"Ziel: andere zu erniedrigen"

17. Februar 2014. Die österreichischen Medien berichten weiter über die Finanz-Affäre am Wiener Burgtheater, wo sich immer neue Ungereimtheiten abzeichnen. So berichtet Karin Cerny im Magazin Profil (online 15.2.2014), dass ein Zwischenbericht der Wirtschaftsprüfer die entlassene kaufmännische Direktion Silvia Stantejsky schwer belaste.

Demnach habe es "immer vor Abschluss des jeweiligen Geschäftsjahres hohe Einzahlungen in die Kassa gegeben". Viele dieser Einzahlungen seien jeweils ein paar Monate später wieder herausgenommen worden. So scheine eine Buchung eine Einzahlung von 6000 Euro in die Kassa zu dokumentieren, die Regisseur Christoph Schlingensief am 30./31. August 2012 getätigt haben soll. Zu diesem Zeitpunkt war er jedoch bereits zwei Jahre tot.

Dies bestätigt auch Thomas Trenkler heute im Standard (17.2.2014), der weitere Details ausführt und den Bericht zitiert: "Es gibt Indizien dafür, dass Frau Stantejsky, um Löcher zu stopfen, Mittel mit gefälschten Belegen in die Burgtheater GmbH eingebracht hat." Und das heißt tatsächlich: mit gefälschten Unterschriften.

Im Profil wird außerdem Burgchef Matthias Hartmann angegangen, der sich vor ein paar Wochen noch damit gebrüstet habe, die Theater in Bochum und Zürich saniert zu haben. Dazu habe sich nun Jean-Pierre Hoby, der ehemalige Direktor der Kulturabteilung der Stadt Zürich, zu Wort gemeldet. "Die Behauptung Hartmanns, er habe Zürich als Sanierungsfall übernommen, sei eine mutwillige Beleidigung nicht nur seines Vorgängers Andreas Spillmann, sondern auch der Stadt Zürich. 'Sie hat nur ein Ziel: andere zu erniedrigen, um sich selber zu erhöhen!', so Hoby." Hartmanns Vorgänger habe die Spielzeit 2004/05 mit einem Gewinn abgeschlossen und die Reserven erhöht. "'Die erste Spielzeit von Matthias Hartmann schloss mit einem Verlust von 229.181 Franken', so Hoby gegenüber profil. 'Der Verlust wäre weit höher ausgefallen, wenn unter seiner Leitung nicht stille Reserven in der Höhe von 1.664.730 Franken aufgelöst worden wären, wenn die Rückstellungen nicht um 1.757.812 Franken abgebaut und die Abschreibungspraxis nicht verändert worden wäre, die es erlaubte, für die Immobilie Schiffbau 758.000 Franken weniger abzuschreiben als in der vorangehenden Spielzeit.'"

(geka)

Alles zu den Vorgängen am Wiener Burgtheater finden Sie in der Chronik der Affäre um die Wiener Burgvizedirektorin.

 
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