Eisenacher Theaterkrieg

29. März 2012. Wenn nicht bis nächste Woche geklärt werden kann, wer die rund zwei Millionen Euro städtischen Eigenanteil für das Theater Eisenach übernimmt, muss allen Mitarbeitern gekündigt werden. Die verschuldete Stadt selbst ist zum Unterhalt ihres Theaters nicht mehr in der Lage. Das schreibt unter andererm die Thüringer Landeszeitung in ihrer heutigen Ausgabe.

Seit längerem schieben sich dem Blatt zufolge die Stadt und drei Landesministerien der schwarz-roten Regierung die Verantwortung für eine Übernahme des Fehlbetrags gegenseitig zu. Während das SPD geführte Kultusministerium nun den CDU-Finanzminister aufgefordert habe, das Geld über eine Bedarfszuweisung aus dem Landesausgleichsstock bereitzustellen, weise man dort die Forderung mit Blick auf die SPD regierte Stadt zurück.

Man habe Eisenach schon vor einem Jahr aufgefordert, ein Haushaltsicherungskonzept zu erstellen, zitiert die TLZ den Thüringer Finanzminister Wolfgang Voß (CDU). Die Stadt aber könne laut Oberbürgermeister Matthias Doht ein solches Konzept gar nicht vorlegen: "Bis 2020 haben wir jedes Jahr ein Minus. Im Jahr 2020 immer noch von über fünf Millionen Euro. Selbst wenn wir den städtischen Anteil an der Theaterfinanzierung rausrechnen, reicht es bei Weitem nicht". Der TLZ zufolge vermutet Doht, das hier Wahlkampf betrieben wird. "Da sollen das SPD-Kulturministerium und ein SPD-OB vorgeführt werden." Für Doht sei es durchaus vorstellbar, dass jetzt bis nach dem ersten Wahlgang abgewartet werde, um vor der Stichwahl Anfang Mai einem möglicherweise noch im Rennen befindlichen CDU-Kandidaten die Rettung des Theaters als Wahlkampfschlager durch die CDU-Ministerien auf dem Silbertablett zu überlassen.

Derzeit verfügt das Theater Eisenach neben einer Sprechtheatersparte, über Ballett, Jugendtheater und ein Orchester. Der Etatrahmen beträgt jährlich 4,9 Millionen Euro. Davon trägt das Land Thüringen die Hälfte. Die Stadt Eisenach muss mit 1,87 Millionen Euro 37,5 Prozent übernehmen und der Wartburgkreis 12,5 Prozent. Wird keine Einigung erzielt, schreibt die Ostthüringer Zeitung, die im Kontext der Debatte vom "Eisenacher Theaterkrieg" spricht, müssten bereits in diesem Sommer die Kündigungen für die 92 Theatermitarbeiter ausgesprochen werden, die im Sommer 2013 wirksam würden.

(TLZ / OTZ / sle)

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