Soziale Netzwerke sind Realität

20. Mai 2014. Ob Oper, Museen oder Theater: Münchner Kultureinrichtungen sind bundesweit vorn was die Nutzung von Social Media betrifft. So schaut heute auf den lokalen Kulturseiten in der Süddeutschen Zeitung Christian Lutz einmal näher hin. "Die Chance der Sozialen Netzwerke liegt nicht im Kartenverkauf", schreibt sie, "sie liegt im Dialog".

Die Zeiten seien längst vorbei, da ein Theater einfach mal eine Facebook-Seite anlegen und sich modern dabei fühlen konnte. "Inzwischen bedarf es Manpower, um die digitalen Kanäle parallel und gleichzeitig geistreich zu bespielen. Dem Trugschluss, dass man mit einem einzigen 'Wir haben noch Tickets'-Post auf Facebook ganze Busladungen williger Zuschauer herbeischaffen könnte, erliegen vielleicht noch ein paar greisenhafte Intendanten, sonst im Kulturbetrieb aber niemand mehr." Sie führt auch Beispiele gelungener Social Media Kommuniaktion an: "Als die Münchner Philharmoniker vergangenes Jahr eine eigene Version der Champions-League-Hymne einstudierten und ein Video online stellten, in dem das halbe Orchester und Lorin Maazel höchstpersönlich im Bayern-Trikot auftraten, flippte die Öffentlichkeit aus, das Video wurde millionenfach geklickt. Die Erkenntnis scheinbar: Die sind ja gar nicht so weltfremd. Auch wenn man hier fast schon von Marketing sprechen muss: Den Philharmonikern hat die Aktion viel Sympathie und neue Zuhörer eingebracht."

Johannes Lachermeier war ganz vorn mit dabei, als sich Facebook und Twitter in Deutschland verbreiteten. Er habe für die Bayerische Staatsoper inzwischen eine Community von mehr als 21000 Facebook-Fans und knapp 11000 Followern auf Twitter aufgebaut, "sie kommen auch aus Japan und den USA". Regelmäßig tausche er sich mit Ingo Sawilla vom Residenztheater nebenan über die Arbeit aus. "Hier arbeiten auch nur Menschen", sagt er. "Wir haben die korinthischen Säulen und große, verschlossene Türen. Ich möchte das aufbrechen. Die Öffnung des Hauses – das gehört auch zum Kulturauftrag."

"Theater hat sich schon immer mit gesellschaftlichen Realitäten auseinander gesetzt", wird Ingo Sawilla zitiert. Soziale Netzwerke seien Realität. Gerade wachse eine Generation heran, deren Sehgewohnheiten sich von denen ihrer Eltern stark unterschieden und beim "Tatort" immer parallel auf dem Second Screen die Twitter-Kommentare mitverfolgten. "Wir wollen uns den Dünkelblick nicht leisten", so Sawilla weiter. "Wenn wir nichts tun, geht vielleicht in zehn Jahren niemand mehr ins Theater, und dann klagen alle, das Theater habe nichts gemacht. Also schauen wir, wohin die Reise geht."

(sle)

 

Texte zum Thema Social Media und Theater auf nachtkritik.de:

Das Barcamp "Theater und Internet" am Thalia Theater Hamburg von Esther Slevogt (11/2012)

Twitter und Theater – Wie die Sozialen Medien im Theater funktionieren (könnten) von Anne Peter (4/2014)

 
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