Kritiker einst, Krisenmanager jetzt

13. April 2013. Zum neuen Intendanten am Landestheater Tübingen (LTT) wurde der 50-jährige Hamburger Thorsten Weckherlin gewählt. Er tritt zur Spielzeit 2014/2015 an und löst Simone Sterr ab, die seit 2005 Intendantin am LTT ist und ihren Vertrag nicht verlängert hat. Weckherlin setzte sich bei der Abstimmung gegen den Tübinger Zimmertheater-Intendanten Axel Krauße und den frühren LTT-Vize Axel Preuß durch.

Weckherlin leitet seit neun Jahren die Landesbühne Dinslaken und gilt als ausgewiesener Landesbühnen-Profi. Er brachte das kleinste und zudem schließungsbedrohte NRW-Landestheater wieder auf Trab. Heute gibt es dort rund 250 Vorstellungen pro Jahr, versorgt werden damit 128 Orte, über ein Drittel des Etats spielt das Theater selber ein. Mit Weckherlin bekommt das LTT somit einen Krisenmanager und Abstecherprofi. Er sei "ein Wandertheatermensch aus ganzem Herzen", sagte Weckherlin nach der Wahl. Sein Ziel auch für Tübingen sei es, Theater "aus der Mitte der Gesellschaft" zu machen: "sehr direkt und emotional erzählte Geschichten" mit "saftigen, dampfenden Schauspielern". Seine Spielpläne in Dinslaken enthalten unter anderem etliche Romanbearbeitungen, ein reiches Kinder- und Jugend-Angebot und seit einigen Jahren auch türkische Stücke im Abendprogramm.

Begonnen hat Weckherlin als Theaterkritiker. Bei Peter Zadek wurde er 1993 Regieassistent und gründete in dieser Zeit das Berliner-Ensemble-Tourneetheater, das sich vor allem auf dem brandenburgischen Land einen Namen zu machen wusste. Danach gehörte er am Schauspiel Leipzig von 1998 bis 2001 zum Leitungsteam, 2002 wechselte er ins Leitungsteam des Freiburger Theaters. Seit 2004 ist er Intendant des Landestheaters Burghofbühne in Dinslaken.

(Otto Paul Burkhardt / Schwäbisches Tagblatt / dip)

 
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