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Körber Preis Junge Regie 2013 für Gießener Projekt

Theorietheater als sinnlich poetisches Erlebnis

Hamburg, 10. Mai 2013. Mit dem Nachwuchspreis des 10. "Körber Studio Junge Regie" ist die Inszenierung "Der souveräne Mensch. Warum Juwelen glänzen und Kieselsteine grau sind" von und mit Arnita Jaunsubrena, Lea Schneidermann und Kim Willems ausgezeichnet worden. Das teilte das Thalia Theater Hamburg mit, wo am Nachmittag die Auszeichnung vergeben wurde. Der Mitteilung zufolge entstand das Projekt 2012 am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Gießener Justus-Liebig-Universität.

preistraegerkoerber2013 280 krafftangerer hDie Preisträger © Krafft AngererDem Team aus Gießen gelinge das Kunststück, so die Jury in ihrer Begründung, "einen theoretischen Essay über Souveränität (den der Darsteller Kim Willems selbst verfasst hat) so auf die Bühne zu bringen, dass er die Herstellung, die Aufrechterhaltung und das Zerbrechen von Souveränität gleichzeitig reflektiert und präsentiert". Die Bühne werde zum Forschungslaboratorium und zum Ort der Selbstbefragung und trotzdem sei das Ergebnis "kein blutleeres Theorietheater, sondern ein sinnlich poetisches Erlebnis." Der Jury gehörten in diesem Jahr Andreas Beck (Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer Wiener Schauspielhaus), Barbara Burckhardt (Theater heute), Carl Hegemann (Dramaturg Thalia Theater, Prof. für Dramaturgie Hochschule für Musik & Theater Leipzig), Annette Pullen (Leitende Schauspielregisseurin Theater Osnabrück) und Crecentia Dünßer (freie Schauspielerin und Regisseurin) an.

Insgesamt zwölf Nachwuchsregisseure und Regiekollektive aus Berlin, Essen, Frankfurt am Main, Gießen, Hamburg, Hildesheim, Ludwigsburg, München, Salzburg, Straßburg, Wien und Zürich stellten, so die Mitteilung des Thalia Theaters weiter, während des einwöchigen Regieschultreffens im Thalia in der Gaußstraße ihre Inszenierungen vor. Der Sieger wird von der Körber-Stiftung bei einer Nachfolgearbeit durch einen Produktionskostenzuschuss in Höhe von 10.000 Euro gefördert. Auch der Publikumspreis ging an das Gießener Regiekollektiv.

Unter den Preiträgern früherer Jahre sind Julia Hölscher, Heike M. Götze und Gernot Grünewald. Erster Preisträger war 2003 der Regisseur David Bösch.

(Thalia Theater Hamburg / sle)

 

Mehr lesen? Hier der Bericht vom Hamburger Festival.

 

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Kommentare

Kommentare  
#1 Körberpreis: ernsthafte FrageHans Uwe Zisch 2013-05-11 03:34
ich habe die arbeit nicht gesehen, aber frage mich ernsthaft, wann wieder statt "theoretischen Essay über Souveränität" Inszenierungen/Befragungen von "Stückes" prämierfähig sein werden
#2 Körberpreis: StückfrageGegenfrage 2013-05-11 17:57
Herr Zisch,
definieren Sie bitte "Stück" und erläutern Sie Ihre augenscheinliche Annahme, dass im Theater lediglich oder hauptsächlich ihre Definition von "Stück" prämierfähig sein soll!
#3 Körberpreis 2013: siehe Sophokles etc.Dietmar Lenz 2013-05-13 13:07
"Die Bühne werde zum Forschungslaboratorium und zum Ort der Selbstbefragung...", heißt es in der Begründung für den Preis.
THEATER ist seit anbeginn FORSCHUNG gewesen: siehe Sophokles, Euripides etc. Selbst in prätheatralen schamanistischen Ritualen hat Mensch immer seinen Bezug zu Welt erfragt, in Szene gebracht.
#4 Körber Preis 2013: Was meinen Sie?Sinnlich? 2013-05-13 18:04
Was bitte war an der Inszenierung sinnlich? Was meinen Sie? Witzig, kritisierend, karikiierend, ja sehr, und sehr gut, aber sinnlich? So theoretisch war der Essay gar nicht, ... neuinszenierte Klassiker, gibt es landauf, landab, wenn junge Menschen was eigenes produzieren, ist das doch sehr bemerkenswert.
#5 Körber Preis 2013: Können statt SollenHans Uwe Zisch 2013-05-14 00:52
@2: Pardon, Ihre Nachfrage (die genau genommen keine Frage, sondern eine Aufforderung ist, sowohl im Gestus als auch in der Interpunktion) ist sehr berechtigt, wir sollten uns auf Begrifflichkeiten verständigen. Mit "Stück" meinte ich schlicht "Drama" im landläufigen Sinne. Ein Text mit verteilten (ggf. nur einer) Rollen. Oder? Was ist dann für Sie unklar? Die "Publikumsbeschimpfung" ist meines Erachtens ein Stück, genau wie "Die Koralle" oder "Die Perser" oder "Endspiel".
Wenn Sie sich noch einmal meine erste Äußerung durchlesen, werden Sie auch Ihre Lesart, ich hätte ein Sollen angenommen, widerlegt finden. Ich schrieb von Können ("-fähig") nicht von Sollen. Ein "fähig" impliziert ebenfalls keineswegs ein "hauptsächlich". Was meinen Sie?

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