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Mehr Verantwortung des Bunds

28. November 2013. Wie könnte es anders laufen in der Kulturpolitik, bei der Vergabe von Fördermitteln und Kulturausgaben? In der Zeit plädiert Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele, dafür, dass der Bund mehr Verantwortung übernimmt.

Im Interview mit Ijoma Mangold und Moritz Müller-Wirth sagt Oberender: "Es ist wie mit den zerfallenden Autobahnbrücken, man könnte sie privatisieren. Aber diese Infrastruktur ist unser Gemeingut. Deshalb wehren wir uns gegen eine Autobahnmaut. Und mit unserer Kulturlandschaft ist das ähnlich." Kulturausgaben seien genauso zu betrachten wie die für die Justiz und die Bildung, es handele sich nicht um Subventionen wie beim Solarstrom. "Es geht auch nicht simpel um mehr Geld, wir brauchen einen Systemwechsel."

Auf die Frage, welche Rolle der Bund dabei spielen könne, sagt Oberender: "Er sollte sich landesweit am Erhalt der dezentralen Kulturlandschaft beteiligen, sowohl im Sinne eines Bestandsschutzes als auch durch Entwicklungsimpulse. Den einen Teil des Etats für Kultureinrichtungen gibt dann weiterhin die Kommune. Einen anderen der Bund, wobei er zugleich andere Interessen stützen könnte und sollte als die Städte und Länder." Und: "Wir müssen darum kämpfen, dass der Kulturetat des Bundes von 0,4 mindestens auf 1,9 Prozent steigt, denn unter den Bedingungen der Schuldenbremse werden die Kommunen dieses Geld brauchen."

Evaluierbare Projektgelder könnten ein Teil des Budgets sein, das der Bund den Häusern konstant zur Verfügung stellt. "Es geht darum, dass wir die hoch qualifizierte, dezentrale Kulturlandschaft unseres Landes schützen. Aber im Bereich des Theaters wollen längst nicht mehr alle Künstler in den klassischen Strukturen arbeiten."

Die Produktionsbedürfnisse der Künstler verändern sich gerade, aber auch der Werkbegriff, das Verhalten des Publikums und seine demografische Zusammensetzung. "Die Kunstprozesse werden partizipativer, interdisziplinärer und internationaler – wie kann ich das in bestehenden Strukturen abbilden? Wie kann ich kleine und große Strukturen verkoppeln? Das ist die Herausforderung." Einige traditionelle Häuser haben sich dieser kooperativen Produktionskultur geöffnet, so wie die Theater von Karin Beier oder Johan Simons. Das neue Team des Maxim Gorki Theaters ziele genau auf so ein hybrides Modell, bei denen die Zukunft liege. "Das neue System ist im Begriff zu entstehen, niemand hat es angeordnet, sondern es folgt der Logik der Produzenten und Künstler, der Dynamik ästhetischer Entwicklungen."

Fazit: "Haushälter, Politiker, werden unsere dezentrale Produktionslandschaft killen, wenn der Bund nicht hilft. (...) Die Investitionen des Bundes können und
sollten an den Erhalt unserer dezentralen Theaterstruktur gekoppelt werden. Dafür könnte eine weitere Institution nach dem Modell der Kulturstiftung des Bundes das richtige Instrument sein. Die so an die traditionellen Häuser gelenkten Projektmittel würden die Arbeit dort auch unter den Bedingungen der Schuldengrenze sicherstellen."