"Die Kuh darf nicht aus dem Stall"

21. Juni 2014. In einem Gespräch der Wiener Zeitung Die Presse (21.6.2014) mit Matthias Hartmann und dem Theater-Ökonom Peter Raddatz, der ab 2011 als wirtschaftlicher Berater des Burgtheaters tätig war, erhebt Matthias Hartmann abermals schwere Vorwürfe gegen den Geschäftsführer der Bundestheater-Holding Georg Springer und verdächtigt Kulturminister Josef Ostermayer den Schuldigen zu decken.

Faktische Insolvenz bereits 2008

In dem Gespräch, das Judith Hecht mit dem Raddatz und Hartmann führte, sagt der ehemalige Burgtheater-Direktor, "die Menschen" sähen, dass bei seiner Entlassung "starke Interessen anderer im Spiel" gewesen seien. Obwohl der Eindruck in der Öffentlichkeit entstanden sei. "Das kann doch nicht sein, dass der Hartmann jahrelang in diesem Theater sitzt, ohne von den Dingen gewusst und sie durchschaut zu haben!", sei es eben doch so, dass er von Anfang an getäuscht worden sei, weil er trotz vertraglicher Zusicherung im Jahre 2009 keineswegs ein schuldenfreies Haus übernommen habe. Die faktische "Insolvenz" der Burg würden durch Aufsichtsratsprotokolle aus Juni und Oktober 2008 belegt. Damals sei auch die heutige Burg-Chefin Karin Bergmann Mitglied des Aufsichtsrates gewesen. Im Gespräch nennt Peter Raddatz dies den verwirklichten Tatbestand der "arglistigen Täuschung".

Georg Springers Verantwortung

Hartmann gibt an, er sei nie Teil des Stantejskyschen "Schwarzgeldsystems" gewesen. "Anders als behauptet, gibt es für jedes meiner Honorare eine vertragliche Grundlage, das kann ich beweisen."

Georg Springer, Chef der Bundestheater-Holding, versuche von seiner eigenen Verantwortung abzulenken. Hartmann: "Lange genug musste ich hören: 'Wir müssen beide in einem Boot bleiben. Sonst fliegt alles auseinander.' " Raddatz: "Die Kuh darf nicht aus dem Stall", das habe Springer immer wieder gesagt. Springer habe, als ihm Beweise dafür vorgelegt worden seien, "dass die Bühnenbilder, die vernichtet werden, trotzdem weiterhin in der Bilanz geführt werden, damit sie als Wert bestehen bleiben", Stantejsky verboten, sich erneut als Geschäftsführerin zu bewerben. Darauf habe sie zu ihm gesagt: "Wenn du mich fallen lässt, dann fällst du mit." Als Zeuge dieses Gespräches habe er damals gar nicht verstanden, worum es gehe.

Auch die damaligen Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers seien über diese Praxis, bereits vernichtete Produktionen noch als Werte zu führen, informiert worden. Sie hätten aber nach der Information nie wieder zu dieser Sache Stellung genommen.

Deckt der Minister den Schuldigen?

Hartmann sagt, er frage sich, warum Kulturminister Josef Ostermayer Georg Springer nicht entlassen habe, schließlich werde Springer in dem Gutachten, das Ostermayer im März in Auftrag gegeben habe und das dann den Grund für Hartmanns Entlassung abgab "schwer" belastet. Hartmann: "Ich frage mich, seit wann Ostermayer wusste, dass Springer quasi der Hauptbeschuldigte ist? Hat er womöglich gelogen?"

(jnm)

Mehr dazu: Chronik der Krise des Burgtheaters

 
Kommentar schreiben