Im Interesse der Redlichkeit

5. März 2014. Matthias Hartmann, von 2005 bis 2009 Intendant des Schauspielhauses Zürich, hatte im Zusammenhang mit der schwierigen finanziellen Situation am Wiener Burgtheater behauptet, er habe u. a. auch das Schauspielhaus Zürich saniert. Diese Aussage sei nachweislich falsch, schreibt heute Jean-Pierre Hoby in der Neuen Zürcher Zeitung, von 1983 bis 2010 Direktor der Dienstabteilung Kultur der Stadt Zürich.

Andreas Spillmann, Hartmanns Vorgänger, habe, so Hoby, Hartmann das Theater mit Rückstellungen in der Höhe von rund 8,452 Millionen Franken übergeben. Hartmann wiederum habe seinerseits das Theater an Barbara Frey mit 6,309 Millionen Franken Rückstellungen hinterlassen. "Diese waren während seiner Spielzeit also um mehr als 2,1 Millionen Franken geschrumpft. Mittlerweile hat Barbara Frey die Rückstellungen wieder auf 8,202 Millionen aufgestockt. Die von Matthias Hartmann behaupteten Mehrkosten von 1,6 Millionen Franken für das technische Personal treffen nicht zu. Unter seinem Vorgänger belief sich der Aufwand für das technische Personal auf 12,311 Millionen, bei Matthias Hartmann betrugen sie vier Jahre später 12,678 Millionen, also nur gerade 0,367 Millionen Franken mehr."

Hierzu sei, so Hoby, insbesondere zusagen, "dass Matthias Hartmann eine vor seinem Amtsantritt von Andreas Spillmann einvernehmlich erarbeitete und vom Verwaltungsrat des Schauspielhauses sowie von der Gewerkschaft gebilligte Lösung der Besoldungsfrage für das technische Personal mit Mehrkosten von insgesamt 60 000 Franken erhalten hatte. Diese Mehrkosten wollte Matthias Hartmann neu verhandeln und torpedierte die gutgeheissene Lösung, da er sie zu teuer fand. Die Enttäuschung des technischen Personals entlud sich in einem Streik, einem in der Geschichte des Schauspielhauses einmaligen Vorfall."

Auch mit Blick auf andere Behauptungen Hartmanns über seine Zürcher Intendanz besteht für Hoby "im Interesse der Redlichkeit Erklärungsbedarf".

(sle)

 

Hier die Chronik der Burgtheaterkrise.

 
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