"Wir sind alle darstellende Künstler!"

24. September 2012. Die an deutschen Theatern und Bühnen tätigen Bühnen- und KostümbildnerInnen haben sich mit einem Aufruf an den Kultur-Staatsminister Bernd Neumann sowie an die Mitglieder des Kulturausschusses des Deutschen Bundestags gewandt. Sie fordern darin ihre umsatzsteuerliche Gleichstellung mit Regisseuren und Choreographen.

Hintergrund des Aufrufs ist der seit einigen Monaten vorliegende Regierungsentwurf des Jahressteuergesetzes 2013, der eine Umsatzsteuerbefreiung für Bühnenregisseure und Choreographen vorsieht. Dieser Gesetzesentwurf der Bundesregierung wiederum reagiert auf ein Urteil des Bundesfinanzhofes vom 4. Mai 2011, nach dem selbstständig tätige Regisseure ihre Arbeiten umsatzsteuerlich mit dem Regelsteuersatz in Höhe von aktuell 19 Prozent zu versteuern hätten (hier der nachtkritik.de-Kommentar zu diesem Urteil).

Die Bühnen- und KostümbildnerInnen begrüßen grundsätzlich die Umsatzsteuerbefreiung der Regisseure, weisen jedoch darauf hin, dass sie nunmehr als einzige Berufsgruppe unter den Theaterkünstlern Umsatzsteuer zahlen müssten – was nicht nachvollziehbar sei. Teilweise gebe es sogar immense Rückforderungen der Finanzämter für die letzten sechs Jahre, von denen Bühnen- oder Kostümbildner betroffen sind, die für ihre Arbeit den lange üblichen reduzierten Umsatzsteuersatz von 7 Prozent veranschlagt hätten und denen nun rückwirkend der volle Satz von 19 Prozent abverlangt werde.

Zur Begründung ihres Aufrufs führen die Bühnen- und KostümbildnerInnen aus, dass die "in der Regel zugrunde gelegte Unterscheidung zwischen Bühnenpräsenz ausübender Künstler – die unstrittig umsatzsteuerbefreit sind – und sonstigen am Entstehen eines Werkes der Darstellenden Kunst beteiligten Berufsgruppen keine Differenzierung zwischen Regisseuren/Choreografen gegenüber Bühnen-/Kostümbild" rechtfertige. "Schauspieler und Sänger, Tänzer, Regisseure und Choreographen, Bühnenbildner und Kostümbildner, wir sind alle darstellende Künstler!"

Unter den aktuell über 200 Unterzeichnern des Aufrufes finden sich Namen wie Katrin Brack, Barbara Ehnes, Florence von Gerkan, Anna Viebrock, Penelope Wehrli, Thomas Dreißigacker, Klaus Grünberg, Gisbert Jäkel, Jens Kilian, Hartmut Meyer, Jan Pappelbaum und Reinhard Von der Thannen.

Am 26. September 2012 ist der Entwurf für das Jahressteuergesetz 2013 Gegenstand einer öffentlichen Anhörung des Finanzausschusses des Bundestages.

(wb)

 

"Ändert das Gesetz!" Dazu rief nachtkritik.de vor einem knappen Jahr bezüglich der Umsatzsteuerregelung für Regisseure auf. Den Entwurf zum geänderten Gesetz findet man hier auf der Seite des Bundesfinanzministeriums.

 

 
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