Dichter der Freiheit

27. August 2013. Der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf ist tot. Wie sein Verlag Rowohlt mitteilte, verstarb der 48-Jährige in den späten Abendstunden des 26. August 2013. Unter Berufung auf einen Tweet der mit Herrndorf eng vertrauten Autorenkollegin Kathrin Passig melden verschiedene Medien, dass Herrndorf den Freitod wählte. Der Autor litt seit Längerem an einem bösartigen Hirntumor. Auf die Theaterwelt hat er insbesondere mit seinem Road-Roman "Tschick" prägenden Einfluss ausgeübt. Das 2011 in einer Bearbeitung des Dramaturgen Robert Koall in Dresden zur Uraufführung gebrachte Werk ist einer der großen Erfolgstexte des aktuellen Theaters und wird an diversen Bühnen gespielt.

Herrndorf, geboren 1965 in Hamburg, studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und arbeitete als Illustrator und Autor unter anderem für das Fanzine "Luke & Trooke", den Haffmans Verlag und die Satirezeitschrift "Titanic". Für seinen 2010 bei Rowohl erschienen Roman um zwei jugendliche Ausreißer "Tschick" erhielt Herrndorf 2011 den Clemens-Brentano-Preis und den Deutschen Jugendliteraturpreis. Mit seinem Wüstenroman "Sand" gewann er 2012 den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik. Im selben Jahr wurden ihm der Hans-Fallada-Preis und der Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft zuerkannt. In dem Blog "Arbeit und Struktur" setzte sich Herrndorf u.a. mit seiner Krankheit auseinander.

Für die nachtkritik.de-Festivalseite zum Heidelberger Stückemarkt 2012 widmete sich Christian Rakow in einem Essay über Jugendstücke der Bühnenfassung von "Tschick" und würdigte Herrndorfs subtiles, weit über die Jugendliteratur hinausreichendes Buch: "Der Roman über zwei jugendliche Berliner, die mit einem geklauten Lada in die Walachei reisen wollen und tatsächlich irgendwo im brandenburgischen Niemandsland herumkurven, ist eine Erzählung mit Klassikerformat, eine große Hymne auf die Freiheit und das Leben abseits des Mainstreams."

(chr)

 

 

 
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