Theaterregie? Nichts auf Dauer!

Berlin, 28. November 2007. Morgen kommt der neue Film von Leander Haußmann in die Kinos: Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken. Im Interview mit Daniel Kothenschulte heute in der Frankfurter Rundschau spricht Haußmann aber vor allem über die Arbeit der Theaterregisseure: "Ich glaube, 90 Prozent aller Theaterregisseure wollen eigentlich zum Film. Die meisten sind in ihrer Jugend nicht mehr vom Theater, sondern vor allem vom Kino beeinflusst worden. Und sie arbeiten auch so." Michael Thalheimer zum Beispiel.

Haußmanns These: "Die meisten Theaterregisseure hätten gar nicht den Atem, Filme zu machen. Ich musste auch erst lernen, dass zwischen Vorbereitung und Realisierung oftmals drei Jahre liegen. Das hält kaum ein Theaterregisseur aus." Beim Film würden deshalb nur Leute mit einem "extremen Durchhaltevermögen" landen: "Sonst fliegt man da raus." Das passiert einem am Theater offenbar nicht so schnell.

Und dann sei es ja auch so: "Ich habe 50 Theaterinszenierungen in 15 Jahren gemacht", sagt Herr Haußmann, "da kann einem gar nichts Neues mehr einfallen." Müsse einem Theaterregisseur aber. Denn "alle Theaterregisseure, die länger als 20 Jahre in dem Job arbeiten und ihren Lebensstandard halten wollen, müssen pro Jahr wenigstens zwei Inszenierungen machen. Die sind aber auf die Dauer nicht vorzubereiten."

Da helfe nur zeitweiliges Aussteigen. Siehe Stefan Bachmann. Er habe, nach seiner Zeit als Schauspieldirektor am Theater Basel, erst einmal eine Pause gemacht und sei um die Welt gefahren.

Aber Thomas Ostermeier zum Beispiel? "Der hat doch nur in seinem Theater gehockt. Woher nimmt er die Welt, von der er erzählt?" Und wenn man abstrakter arbeite? Ändert auch nichts: "Ich zehre ja heute noch von meiner Armeezeit, meiner Arbeitszeit, meiner Bohème-Zeit und war erst mit 28 Jahren dann Schauspieler." Sagt Haußmann, der fröhliche Kinoregisseur, dem auch die Kritiker nichts anhaben können: "Schlechte Kritiken lese ich gern."

(dip)

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#1 Leander Haußmann hat rechtanonymus 2007-11-30 13:21
herr haußmann hat recht. und die "these" hat sich in meiner bisherigen theaterarbeit (bin seit 5 jahren schauspieler an wechselnden häusern) als realität bestätigt: ständig reden theaterregisseure fasziniert, mit leuchtenden augen vom großartigen film. als inspirationsquelle werden nie bücher, kunstwerke, "im echten leben" erfahrenes oder sont etwas genannt. immer nur film. vor allem das amerikanische mainstream-kino. pate, pate, pate. und goodfellas. da braucht sich kein theaterkritiker wundern, warum wir darsteller im antiken rom, im shakespearschen england oder herrn hebbels nibelungen anzug tragen und leise zischelnd intrigante pläne schmieden müssen. auch die zeitversetzungen und a-chronologischen abläufe in der dramaturgie manchen stücks kommen vom film. selbst mit der behauptung, theaterregisseure hätten nicht genug sitzfleisch um sich über jahre mit einem stoff zu beschäftigen, hat herr haußmann meiner meinung nach recht. beim film muß präzise vorausgeplant werden. natürlich ist genau das spannende am theater der entstehungsprozeß. aber ständig das gefühl zu haben, mehr infomaterial zum jeweilgen stück zusammengetragen zu haben und sich besser in der gedankenwelt des jeweiligen autors zurecht zu finden als der regisseur selbst, ist auf dauer ernüchternd. das absurdeste ist allerdings die art wie diese regisseure darauf reagieren, wenn man prominent dreht. da spürt man eine art von wut und gekränktheit, die tatsächlich - hobbypsychologisch gedeutet - nur mit eifersucht erklärbar ist.

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