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Mit Schmach und Schande überhäuft

2. April 2011. Die Autoren Elfriede Jelinek, Michael Scharang und Peter Turrini haben sich in einer Erklärung mit dem Sachbuchautor, Globalisierungskritiker und Politiker Jean Ziegler solidarisiert, das meldet heute die Wiener Tageszeitung Der Standard. Ziegler war von der Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) als Festredner zur Eröffnung der Salzburger Festspiele erst ein- und dann wieder ausgeladen worden. Als Begründung wurde Zieglers angebliche Nähe zu Muhammar Gaddafi genannt.

Für die Autoren ist der Umgang mit dem 76-jährigen Schweizer Intellektuellen inakzeptabel: "Wir empfehlen den Salzburger Festspielen, sich diesmal selbst auszuladen und den Festspielsommer mit der Schmach und der Schande zu verbringen, mit der sie sich überhäuft haben," zitiert "Der Standard" aus der Erklärung.

Mit Hass

Tatsächlich habe Ziegler das Gaddafi-Regime weit differenzierter als andere beurteilt, schreibt die Süddeutsche Zeitung, "sich aber auch immer distanziert." Den Vorwurf, er sei Träger des obskuren libyschen Menschenrechtspreises, weise er als 'Lüge' zurück. Ihm sei der tatsächlich angetragen, aber von ihm postwendend zurückgewiesen worden. Hinter der Falschbehauptung sieht Ziegler, so die SZ, eine Kampagne: Seit er die Hungerlage im Gaza-Streifen vor den Vereinten Nationen anzuprangern verstanden habe, begegne ihm so mancher mit Hass.

Ausschlaggebend für die Salzburger Absage erscheint Ziegler der SZ zufolge der Einfluss der Geld- und Agrarindustrie aus seiner Heimat: Nestlé, Credit Suisse und UBS seien die Druckmacher. Ihnen solle erspart werden, dabei zuzuhören, wie er die Zusammenhänge bei der 'Hungerproduktion' durch die Manipulierung und Monopolisierung der Märkte und Warenströme anprangere. Dabei hätte er gerne 'die bewusstseinsbildende Rolle der Kunst' herausgearbeitet: 'Es braucht ein kollektives Gewissen, um das Massaker des Hungers zu stoppen.'

Der Wüstenstaub fliegt hoch

Zumindest bei Ziegler-Verteidigerin Elfriede Jelinek läßt sich keine übertriebene Nähe zu Libyens Diktator ausmachen. Mitte März veröffentlichte sie auf ihrer Homepage einen Text, der sich unter dem Titel Um die goldene Gams mit den Vorgängen in Libyen auseinander setzt: "In der libyschen Wüste lassen sie es jetzt krachen: der Diktator und seine Brut, seine feschen Söhne, von denen einer schon irrtümlich ein paar Schweizer Hotelangestellte als Sklaven zu halten versucht und verprügelt hat, macht ja nichts, dafür nehmen wir ein paar Geiseln, dafür nehmen wir gleich die ganze Schweiz und teilen sie auf, prügeln ist ortsüblich, üblich, gar nicht so übel in diesem Land, in dem es nur einen Tyrannen gibt plus Tyrannen-Abkömmlingen, einer eifriger im Tyrannensein als der andre, dort lassen die Herrscher jetzt also schlägern, und die Menschen fallen, der Wüstenstaub fliegt hoch, die Menschen fallen in den Staub, zu dem sie aber ohnedies werden sollen, denn dort läßt die Tyrannen-Sippe ihr Volk zusammenkartätschen, zusammenmörsern, zusammenschießen, zusammenbomben, vielleicht damit sie wissen, daß sie zusammengehören," heißt es da unter anderem.

(sle)

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