"Die Dominanz ist Breivik"

26. September 2012. Im Oktober will Dokumentartheatermacher Milo Rau an zwei Abenden in Weimar und Berlin die "Erklärung" des norwegischen Attentäters Anders Breivik zu Gehör bringen, mit der dieser am 17. April 2012 vor dem Osloer Gericht seinen Amoklauf auf der Insel Utoya politisch zu rechtfertigen versuchte. Über dieses Reenactment, d.h. das Nachstellen historischer Ereignisse, sprach Doris Meierhenrich für die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau (25.9.2012) mit dem Wissenschaftler und Theaterkünstler.

Die einstündige Rede werde im Reenactment "nicht nur in kleinen, zum Skandal tauglichen Ausschnitten dargestellt, die schon aus dem Gerichtssaal getwittert wurden, sondern als ganze", erläutert Rau in dem Interview. Den Vortrag übernehme die Deutsch-Türkin Sascha Soydan.

Rau wolle damit die Ideologie der Rede in ihrer von den Attentaten unabhängigen "Normalität" thematisieren. "Das Skandalöse an dem Text ist, dass er eben überhaupt nicht skandalös ist, sondern eine relativ rationale, in sich geschlossene und meiner Ansicht nach weit verbreitete Sicht in Europa darstellt", so Rau. "Die Dominanz ist Breivik." Abzulesen sei die Verbreitung dieses Gedankenguts etwa auch an der "Minarettinitiative" in der Schweiz. In dem Reenactment gehe es Rau darum, ein "negatives Erschrecken" herzustellen, darüber, "dass es längst europäischer 'Common Sense' ist, was der sagt".

(chr)

 
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