Georg Quander (parteilos) sieht exzellente Positionierung von Oper und Schauspiel in Gefahr. "Köln hat einen großen Ruf zu verspielen", sagt er.

In einem Kommentar zur Sache weist der Theaterkritiker Christian Bos vom Kölner Stadt-Anzeiger die mögliche Generalintendanz als "eine katastrophale Entscheidung" zurück. "Wie kann man nur die erfolgreichste Intendantin in der Geschichte der Stadt freiwillig ein Jahr früher ziehen lassen?" Laufenbergs Aussage, die Oper "habe 15 Jahre lang fürs Sprechtheater bluten müssen", sei "die Sicht eines bockigen Opernintendanten. Man sollte ihn nicht zum Gärtner des Theaters machen." Andernfalls drohe das "Schauspiel in die künstlerische Bedeutungslosigkeit zurückgeführt zu werden. Es ist an der Zeit, aufzuschreien."

 

Für nachtkritik.de kommentierte Dina Netz am 23. Februar das Kölner Chaos.

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Kommentare

Kommentare  
#1 Chaos in Köln: typischinsider 2011-02-23 00:02
typisch kölscher klüngel!!!
#2 Chaos in Köln: kleinlich und provinziellTheatergängerin 2011-02-23 00:48
Typisch Kölner Wahnsinn und Schwachsinn. Anstatt dafür zu sorgen, daß es einen geordneten Übergang gibt, wird hier kleinlich und provinziell gehandelt. Es ist zu erwarten, daß Köln wieder in der Versenkung verschwindet, ist Frau Beier erstmal weg.
#3 Chaos in Köln: Theater ist wie Fußball123 2011-02-23 01:35
Nach Jahren ist es endlich soweit: Theater ist wie Fußball ! Da werden Leute mies ausgebotet, die schon auf dem Dach des Stadions standen, bereit herunterzuspringen und andere werden mit Millionen, ja, Millionen abgeworben. Die städtischen Kulturvereine konkurieren unter einander um die Stars und Torjäger, Theater oder Fußballer des Jahres, was soll´s noch...und überall wo ein kleines Machtvakuum gerissen wird, drängen die B-Promis der Theaterbetriebe aggressiv nach. Verträge gelten nur etwas, wenn die Tore, sprich der Erfolg stimmt und in Köln verunglimpft man auch schon mal eine Torjägerin, weil sie schon heute einen Anschlussvertrag hat, der unter widrigen Umständen zustande kam. Schlimmer geht´s in der freien Marktwirtschaft auch nicht zu.
#4 Chaos in Köln: ein Jahr mehr Karin Beier wäre erfreulichkölsch 2011-02-23 02:42
Wie können Herr Laufenberg und die Stadt nur so kleinmütig sein.Zu glauben jetzt wäre der Zeitpunkt zur Rache gekommen "die Beier,die soll nicht glauben sie kriegt alles was sie will,nein ,nein,wir können auch anders!" Oh, Gott!(...)!Es könnte und sollte doch um die Qualität von Theater gehen und ein Jahr mehr Karin Beier das wäre doch sehr erfreulich für Köln. (...).
#5 Chaos in Köln: passt wunderbarhans otto 2011-02-23 11:46
laufenberg und köln passen zwar wunderbar zusammen, ob sie theater können darf aber bezweifelt werden. köln war ohne beier maximal zweite liga, laufenberg in potsdam auch nicht mehr und intrige ist zwar boulevardtauglich in presse und theater - mehr aber auch nicht. bleibt zu wünschen, dass sich die stadt köln noch im schattenspringen übt und eine geeignete(!) nachfolge für frau beier findet. zeit genug hat sie ja eigentlich.
#6 Chaos in Köln: für den Karnevalswagen geeignet123 2011-02-23 14:31
Wer heute den Koelner Stadtanzeiger liest kann nur so resümieren: Laufenberg (...) möchte gerne an der Interimsspielstätte des Schauspiels sparen und das Schauspielensemble ein wenig in der Stadt herumschicken, von einem Ort zum Anderen, sozusagen... (...) ich schlage vor, dass Laufenberg auch auf den Karnevalswagen kommt,...so in einer Haltung, wie er Frau Beier gerade in den Allerwertesten tritt, während sie barbusig um die Kultur kämpft...und aus dem Mund von Frau Beier bitte ein Spruchband: Ich kann auch an die Wiener Burg gehen !
#7 Chaos in Köln: eine Flanke gebotenArkadij Zarthäuser 2011-02-23 14:43
Also, so doll ist es um die Theaterlandschaft wirklich nicht bestellt, siehe Akzeptanzproblem und Schließungsdrohungen gerade in NRW, als daß man sich hier solchen Hick-Hack leisten könnte.
§ 5 spricht es aus, was auch ich denke: Zeit genug hätte die Stadt,
ua. sich auch ein bißchen in der Nachbarschaft umzutun: in Düsseldorf wird es "frischen Wind" geben, und angesichts solcher Entwicklung die Zeit zurückdrehen zu wollen, am besten noch, indem Herr Laufenberg dann doch noch versucht seine (vage kalkulierbaren) Neubaupläne durchgesetzt zu bekommen, ist schlichtweg als verantwortungslos zu bezeichnen: als
Nachkarten geradezu.

