Halb verhungerte Kuh

Rostock, 16. Januar 2013. Die drohende Insolvenz des Volkstheaters Rostock ist abgewendet. Wie die Norddeutschen Neuesten Nachrichten schreiben, hat die Rostocker Bürgerschaft einen Maßnahmenkatalog zur Rettung des Hauses beschlossen, der die Liquiditätsprobleme der Bühne löst. "Von Seiten der Stadt fließen zunächst 450.000 Euro in die Theaterkasse, darunter 130.000 Euro für notwendige Investitionsmaßnahmen. Der Zuschuss für 2013 erhöht sich somit auf rund 8,2 Millionen Euro. Für 2014 wird der kommunale Zuschuss um 900 000 Euro erhöht."

Damit ist der Kampf des Volkstheaters um seinen Erhalt allerdings noch nicht zu Ende. Die Differenz zur Summe, die für die nötige Liquidität aufgebracht werden muss, beträgt 450.000 Euro und soll vom Theater selbst erwirtschaftet werden. "Die Kuh ist vom Eis, aber immer noch sehr mager und halb verhungert", fasst Volkstheater-Geschäftsführer Stefan Rosinski das Verhandlungsergebnis im Gespräch mit nachtkritik.de zusammen.

Durch diesen auch vom Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling mitgetragenen Kompromiss können nun auch die 500 000 Euro Fördermittel aus dem Kultusministerium abgerufen werden. Methling hatte zuvor mehrfach sein Veto gegen Bürgerschafts-Beschlüsse zugunsten des Theaters eingelegt und so die Dringlichkeitssitzung erst nötig gemacht.

Das Volkstheater Rostock blickt auf eine jahrelange Krisengeschichte zurück. Vorläufiger Tiefpunkt waren dabei die Schließung des Großen Hauses und das Hickhack um einen Neubau. Außerdem ist Rostock Teil umfangreicher Strukturreformpläne des Kultusministeriums.

(NNN / geka)

 

Mehr zur Krise des Volkstheaters Rostock: Im Dezember 2012 hatte das Ensemble die Bereitschaft zum Lohnverzicht erklärt für den Fall, dass die Stadt das Theater erhält. Ende Juni hatte die Rostocker Bürgerschaft die Pläne für einen Theaterneubau durchgewinkt, die später wieder in Frage gestellt wurden. Schon vorher allerdings hatte der neu gewählte Oberbürgermeister das Theater zum Sparen aufgefordert. Der amtierende Intendant Peter Leonard gab im Mai bekannt, dass er seinen Vertrag über die Spielzeit 2013/14 hinaus nicht verlängert.

 

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