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Von unten gewachsen

6. Juli 2011. Das renommierte Teatro Valle in Rom ist besetzt, nachtkritik.de berichtete letzte Woche darüber. Jetzt hat Tom Mustroph für die taz (6.7.2011) mit einer der Besetzerinnen gesprochen, die Maddalena heißt, als Künstlerin und Wissenschaftlerin in Rom arbeitet, ihren Nachnamen aber nicht nennen mag. "Wir sind ein Kollektiv", sagt sie.

"Steckt ein politischer Wille dahinter, eine junge Avantgarde-Institution zu schließen, oder vermuten Sie dahinter die normale bürokratische Unfähigkeit?", fragt Mustroph. Antwort: "Ich glaube nicht, dass eine spezifische Absicht dahintersteckte." Die Abwicklung sei vielmehr "Teil der rigiden Sparmaßnahmen in den letzten Jahren. Die hätten nicht nur die Kultur, sondern auch die Schulen und die Universitäten betroffen. "Jetzt wollen wir erst einmal verhindern, dass das Theater nicht nach künstlerischen Kompetenzen, sondern nach politischen Kriterien vergeben wird."

Deutet sich damit jetzt eine Wende in Italien an? "Die jüngsten Erfolge stimulieren natürlich. Sie sind Früchte einer Bewegung, die von unten gewachsen ist." Und wird das Kollektiv der Besetzer das Theater übernehmen? Es gehe nicht darum, das Teatro Valle selbst zu managen, so Maddalena. "Wir wollen wir hier nicht den Spielbetrieb organisieren. Das ist die Aufgabe der Kommune, die dafür auch Geld zur Verfügung hat. Aber wir wollen, dass die Gelder transparent und effizient eingesetzt werden, dass es ein künstlerisches Profil gibt, das regelmäßig überprüft wird, und dass die künstlerischen Berufe geachtet werden."

Aber ja, es stimme,  "wir sind gezwungen, Theater zu besetzen, um überhaupt arbeiten und für unsere Rechte kämpfen zu können. Künstlerische Berufe sind in Italien wenig geschätzt."

(dip)

 
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