Neues von den Sopranos

13. Juni 2014. Burgtheater-Holding-Chef Georg Springer hätte das gigantische Defizit des Hauses, das im Zuge der Burgtheater-Krise ans Licht gekommen ist, "womöglich verhindern können". Das schreibt Ashwien Sankholkar im österreichischen Wirtschaftsmagazin "Format" und beruft sich auf "FORMAT exklusiv vorliegende Berichte der Internen Revision der Bundestheater-Holding aus 2011 und 2013".

Bereits 2011 sei in einem Bericht der Bundestheater-Revision zum Thema "Bareinzahlungen" festgehalten worden, dass am Burgtheater mehr als 30 Prozent aller Honorare, Spesen, Wohnzuschüsse über Barzahlungen abgewickelt wurden. Der Bericht habe mit der Empfehlung geendet, ein neues Kontrollsystem einzuführen, die Geschäftsführerin Stantejsky habe zuviel Macht. Nachdem nichts geschehen sei, sei im Bericht von 2013 erneut gemahnt worden: "Im Burgtheater ist der Anteil an Barzahlungen und Akontierungen höher als im Vergleich zu den beiden Musiktheatern. (…) Das birgt nicht unerhebliche Risiken und wurden bereits in Berichten der Internen Revision 2010/11 angesprochen."

Als Künstler, die von Stantejskys Cash-System profitiert hätten und deshalb bald ins Visier der Steuerfahnder geraten dürften, nennt Ashwien Sankholkar in seinem Porträt des Burgtheaters als mafiöses System die Schauspieler Michael Maertens, Christiane von Poelnitz und Gert Voss sowie den Regisseur Jan Bosse. Diese Informationen entnimmt er dem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG "Projekt Sopran" von 2014, der online zugänglich ist; die entsprechenden Passagen sind anonymisiert. Auf Stantejskys "Depotliste" standen allerdings, nachtkritik.de berichtete, auch Namen von weiteren Künstlern und Mitarbeitern (die aktuelle Burgtheater-Interimschefin Karin Bergmann ist ebenfalls dort erwähnt), wobei dabei nicht gesichert ist, dass sie von einem solchen Bargeldkonto gewusst haben. Der Regisseur Christoph Schlingensief hat der Depotliste zufolge noch nach seinem Tod Einzahlungen getätigt.

Eine weitere Baustelle, deren Aufdeckung viele am Burgtheater beschäftigte Künstler sowie Burg-Betriebsratschefin Dagmar Hölzl unter Druck setzen dürfte, sind Sankholkar zufolge die "Erlöse aus Rundfunk- und Fernsehübertragungen", für deren Verteilung der Betriebsrat zuständig sei, der das Geld stets in bar an die Künstler ausgezahlt habe, ohne zu prüfen, ob Steuern abgeführt würden. "Allen ORF-Geldempfängern, die in der vom Betriebsrat geführten Liste aufscheinen, droht eine Steuerprüfung", schreibt Sankolkhar.

(Format / sd)

Unsere Chronik der Burgtheaterkrise

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