Wie einst bei Peter Zadek

26. März 2014. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung porträtiert Irene Bazinger die Regisseurin Gisela Höhne, die Leiterin des integrativen Theatergruppe RambaZamba, die morgen in Leipzig den Caroline-Neuber-Preis erhalten wird.

Eine Gruppe für den eigenen Sohn

"Die Geschichte eines der aufsehenerregendsten deutschen Theater", schreibt Bazinger, sei "dem Zufall" zu verdanken gewesen, dass die "Schauspielerin Gisela Höhne und ihr Mann, der Regisseur Klaus Erforth, 1976 in Ost-Berlin" den Sohn Moritz, ein Kind mit Down-Syndrom bekamen. "Als seine Mutter mit ansehen musste, wie er in seiner Tagesstätte bei der Aufführung des Weihnachtsmärchens lauter Dinge tun sollte, die er weder begriff noch beherrschte, beschloss sie, selbst eine Gruppe zu organisieren, um seine Fähigkeiten zu fördern." Aus dem Zirkus, den sie 1987 gründete und in dem "erstmals in der DDR behinderte Kinder" auftraten, habe sie dann das Theater RambaZamba entwickelt, das 1991 mit "Prinz Weichherz", dem Regiedebüt von Gisela Höhne im Deutschen Theater bekannt geworden sei.

Keine Krankheitsbilder als Stil

Höhne sei Künstlerin, nicht Pädagogin oder Therapeutin, sie bestehe auf "professionellen Standards". Rund dreißig Produktionen seien bisher, "meist unter Beteiligung von ein, zwei unbehinderten Mitwirkenden", entstanden. Zu Beginn jeder Inszenierung frage sie die Mitspieler nach persönlichen Erfahrungen, um "Themen wie Ausgrenzung, Verlassenwerden, Liebessehnsucht aufzubereiten". Diese "bildeten zum Beispiel das Zentrum von 'Medea – Der tödliche Wettbewerb', wofür es 1999 den Sonderpreis der Jury des Festivals 'Politik im freien Theater" gab".

Von Anfang an seien Gisela Höhne "die besondere Poesie, die Gestaltungsfreude, die Hingabe" vieler Behinderter als "ein Schatz" erschienen. Sie wolle ihr Ensemble "weder ausstellen noch Krankheitsbilder als Theaterstil verkaufen". Deshalb stünden die Menschen, "die im Alltag häufig angestarrt werden", dann "selbstbewusst als Othello, Woyzeck oder Ophelia vor dem Publikum auf der Bühne: 'Schaut her, das kann ich!' Und nicht: 'Das bin ich.'"

Seit 1993 habe RambaZamba im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg eine vom Senat unterstützte Spielstätte und 35 feste Stellen für Schauspieler. Jetzt erhalte Gisela Höhne den mit 10.000 Euro dotierten Caroline-Neuber-Preis, den die Stadt Leipzig alle zwei Jahre an eine prägende Theaterfrau verleihe. Viele professionelle Theatermacher seien fasziniert von der Arbeit der Truppe. Eva Mattes, die die Laudatio halten werde: "Spielen, spielen, spielen und nicht bloß etwas nachmachen – genau wie einst bei Peter Zadek!"

(jnm)

Mehr dazu: Ein Gespräch mit Gisela Höhne sendete das Deutschlandradio Kultur am 27. März 2014.

 
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