Leider muß sich auch Frau Beier, denke ich, den Einwand gefallen lassen, diesen Entwicklungen eine Flanke geboten zu haben, erst recht, wenn es so sein sollte, daß gerade in Köln dergleichen hemmungslos ausgenutzt zu werden pflegt; sie sendete schon verwirrende Signale zwischen "Ärztin ohne Grenzen", "Plötzlicher Chefin in HH" und einer Frau, die das, was sie in Köln auf den Weg gebracht hat, auf eine solide tragfähige Bahn zu bringen, die dann auch ihren Weggang gut verkraften könnte, beabsichtigt.
Letzteres bis zum plangemäßen Weggang nach HH in Angriff zu nehmen,
sollte man Frau Beier angesichts ihrer Leistungen nicht verwehren:
ich hoffe, es ist dafür noch nicht zu spät, hoffe deswegen, weil ich Frau Beier für eine gute Intendantin halte (die man aber auch zermürben könnte, wenn man es auf garnichts Anderes anlegt und jedes Wort auf die Goldwaage legt: das Bild von der "Ärztin ohne Grenzen" belegt, wenn man ein wenig darüber nachsinnt, doch mehr,
daß sich eine Theatermacherin hier als noch nicht "festgefahren"
beschreibt/zeigt, etwas von ihrer Fähigkeit zum Entwurf durchschimmern läßt, auch etwas von ihrer Verletzlichkeit andeutet): nichts gegen die "Ärzte ohne Grenzen": Theaterfreundinnen und Theaterfreunde sollten dennoch ein Interesse daran haben, diese Intendantin als Intendantin nicht zu "beschädigen", selbst wenn sie sich hier und da menschlicher regt,
als der Betrieb es offenbar zuzulassen scheint. Der Betrieb !! Wie sonst kommt es zu den Komplikationen um "Verrücktes Blut" ?? "Ruhig Blut" - Karneval- Ostern: das sollte man in Köln jetzt ersteinmal zünftig genießen bzw. Besinnung finden in der Passionszeit, anstatt der allgemeinen Hektik noch eine spezielle hinzu-
zufügen..
#8 Chaos in Köln: Rita Thiele wäre geeignetclaus peymann 2011-02-23 15:54
warum bleibt nicht einfach rita thiele in köln und wird endlich verdientermassen und ihren fähigkeiten rechnung tragend intendantin - (...) laufenberg sollte eine operettenbühne in niederbayern gründen und dort bleiben!
#9 Chaos in Köln: Bin für Leistungsgesellschaftoperette 2011-02-23 19:08
eine operettenbühne für lauffenberg ist wirklich sehr wünschenswert,dass könnte uns dieses beschämende und wirklich niederträchtige theater ersparen, das jetzt mit einer generalintendanz des künstlerisch außerordentlich erfolglosen l. enden soll.ich bin für leistungsgesellschaft anstatt karnevalsklüngel.
#10 Kölner Chaos: Und morgen in Schweinfurt 110 2011-02-23 20:10
Danke Claus Peymann. Sie haben vollkommen recht. Ich fände Schweinfurt einen schönen Ort für Laufenberg. (...)
Herr Roters soll (...)und sich in Zukunft bedeckt halten, wenn es um die Planung großer Projekte geht.
Das Schöne an der ganzen Sache ist, daß Frau Beier auch diese Runde gewinnen wird. Und am Ende wird Laufenberg nicht einmal in Schweinfurt genommen werden. Neurose macht dumm, sagte schon Sigmund Freud seinerzeit.
#11 Kölner Chaos: Thiele! Thiele!Susanne Peschina 2011-02-23 20:29
Name dropping schadet zwar meist der Kanditatin. Aber ich möchte mich trotzdem dem Statement 8 anschließen: Rita Thiele war schon in Wien eine sehr umtriebige,kreative und fundierte Dramaturgin. Es wäre eigentlich wirklich an der Zeit, dass sie die 2. Reihe verlässt um in einer 1. Position zu starten.
#12 Kölner Chaos: bloß keine Namen!123 2011-02-23 23:19
@11. Unsinn. Man nennt jetzt einfach noch keine Nachfolgerin. Die Dame Beier ist noch im Amt. SIND SIE POLITIKER/IN ?
#13 Kölner Chaos: unbedingt Namen nennen!Theatergängerin 2011-02-24 00:35
Natürlich kann man Namen nennen!!!! Man muss sogar. Wann soll man denn sonst planen können? Nur, weil ein Intendant noch im Amt ist,heißt das nicht, daß man nicht einen Nachfolger suchen darf. Und öffentlich darüber debattiert. Was daran Unsinn sein soll, was Susanne Peschina geschrieben hat, verstehe ich nicht.
#14 Kölner Chaos: Bedauern und Beschämungkölnerin 2011-02-24 01:11
als kölnerin bedauere ich den weggang von frau beier.okay,ich kauf mir ne bahncard und komme nach zu den vorstellungen.neben bedauern ist aber vor allem beschämung. beschämung über das abgrundtief provinzielle geklüngel der hiesigen stadtpolitiker. gerade mal mit spannendem und innovativem theater hat es beier geschafft, dem kölner schauspiel präsenz zu geben, es zu einer wieder angesehenen bühne deutschlands zu machen, eben strahlkraft über die grenzen der stadt köln hinaus. das alles nun unter herrn laufenberg wieder in frage zu stellen. peinliches,kleinliches geklüngel.
#15 Kölner Chaos: Vorschlag123 2011-02-24 01:59
Gut, Laufenberg wollte bis vor wenigen Tagen noch sein Amt hinschmeißen. Kann man ja verstehen. Ich würde den jetzigen Intendanten aus Basel vorschlagen für seine Position, ein guter Mann, kann ich aus persönlicher Erfahrung belegen,...ist also ab heute jeder sofort und auf der Stelle disponabel, der ein Anschlussangebot bekommt ?!
#16 Kölner Chaos: interessanter Vorschlagclaus peymann 2011-02-24 10:57
lieber 123, sie meinen herrn delnon als generalintendant? interessanter vorschlag... basel ist ein sehr interessantes haus im moment, sowohl in oper als auch im schauspiel.
#17 Kölner Chaos: Wiener MethodenSusanne Peschina 2011-02-24 11:13
@13 Möglicherweise gibt es ja Kulturkreisunterschiede zwischen Köln und Wien. In Wien wird oft die Diskussion um einen (Schein)-Kanditaten,dessen Name lanciert wiurde, dazu genutzt, die Neugier und Diskussionsfreude der Medien, Interessierten und Adabeis zu befriedigen. Es erfolgt dann wie bei einem Brainstorming allerlei Nützliches, Kritisches etc. was immer mit dem lancierten Namen in Verbindung gebracht wird. Um dann das von den Medien und Zusehern Erwünschte herausstreichend einem anderen Kanditaten zuzuschreiben.

