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Wider den Elitarismus

Peter Gelb ist seit 2006 Intendant der Met, der Metropolitan Opera in New York City, und der Mann, der die Idee hatte, Opern-Premieren live auf die Kinoleinwand zu übertragen. Susanne Hermanski hat ihn anlässlich der heutigen (auch in deutsche Kinos gestreamten) Premiere von "Eugen Onegin" für die Süddeutsche Zeitung interviewt.

"Der Kreuzzug, den ich schon mein Leben lang führe, ist der Versuch, Hochkultur und ein breiteres Publikum zusammenzuführen", sagt Gelb. "Ich glaube nicht an den Wert des Elitären, ich glaube an ein intellektuelles Streben in der Kunst, aber nicht daran, sie unzugänglich zu machen. Künstler verstecken gern ihre Minderleistung hinter der Ausrede, was sie tun, sei zu anspruchsvoll." Wichtig sei "der respektvolle Umgang mit dem Publikum, ohne nur dessen Erwartungshaltung zu bedienen. Hochkultur kann auf verschiedenen Levels funktionieren, wie ein großer Abenteuerfilm auch."

Die Zukunft der Oper werde "sicher nicht durch die Dekonstruktion von Handlungssträngen gesichert (...). Wenn man große Meisterwerke lediglich in ihre Teile zerlegt, sind sie bald keine großen Meisterwerke mehr. Man versteht sie nicht mehr und sie werden zu entsorgbaren Kunstfragmenten." Mehr verspricht er sich vom "Einsatz moderner Technologien auf der Bühne" und denkt dabei an Künstler wie Robert Lepage oder William Kentridge.

Er ist sich auch sicher, dass die Übertragung von Opern-Premieren auf die Kinoleinwand neben den Live-Streams im Internet eine Chance hat: "Sie ist ein soziales Phänomen. Ein Massenerlebnis, das sich über Kontinente erstreckt, und das ist dem Zuschauern auch sehr bewusst. Viele Leute applaudieren in den Sälen – obwohl sie ja keiner der Sänger hören kann."

(ape)