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Die Crew von Karin Henkels "Kirschgarten" ist gerade frisch über den Teppich geschritten.
© Anne Peter

5. Mai 2011. Rote Teppiche sind eine ziemlich alte Erfindung: Schon Klytaimnestra hatte ihrem Gatten Agamemnon nach dessen Kriegsheimkehr einen ausgerollt. Seine Abneigung irgendwo zwischen Götterverehrung, Angst vor übler Nachrede und blutroter Vorahnung ist bei Aischylos nachzulesen.

So barfuß, wie er ihn dann doch betrat (die tödlichen Folgen sind bekannt), präsentiert sich heute selten jemand auf dem inflationär eingesetzten Gewirk. Seit Hollywood neben der göttlichen Deutungshoheit auch die Rolle des Königsmachers übernommen hat, stöckeln und staksen sie eifrig und auch bei der kleinsten Filmpremiere über den roten Teppich, die Sterne und Sternchen, lächeln, winken und tragen den Dolch im Gewande.

Nur das Theater, altmodisch, wie es ist, hatte den roten Teppich bislang eher auf der Bühne im Repertoire als vorm Portal. Doch nun ist alles anders: Beim Theatertreffen, dem glamourösesten Event, seit es Theater gibt, dürfen jetzt die mit einer Einladung gekrönten Regieteams nebst Schauspielern nach der Festivalpremiere einen eigens entrollten Teppich beschreiten, um dort stolz ihre Trophäe, einen ebenfalls glänzend glamourösen Metallwimpel, von tt-Königin Iris Laufenberg in Empfang zu nehmen.

Das wäre freilich eine dröge Angelegenheit, einfach so. Deshalb hat das Theatertreffen den Weg zum Ruhm mit einer Fanfare eingeseift, nachzuhören auf der Festspiel-Homepage. Erst gongt und klingelt und läutet es – Jubelvolk, erwache! Nach einer dramatischen Generalpause geht die bemerkenswerte Komposition mit Schmackes in eine Art Privat-TV-Nachrichtenjingle über, federnd und fokussierend. Dazu betreten die ehrenwerten Gäste den etwas zu kurz geratenen Leuchtrotläufer und müssen auch schon abbremsen, kaum das sie beschleunigt haben. Applaus brandet auf, glückliche Gesichter allüberall, Reden, Wimpel, Toasts. Schön! Wie hat man nur all die Jahre ohne roten tt-Teppich leben können?

(geka)

 
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