Stuttgarter Frust

Stuttgart, 15./17. April 2013. Wie die Stuttgarter Nachrichten (15.4.2013) berichten, fürchtet der baden-württembergische Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD), dass das Große Haus des Stuttgarter Schauspiels auch zum Start der Intendanz von Armin Petras im Oktober nicht fertig saniert sein wird.

"Wir müssen überlegen, ob wir einen Vorsorgeplan erabeiten", sagt Schmid im Gespräch mit Nicole Golombek. Ursprünglich hätte die Sanierung des Schauspielhauses ein Jahr dauern sollen, inzwischen dauert sie bereits mehr als drei Jahre.

Als Reaktion auf die Sanierungspannen im Schauspielhaus habe Schmid personelle Konsequenzen in der Ministerialverwaltung angekündigt. Höchst unzufrieden zeigt sich der Minister im Interview mit dem Vorgehen seiner Mitarbeiter bei der Staatlichen Bauverwaltung. "Was mich am meisten ärgert, ist, dass die Dimension der Probleme in der politischen Spitze sehr zeitversetzt oder gar nicht ankamen. Da verstehe ich den Unmut des Theaters, so nach dem Motto: Müssen wir immer erst den Minister direkt anrufen, damit etwas klappt."

Für die anstehende Sanierung des Stuttgarter Opernhauses schwant Schmid Böses. Bisher seien dafür rund 18 Millionen Euro eingeplant. "Man kann aber nicht vorab die Kosten deckeln, bevor man untersucht hat, wie viel bestimmte Sanierungsschritte kosten", sagt Schmid den Stuttgarter Nachrichten.

Weiterhin räumt er ein, dass das Sanierungsdebakel am Schauspielhaus dem Theaterstandort Stuttgart einen schweren Imageschaden zugefügt habe. Der Frust von Schauspielintendant Hasko Weber und anderen Verantwortlichen sei deshalb nachvollziehbar. "Es ist umso ärgerlicher, dass gerade die am meisten leiden, die diesen Kulturstandort hochgebracht haben. Hasko Weber, Regisseur Volker Lösch und all die anderen Künstler haben das Staatstheater gerockt."

Hasko Weber sagt der gleichen Zeitung zwei Tage später im Interview (auch mit Nicole Golombek) dazu folgendes: "Ich halte es für riskant und für eine politische Absicherung durch den Minister, jetzt in Aussicht zu stellen, dass auch die Sai­soneröffnung 2013/14 wackelt. Sollte im Herbst alles funktionieren, so wäre das eine große Erfolgsmeldung. Diese Strategie ist so durchschaubar wie ein schlechtes Stück." Niemand der Verantwortlichen hätte es bisher für nötig gehalten, seine Positionen vor den Mitarbeitern und dem Ensemble des Theaters zu vertreten, bevor in der Zeitung darüber zu lesen sei. "Mit politischen Gesten wird der Rest von Vertrauen ver­spielt, den es noch gibt, und der Anschein er­weckt, dass es nur um die Sicherung der eigenen Position geht."

(Stuttgarter Nachrichten / jnm / sd)

 
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