Pleite mit oder pleite ohne Theater

Dessau, 6./7. November 2013. Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt bleibt dabei, ihre Zuschüsse für das Anhaltische Theater Dessau von acht auf fünf Millionen Euro zu kürzen. Diese Entscheidung des Kulturausschusses teilte der MDR via Twitter bereits am Mittwochmorgen mit. In den kommenden Wochen wird sich nun herausstellen, ob in Folge einzelne Spielstätten oder das ganze Theater geschlossen werden müssen.

Die Mitteldeutsche Zeitung (7.11.2013) bereichtet eingehend über das Gespräch zwischen Land und Stadt Dessau: Am 1. Dezember, also in drei Wochen, wolle Sachsen-Anhalts Kultusminister Dorgerloh (SPD) die Kabinettsvorlage zur Theaterfinanzierung einbringen. Bis dahin erwarte er, so die MZ, von der Stadt Dessau, "dass nunmehr rasch ein belastbares Konzept in Richtung Musiktheater seitens der Stadt vorgelegt wird".

Während das Land eine Beschränkung auf Musiktheater vorzieht, hätten Dessaus Stadträte bereits einen Vorschlag unterbreitet, der mehr das Musiktheater in Dessau erhalten solle. "Dafür wäre allerdings eine Veränderung der Theaterlandschaft im gesamten Land nötig, um mit den geplanten sieben Millionen Euro Landeszuschuss weniger für die Theater in Sachsen-Anhalt auszukommen."

Ein Punkt dieses Vorschlags sehe vor, dass Schauspiel und Puppentheater von der Stadt in Eigenregie - und -verantwortung an das "Alte Theater" übernommen werden, dabei Zusammenarbeit mit freien Ensembles der Region. "Punkt 2 sieht vor, das Anhaltische Theater als Musiktheater der Region neu zur errichten und dass die Orchester Dessaus und der Staatskapelle Halle kooperieren." Punkt 3 schlage eine landesweite Tanzcompagnie vor, die in Dessau, Magdeburg, Halle und Halberstadt die notwendige Bespielung gewährleistet. "Das Nordharzer Städtebundtheater, das Theater der Altmark Stendal, das Theater Eisleben und die Orchester in Schönebeck und Wernigerode fusionieren zur Landesbühne Sachsen-Anhalt."

Allerdings müssten selbst für den Erhalt nur des Musiktheaters das Orchester drastisch verkleinert und auch der Chor reduziert werden, um mit den Mitteln auszukommen.

Die MZ zitiert die Reaktion des Dessauer Generalintendanten André Bücker: "Entweder behält (die Stadt) das Theater und geht pleite oder sie wickelt es ab und geht ebenfalls pleite."

(mw / sd / MDR / Mitteldeutsche Zeitung)

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