Politisch, emanzipatorisch, intelligent

27. Januar 2014. Die Regisseurin und Autorin Franziska Steiof ist tot. Wie das Berliner Grips Theater mitteilt, habe sich die Künstlerin entschieden, "aus dem Leben zu gehen". Sie starb am 23. Januar 2014 in Hamburg. Als eine der bedeutendsten Theaterschaffenden des Kinder- und Jugendtheaters arbeitete Steiof regelmäßig am Grips Theater, am Theater Kiel, am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Mit der Theatergruppe "DeichArt" war sie in der freien Szene aktiv.

franziska steiof 280 privatFranziska Steiof, 1962–2014 © privatAnlässlich ihrer Einladung zu den Kinderstücken der Mülheimer Theatertage 2011 mit der Neuschreibung des Andersen-Märchens "Undine. Kleine Meerjungfrau" würdigte Elena Philipp für die Festivalseite www.nachtkritik-stuecke2010.de die "poetische Tiefe" der Bearbeitung und die Aktualisierung für heutige Jugendbelange. Immer wieder bewiesen Steiofs Arbeiten, in Regie wie Dramatik, einen unverkrampft modernen, emanzipatorischen Charakter, allen voran ihre mit dem Ikarus-Preis für die beste Berliner Jugendtheaterarbeit 2011 ausgezeichnete Inszenierung "So lonely" (nach einem Roman von Per Nilsson) am Grips Theater. "Das Stück schildert die erste, große innere Zerreißprobe in den Jugendjahren, wenn sich die Gefühlswelt zu weiten beginnt. Regisseurin Franziska Steiof hat diese bittersüße Tortur des Erwachsenwerdens mit Jennifer Breitrück und Robert Neumann ebenso leicht und humorvoll wie reif und existenziell dringlich eingerichtet", hieß es in der Laudatio.

Franziska Steiof wurde 1962 in Offenbach geboren, arbeitet seit 1992 als freie Regisseurin, Theaterautorin und Personaltrainerin für Unternehmensberatungen. In seinem Porträt für die Online-Seite des Goethe-Instituts schrieb Stefan Fischer-Fels, ehemals Intendant des Jungen Schauspielhauses Düsseldorf und jetzt künstlerischer Leiter des Grips Theaters: Am Grips habe Steiof, "auf verschlungenen Wegen und auf merkwürdige Weise, eine künstlerische Heimat gefunden, indem sie intelligente, politische Theaterkunst kreiert, die ihr Publikum emotional abholt und ästhetisch herausfordert." In der jetzt versandten Pressemitteilung äußert sich Fischer-Fels bestürzt über den Tod seiner langjährigen Regisseurin: "Ihre Inszenierungen haben den Spielplan des Grips Theaters seit über zehn Jahren entscheidend geprägt. Wir sind unendlich traurig über den Verlust einer großen Künstlerin und eines liebenswerten und großherzigen Menschen. Sie hinterlässt eine große Lücke."

Auf der Festivalseite von nachtkritik.de zu den Mülheimer Theatertagen 2011 antwortete Franziska Steiof auf die letzte von sieben Fragen, mit wem sei einmal ein Bier trinken gehen würde: "Am liebsten würde ich zu dritt Wein trinken: mit Michael Kohlhaas und dem Käthchen von Heilbronn. Und sie zum Thema Intuition und Radikaliät befragen... und was ihr Leben lebenswert gemacht hat."

(chr)

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