100.000 auf der hohen Kante

23. Juli 2014. Der österreichische Rechnungshof übt in seinem heute erschienenen 160 Seiten umfassenden, die Geschäftsjahre 2009/2010 bis 2011/12 behandelnden Bericht zu den Finanzen der Bundestheater-Holding scharfe Kritik sowohl an der Holding und den Verantwortlichen der einzelnen Häuser als auch an der Politik. Das berichtet Die Presse.

Konstatiert werden der Zeitung zufolge "nicht genehmigungsfähige Dreijahrespläne, 'keine realistischen' Finanzierungskonzepte und teure Evaluierungen ohne Konsequenzen". Die Holding habe laut Bericht "ihre strategische Führungsrolle im Hinblick auf Darlegung des mehrjährigen Finanzbedarfs für den Bundestheater-Konzern unzureichend" erfüllt.

Das Kulturministerium, im Berichtszeitraum unter SPÖ-Ministerin Claudia Schmied, wird "mangels Maßnahmensetzung, teurer, teilweise nicht schriftlich festgehaltener Evaluierung sowie nicht nachvollziehbarer Prämien an Holding-Geschäftsführer Georg Springer" in die Mangel genommen. Springer habe im Jahr 2011 zusätzlich zu seinen monatlichen Bruttobezügen einen Zuschlag von 36,9 Prozent erhalten, wodurch sein Bruttojahresbezug auf rund 258.000 Euro angestiegen sei. Außerdem sei die Position des Geschäftsführers der Holding seit 1999 nie öffentlich ausgeschrieben worden, obwohl dies das Stellenbesetzungsgesetz vorsehe.

Größer als bisher bekannt ist dem Bericht zufolge das Ausmaß, in dem die drei zur Holding gehörigen Theaterhäuser Gagen, Honorare und Reisekosten sowie Bezüge und Bezugsvorschüsse in bar ausgezahlt haben, schreibt Die Presse. "So seien in den Kassen von Burgtheater, Volksoper und Staatsoper zum Monatsletzten jeweils mehr als 100.000 Euro in bar vorhanden gewesen." Mit 7,13 Millionen Euro entfielen rund 80 Prozent der Barauszahlungen allein auf das Burgtheater. "2,8 Millionen Euro davon zahlte die Burgtheater GmbH an Gastkünstler, 288.623 Euro an ihre Beschäftigten." Die höchste Anzahl der insgesamt 229 Barauszahlungen ist dem Bericht zufolge an den ehemaligen künstlerischen Geschäftsführer Matthias Hartmann gegangen. "39 Barzahlungen in der Höhe von 8,40 bis 1000 Euro (gesamt rund 10.170 Euro) betrafen Hartmann, wobei 'nicht unmittelbar erkennbar war, ob es sich um eine dienstliche Veranlassung handelte'."

(Die Presse / sd)

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