"Raus mit den kolonialen Altlasten!"

22. Januar 2013. In der seit Tagen andauernden Debatte um rassistischen Sprachgebrauch in Kinderbüchern hat sich am Wochenende im Tagesspiegel (19.1.2013) die Theaterregisseurin Simone Dede Ayivi, aktiv u.a. am Berliner Ballhaus Naunynstraße, zu Wort gemeldet. Unter der Überschrift "Wörter sind Waffen" argumentiert Ayivi für die Tilgung rassistischer Begriffe aus Kinderbüchern, weil sie in ihrer bisherigen Sprachform nicht-weiße Leser ausschließen.

Unhaltbar sei das Argument, mit rassistischen Wendungen in Büchern oder auch in Theaterstücken werde der Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten: "Mit Gesellschaft ist dabei die weiße Mehrheitsgesellschaft gemeint. Eine Gruppe von Leuten, die sich gegenseitig irgendwelche Spiegel vorhalten wollen. Das können sie gern tun, aber in der Konsequenz heißt das, dass Theater sich nur an ein weißes Publikum wendet. Diese Gruppe bleibt unter sich und definiert für sich allein, was rassistisch ist und was nicht."

Die Autorin beschreibt auch eigene Diskriminierungserfahrungen und weist die implizit und explizit oft aufgestellte Forderung zurück, "(i)ch solle am besten niemanden darauf aufmerksam machen, dass er gerade ein rassistisches Wort benutzt, sondern mein Empfinden zu diesem Wort ändern."

Zur Frage der Intentionalität im Sprachgebrauch sagt Ayivi: "Die Worte tun ihre Wirkung, auch wenn sie nicht in böser Absicht ausgesprochen werden." Auch seien rassistische Begriffe früher nicht weniger rassistisch gewesen. "Es war so normal, dieses Wort zu benutzen, weil die abwertende Haltung gegenüber schwarzen Menschen vollkommen normal war. Das N-Wort war früher nicht weniger rassistisch. Rassismus war in Europa nur allgemein akzeptiert." Mit Aktivisten wie – im Theaterbereich – der Bühnenwatch-Initiative würde diese Form verbaler Gewalt heute deutlich zurückgewiesen. In diesem Sinne fordert Ayivi zum "Frühjahrsputz" auf: "Raus mit den kolonialen Altlasten!"


Mehr zu diesem Themenzusammenhang findet sich im nachtkritik.de-Lexikon im Eintrag zur  Debatte um Blackfacing im Theater.

(Tagesspiegel / chr)

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