Hartnäckiges Hinterfragen

Berlin, 16. Juni 2011. Der Preis des Internationalen Theaterinstituts – Zentrum Bundesrepublik Deutschland geht in diesem Jahr an die Dramatikerin Dea Loher. Wie das ITI mitteilt, wird er am 17. Juni 2011, dem Welttheatertag, im Deutschen Theater Berlin überreicht.

"Mit Dea Loher würdigt das ITI eine politische Autorin, die seit zwei Jahrzehnten nicht nur die deutsche Gegenwartsdramatik maßgeblich mitbestimmt, sondern deren hartnäckiges Hinterfragen sozialer und gesellschaftlicher Prozesse auch international Gehör gefunden haben", begründet das deutsche ITI-Zentrum seine Auswahl.

Mit dem Preis des Internationalen Theaterinstituts werden anlässlich des Welttheatertages herausragende Persönlichkeiten des Theaterlebens in Deutschland ausgezeichnet, deren Wirken in besonderer Weise auf die Darstellenden Künste weltweit ausgestrahlt.

Im vergangenen Jahr wurden Christoph Marthaler und Anna Viebrock ausgezeichnet. Weitere bisherige Preisträger waren u.a. Klaus Michael Grüber, George Tabori, Karl-Ernst Herrmann, Pina Bausch, Thomas Langhoff, Tankred Dorst, William Forsythe, Gert Voss, Achim Freyer, Frank Castorf, Kurt Hübner, Heiner Goebbels und Jürgen Gosch.

(geka)

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#1 ITI-Preis für Dea Loher: ein Fall für Dramaturgen und JurorenOch nöö 2011-06-17 03:37
Welchen Preis hat die Loher noch nicht bekommen? Und trotzdem werden ihre Stücke kaum nachgespielt. Sie ist eben was für Dramaturgen und Juroren. Unsere Vorzeigedramatikerin der gepflegten Verzweiflung. Glückwunsch an das deutsche Theater! Aber Leben spielt woanders.
#2 ITI-Preis für Dea Loher: Theater geht über das Leben hinausTh. Rothschild 2011-06-17 15:32
Och doch. Wäre Dea Loher etwas für Dramaturgen, würde sie häufiger nachgespielt. Wenn das Leben tatsächlich woanders spielte als auf dem Theater, entspräche das nur dem Wesen der Kunst. Leider trifft das Gegenteil zu: Immer wieder nur das "wirkliche" Leben, auf der Bühne wie im Fernsehen. Wer das Leben sucht, muss nicht ins Theater gehen. Er erspart sich das Eintrittsgeld. Ein echtes Schnitzel ist allemal besser als ein gemaltes Schnitzel. Aber einen Theaterabend, der über die Erfahrungswirklichkeit hinausweist, kann das Leben nicht ersetzen. Ansonsten wäre das Theater überflüssig.
#3 ITI-Preis für Dea Loher: Wann kommt der Aufstand?Och nöö 2011-06-17 17:20
Gestern war ich bei dem Palmetshoferstück im DT und wie in der Texten von Loher auch hier nur Pose und Dramaturgenschick. Es ist ja ehrenwert, daß das DT sich ums neue Drama kümmert. Nur wie. Zu sehen ist im Großen und Ganzen die geleckte Hochglanzdramatik, die altbekannten börsennotierten Namen, die zum großen Teil nur noch sich selbst hinterherschreiben. Kricheldorf, Löhle, Schimmelpfennig... Interessant für solche klugen Blogproduzenten wie Herrn Rothschild. TheaterundLebenundTheaterblabla.
(...) Die hippen DT-Dramaturgen sind nur Staffage zur Herrichtung eines Stückhülsenspielplans. Wann wird dem endlich ein Ende gemacht? Gestern saßen viele gepeinigte Zuschauer im Saal, verließen ihn oder auch nicht, aber keiner ist aufgestanden und hat rebelliert, der Impuls war da. Wo ist der der Aufstand, der kommende?
#4 ITI-Preis für Dea Loher: produktive Diskussion in Wien@Och nöö 2011-06-17 18:22
Schön, dass Sie offenbar für alle Zuschauer sprechen - haben Sie eine Umfrage gestartet? Gerade Loher kann man ja nicht absprechen, sich auf die Welt zuzubewegen - im Rahmen des "Diebe"-Gastspiels bei den Festwochen hat da eine durchaus produktive Auseinandersetzung stattgefunden. Manche sind gegangen, in der Pause wurde diskutiert - von stillem Gepeinigtsein konnte jedenfalls keine Rede sein ...
#5 ITI-Preis für Dea Loher: Palmetshofer fehlt die einstige FrischeStefan 2011-06-17 19:49
Leider muss ich ein wenig Och nöö beipflichten, Palmetshofer nähert sich tatsächlich mit seinem neuen Stück peinlich nah an Dea Loher an. Ich habe mich zwar nicht gepeinigt gefühlt, aber stark mit Müdigkeitserscheinungen gekämpft. Die Frische Paltmetshofers erster Stücke hat sich hier im Empörungsmodus verhakt. So entsteht kein Aufstand, höchstens ein noch größerer Abstand zur Realität. Ich kann auch nichts erkennen, was nach Rothschild über die Erfahrungswirklichkeit hinaus weist. Verallgemeinern würde ich das trotzdem nicht, ich warte noch die Stücke von Kricheldorf, Löhle und Zeller ab. Außerdem gibt es Gott sei Dank noch anderes als Loher und xmal Schimmelpfennig bei den ATT zu sehen.

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