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An Bachs Geburtsort

Eisenach, 16. Mai 2012. Dem Landestheater Eisenach droht weiterhin zum 31. Juli 2013 das Aus. Grund: Die Stadt Eisenach kann ihren jährlichen Finanzierungsanteil von zwei Millionen Euro nicht aufbringen. Deshalb ruft das Theater zum Online-Protest auf: Auf der Petitionsseite, auf der Stimmen zum Erhalt des Landestheaters gesammelt werden, heißt es u.a.:

"Während die Stadt Eisenach unverschuldet in die Zahlungsunfähigkeit geraten ist, verliert sich die Thüringer Landesregierung in unschönen Debatten über Zuständigkeiten zwischen den Parteien und Ministerien, werden Koalitionsbeschlüsse gekippt und zweifelhafte Sparkonzepte umgesetzt. Das Landestheater und die Landeskapelle haben eine lange Tradition und sie haben trotz wiederholter Kürzungen immer wieder eine außergewöhnliche Leistungsfähigkeit bewiesen. Bitte helfen Sie mit Ihrer Stimme, das Landestheater Eisenach am Geburtsort Johann Sebastian Bachs zu erhalten!"

Chronologie der Krise

Schon Anfang der 90er Jahre war das Theater von der Schließung bedroht. Aufgrund massiver Proteste konnte damals der "Komplett-Kahlschlag" abgewendet werden; die Schauspielsparte wurde allerdings 1993 abgewickelt. Seither war die Finanzlage nie mehr wirklich stabil: 2004 folgte die Abwicklung des Opernchores, 2008 die des Musiktheaters; die Anzahl der Musiker der Landeskapelle wurde um die Hälfte reduziert.

Mit der Überführung des Landestheaters in die Kulturstiftung Meiningen-Eisenach am 1. Januar 2009 sollte der Bestand des Theaters als eigener, eigenständig produzierender Betriebsteil der Stiftung dauerhaft erhalten werden. Das Landestheater mit seinen aktuell 92 Mitarbeitern verfügt seither über die Sparten Ballett, Junges Schauspiel und Landeskapelle und kann – im Rahmen der Stiftung teilweise vom Meininger Theater bespielt – im Repertoire Oper, Operette, Musical, Ballett/Tanztheater, Schauspiel, Jugend- und Kindertheater, Puppentheater und Sinfoniekonzerte anbieten.

Nun ist allerdings auch dieses Modell vom Aus bedroht.

Im Finanzierungsabkommen der Kulturstiftung hatten sich die Zustifter – der Freistaat Thüringen mit 50%, die Stadt Eisenach mit 37,5 % und der Wartburgkreis mit 12,5 % – verpflichtet, die erforderlichen Zuschüsse zu tragen (in Zahlen: der Anteil des Landes beträgt 2,66 Millionen Euro, der der Stadt Eisenach 2 Millionen Euro und der des Wartburgkreises 666 667 Euro). Mit Schreiben vom 2. Dezember 2011 teilte der noch amtierende Oberbürgermeister der Stadt Eisenach, Matthias Doht (SPD), der Stiftung mit, dass er aufgrund der aktuellen desolaten Haushaltslage der Wartburgstadt eine verbindliche Zusage über die Höhe des Finanzierungsanteils der Stadt Eisenach nicht geben könne. Ende März 2012 titelten die ersten Zeitungen: "Das Theater Eisenach steht vor dem Aus".

Widerstand formiert sich

Gegen den drohenden Kultur-Kahlschlag hat sich seither massiver Widerstand formiert. In Demonstrationen gehen hunderte Bürger auf die Straße, Unterschriften wurden und werden gesammelt (und die ersten 3.000 bereits in der Thüringer Staatskanzlei abgegeben), öffentliche Aktionen auf dem Eisenacher Marktplatz machen auf die Lage aufmerksam.

(Landestheater Eisenach / geka)