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Meldung: Der vorerst letzte Akt

Köln, 1. März 2010. Wie der Kölner Stadt-Anzeiger (1.3.2011) auf seiner Webseite berichtet, hat der Kölner Stadtrat gestern mit den Stimmen von Grünen, CDU und FDP beschlossen: Oper und Schauspielhaus werden saniert, das Schauspiel bekommt eine zweite Bühne in den denkmalgeschützten Opernterrassen am Offenbachplatz, die Oper nutzt den Musical Dome als Ausweichquartier während der Bauphase 2012 bis 2015 und die Kinderoper wird im Untergeschoss der Oper untergebracht. Das Ganze darf höchstens 253 Millionen Euro kosten. Die SPD enthielt sich, Die Linke stimmte gegen den Beschluss.

Bis zuletzt hatte die SPD-Fraktion im Stadtrat erklärt, dass sowohl die Kosten der Interimspielzeiten um 15 Prozent zu hoch ausfielen als auch die Sanierung der Theaterhäuser in Zeiten der kommunalen Finanzkrise viel zu teuer veranschlagt sei und um 13 Millionen auf 240 Millionen gesenkt werden müsse. Was zur Folge gehabt hätte, dass dem Schauspiel nach der Sanierung keine zweite Bühne mehr zur Verfügung gestanden hätte.

(KStA/ jnm)

Anmerkung

 In Köln regiert zwar eine rot-grüne Koalition und die SPD stellt mit Jürgen Roters auch den Oberbürgermeister, der für die jetzt beschlossene Vorlage auch geworben hatte – doch taten die Sozialdemokraten in den vergangenen Wochen alles, um sich als machtpolitische Betonköpfe und Kulturbanausen zu präsentieren, die der Schauspielhefin Karin Beier nicht verzeihen können, dass sie sich dem Bürgerbegehren gegen einen geplanten Neubau von Oper und Schauspiel angeschlossen und es wohl auch zum Sieg geführt hatte.

Nach dem gescheiterten Versuch, Karin Beier vor ihrem Weggang nach Köln so rasch wie möglich aus ihrem Intendantenamt zu drängen, erschien der Plan der SPD, die Kosten für die Sanierung so weit zu drücken, dass kein Geld mehr übrig wäre für eine zweite Schauspielbühne wie ein bewusst in Kauf genommener Kollateralschaden. Noch am Montag hatte sich Karin Beier gegen diesen jüngsten Vorstoß in einem Zeitungsinterview vehement zur Wehr gesetzt hatte.

Nicht nur bei der Schauspielintendantin, auch bei den Kommentatoren der Kölner Zeitungen verstärkte sich angesichts der zahlreichen Querschüsse der SPD in den letzten Tagen der Eindruck, dass da "einzelne Menschen in der SPD unter allen Umständen der Sanierung ihren eigenen Stempel aufdrücken" wollten. "Es geht um Gesichtsverlust und um Macht. Man möchte auf keinen Fall einfach das beschließen, was das Bürgerbegehren durchgesetzt hat. An lautere Gründe glaube ich jedenfalls nicht."

(jnm)

 
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