Streit um 400.000 Euro Einsparung

30. Juli 2014. Ärger bei den Hersfelder Festspielen: Intendant Holk Freytag ist vom Magistrat der Stadt Bad Hersfeld fristlos entlassen worden, die Kündigung soll zum 3. August greifen, das berichtet die Hessische Niedersächsische Allgemeine. Als Begründung wird angeführt, dass Freytag bei der Vorlage des Spielplans für 2015 die Einsparung von 400.000 Euro missachtet habe, die die Stadtverordnetenversammlung den Festspielen auferlegt hat.

"Aus der Luft gegriffen"

In einer Pressemeldung erklärte Freytag, dass die Begründung aus der Luft gegriffen sei, dass ihn Bürgermeister Fehling seit mehr als einem Jahr immer wieder grundlos angegriffen, verleumdet und in der Arbeit behindert habe. "Dadurch hat er den Festspielen nachweisbar schwer geschadet", so Freytag. Dass die Festspiele in diesem Jahr trotzdem pünktlich und erfolgreich stattfinden konnten, sei nur der aufopfernden und großartigen Arbeit seiner Mitarbeiter vor, auf und hinter der Bühne geschuldet.

Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte Freytag, der Bürgermeister habe dem Ruf der Festspiele sehr geschadet. Er führe "eine persönliche Attacke gegen mich seit geraumer Zeit, seit über einem Jahr und das ist jetzt sein persönlicher Schlussstrich." Freytag sagte, der Vorwurf, er habe gegen Regeln verstoßen, sei aus der Luft gegriffen.

Bürgerentscheid unzulässig

Unterdessen hat Bürgermeister Fehling auf eine Solidaritätsbekundung der Schauspieler reagiert: Nach einer Vorstellung hatten sie laut Osthessen News zu einem Bürgerentscheid gegen die Kündigung Freytags aufgerufen.

In einer dort ebenfalls veröffentlichten Pressemitteilung reagierte Fehling: "Abgesehen davon, dass dies arbeitsrechtlich nicht erlaubt ist, gibt es durchaus viele Festspielgäste, die einen schönen Abend genießen und nicht politisch einseitig angesprochen werden wollen." Außerdem wies er darauf hin, dass ein Bürgerentscheid in Personalfragen nicht zulässig sei.

Offener Brief des Bühnenvereins

In einem offenen Brief an den Bürgermeister stellt sich auch die Intendantengruppe des Bühnenvereins hinter Freytag. Darin heißt es unter anderem, der Vorwurf, den Haushaltsbeschluss der Stadtverordnetenversammlung missachtet zu haben, entbehre jeglicher juristischer Grundlage. "Eine fristlose Kündigung ohne politische Dialogbereitschaft und ohne juristische Basis kann deshalb nur als persönlicher Angriff auf Holk Freytag gewertet werden." Und weiter: "Wir bitten Sie in diesem Sinne, konstruktive und menschlich faire Gespräche mit Holk Freytag aufzunehmen."

Freytag, 1943 in Tübingen geboren, leitet die Hersfelder Festspiele seit 2010. Von 2001 bis 2009 war er Intendant des Staatsschauspiel Dresden, zuvor leitete er die Wuppertaler Bühnen und das Schloßtheater Moers, das er 1975 gegründet hatte.

Laut HNA waren am Montagabend bereits zwei Namen als Festspiel-Nachfolger im Gespräch: Martin Apelt aus Darmstadt, dessen Vertrag als Schauspieldirektor dort demnächst ausläuft, und Mark Zurmühle, scheidender Intendant des Deutschen Theaters Göttingen.

(HNA.de / sik)

 

Der offene Brief des Bühnenvereins an Bürgermeister Fehling im Wortlaut

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