Der letzte Fall solcher Vorgangsweise war in Wien Martin Kusej. Auch Elisabeth Schwegler wurde in der Bachler-Nachfolge ähnlich benutzt.
#18 Kölner Chaos: Nachfolge Laufenberg gesucht 123 2011-02-24 14:21
@claus. Na, wie die Lage heute mittag aussieht, geht es ja wohl demnächst akut erst mal um eine Nachfolge Laufenberg und die könnte für die Oper doch Delnon heißen. - Frau Beier ist in Köln nicht das Problem und ihre Nachfolge wird sich zur rechten Zeit regeln lassen. Herr Laufenberg droht doch seit einiger Zeit mit seinem Weggang. An der Stelle brennt es viel mehr.
#19 Kölner Chaos: Langhoff und Hillje nach Kölnclaus peymann 2011-02-24 15:05
wie wärs, wenn jens hillje und shermin langhoff einfach köln übernehmen?
#20 Kölner Chaos: Spaßterrorismus Bomb the Bass 2011-02-24 16:33
#21 Kölner Chaos: zu ernst genommen110 2011-02-24 16:37
Meine Favoriten als Nachfolger sind 1.)Rita Thiele und 2.)Die Geschwister Carp. Langhoff/Hillje sind keine ernsthaften Kandidaten. Nur, weil die jetzt in der Naunynstraße Emigranten-Theater, was zur Stunde gut ankommt (und bestimmt auch sehr interessant ist), bedeutet es nicht, daß man qualifiziert ist ein "Schlachtschiff", wie das Kölner Schauspielhaus zu führen.
#22 Kölner Chaos: Wider die SpaßterroristenTheatergängerin 2011-02-25 15:33
@Bomb the Bass Ein Hoch auf das Bildungsbürgertum!!!!!!!!!

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