In Zeiten knapper Kassen

Bonn, 2. Juli 2011. Der Intendant des Theater Bonn, Klaus Weise, will seinen Vertrag über die Spielzeit 2012/2013 nicht verlängern; das wurde gestern bekannt. In einer Stellungnahme reagierte nun der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch darauf, wie Kultur-in-Bonn.de (2.7.2011) mitteilt.

In einer auf der städtischen Homepage veröffentlichten Mitteilung stellt Nimptsch fest, dass die Stadt Bonn bis einschließlich 2015 jährlich etwa 27 Millionen Euro für den Theaterspielbetrieb zur Verfügung stellen werde, sofern der Rat dem Vorschlag von Verwaltung und Finanzausschuss zustimme. "Damit bleibt der Zuschuss trotz schwierigster Haushaltslage unverändert, was für die meisten anderen Bereiche des städtischen Haushalts nicht gilt, da dort echte Kürzungen anstehen“, so Nimptsch.

"In Zeiten knapper öffentlicher Kassen darf erwartet werden, dass auch das Theater eigene Anstrengungen unternimmt, um die in diesen Jahren anfallenden Kostensteigerungen aufzufangen", erklärte er weiter.

So hätte er mit Weise beispielsweise gerne erörtert, ob und welche Bemühungen Theater Bonn im Bereich des Sponsoring hätte realisieren können. Schließlich sei dies bei anderen Kultur-Institutionen wie etwa dem Beethovenfest Bonn "längst üblich".

 

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(dip)

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Kommentare

Kommentare  
#1 Bonn erwartet Anstrengungen: Klare Grundlageinsider 2011-07-03 05:49
das ist doch eine klare grundlage für den nächsten abwicklungsintendanten!
#2 Bonn erwartet Anstrengung: Bürgermausclick-DemokratieNeukölln 2011-07-03 19:45
Peinlich, peinlich, peinlich. Was ist nur mit meiner Heimatstadt passiert? Politiker aller Parteien geben die Entscheidungsverantwortung in der Kulturpolitik an "die Bürger" zurück. Mittels Internetabstimmung. Warum Entscheidungen treffen, die unangenehm sind, wenns auch mit Bürgermausklick erledigt werden kann.
Statt stolz zu sein, daß sich in Bonn im Vergleich zu anderen Städten ähnlicher Grösse eine beachtliche Szene neben dem Stadttheater entwickelt hat, wird jetzt mal ordentlich dazwischengehauen. Ob Junges Theater Bonn oder Theater Marabu im Kinder-und Jugendbereich, ob Brotfabrik, Kleines Theater im Park, Jubiläumsensemble, Pantheon, Euro Theater Central,Springmaus-Theater und alle weiteren. Welche Stadt mit knapp 300.000 Einwohnern hat soviel professionelle kulturelle Bewegung? Zur Strafe fürs gute Wirtschaften mit bescheidensten Mitteln gibts jetzt eine schöne Kürzungsrunde, weil sich die Stadt mit Beträgen im 3-stelligen Millionenbereich an einem Superweltprojekt verhoben hat.
Weil nun gespart werden muss, tut mans gleich ohne Sinn und Verstand. Die eigene freie Szene wird monatelang mit dem Exitus bedroht, dem Stadttheater kündigt man 3,5 Millionen Einsparung an. Wohlwissend, daß dies in Anbetracht des Gesamtetats bedeutet, das genau die 15 % die "Projektmittel" des Theaters sind, 85 % sind Personalkosten und vertragliche Bindungen.
Die Ankündigung heisst also: Bitteschön Entlassungen vorbereiten, oder gleich Spartenschliessung. Nur die Verantwortung soll dann der Intendant übernehmen, ist ja sein Konzept.
Dem Theater fehlenden Willen zur Erzielung von Mehreinnahmen zu unterstellen ist gradezu grotesk und zeugt von der totalen Ahnungslosigkeit gepaart mit Schamfreiheit. Erstens sind die Anstregungen des Theaters ja auf Einnahmen an der Kasse gerichtet und die Einspielergebnisse des Stadtheaters sind trotz Wirtschaftskrise immer noch beachtlich. Zum Anderen interessieren sich Sponsoren halt nicht für die allgemeine Kulturversorgung sondern für Einzelereignisse(Events)wie das Beethovenfest mit hohem Repräsentationscharakter. Oder verteilen Almosen an notleidende Jugendtheater ("Sozialsponsoring"). Und selbst das bewegt sich im niedrigen 6-stelligen Bereich für GANZ BONN.
Politik machen heisst eben auch Verantwortung übernehmen, Herr Nimptsch. Nicht mit Internetbefragungen. Oder Haushaltsrasenmäher.
Sondern mit klaren Entscheidungen.
Vielleicht muss man das Stadttheater auf eine Sparte reduzieren. Vielleicht muss man Godesberg als Spielort aufgeben.
Das wäre schmerzhaft und ein harter Gang denen gegenüber, die ihre Stelle verlieren. Aber einfach danebenstehen und den schwarzen Peter an die freie Szene und den Intendanten weitergeben (sucht mal schön Sponsoren), sich hinter fragwürdigen Internetabstimmungen, an denen 0,01 Prozent der Bevölkerung teilnehmen verstecken, ist feige und armselig.
Die Ankündigung von Überlegungen sich im Jahr 2020 zur Europäischen Kulturhauptstadt machen zu wollen zeugen vor diesem Hintergrund von vollendeter Verblendung.
#3 Bonn erwartet Anstrengungen: Hoffnung auf gute Lösungalina 2011-07-03 22:16
wenn es stimmt was neulich über das jahresgehalt des intendanten zu lesen war, wüßte ich zumindest wo ein teil des geldes eingespart werden könnte.
kenne ansonsten die situation speziell in bonn nicht gut genug, aber bei schauspiel-, opern- und tanzensembles ist doch an den meisten häusern eh längst ebbe - weniger gäste, vakanzen die nicht neu besetzt werden können, bühne und kostüm in personalunion immer häufiger auch aus spar-(und nicht immer nur aus künstlerischen) gründen.
ich hoffe es wird eine gute lösung gefunden und ein neuer intendant der seine sparten bis aufs blut verteidigt und bei der stadt vielleicht doch noch das eine oder andere erreicht - für bonn und alle theatergänger der stadt.

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